Konstanz Integrative Sportwoche erhält Unterstützung

Die integrative Sportwoche am Schänzle soll ausgeweitet werden, um Flüchtlingskinder und Kinder in sozial prekären Situationen die Möglichkeit zu geben durch den Sport integriert zu werden.

„Begonnen hat das Ganze ja damals mit den flüchtigen Russlanddeutschen. Das weiß nur keiner mehr“, erzählt Harald Schuster, als er über das Sportgelände am Schänzle blickt, während die Kinder herumtoben. Seit fast 20 Jahren besteht das Projekt der integrativen Sportwoche, die Harald Schuster vom USC Konstanz ins Leben gerufen hat. Nun soll die Aktion, die Flüchtlingskinder, sozial benachteiligte Kinder und Konstanzer Kinder aus der Nachbarschaft zusammenführt, auch über sieben Tage hinaus erhalten bleiben. Sie soll einen nachhaltigen Effekt nach sich ziehen.

Harald Schuster will die Chance ergreifen, auch nach den Ferien ein integratives Programm anbieten zu können. Die Integration über den Sport sei ein wirksames Mittel, berichtet auch Friedhelm Großmann vom Helfernetzwerk Save Me. Schon während seines Projekts, Flüchtlingssport in der Jägerkaserne, hat er das Potenzial erkannt. „Die Sprachentwicklung der Kinder ist faszinierend“, sagt er. Um die integrative Sportwoche auch außerhalb der Sommerferien anbieten zu können, seien allerdings Sportstätten notwendig, ergänzt Harald Schuster. Doch die Kapazitäten in Konstanz sind bereits knapp, und diese Situation wird durch den Zustrom von Flüchtlingen schwieriger– vor allem, wenn noch mehr Sporthallen wie jene an der Zeppelin-Gewerbeschule vom Landkreis zur Unterbringung von Asylsuchenden in Frage kommen. Zudem sind Schulhallen in den Ferien geschlossen. „Erst eine Woche nach den Sommerferien werden sie wieder geöffnet“, sagt Rainer Neff, Vorstand des TV Konstanz. Auch Manfred Sobisch, Vorstand des Stadtsportverbands Konstanz, erkennt das Problem, das speziell in den Ferien aufkommt. „Die Schließung der Hallen in den Ferien sollte abgeschafft werden“, fordert er. „Wir wollen die Sportwoche langfristig ausbauen“, sagt Sobisch. Das ist jedoch nur möglich, wenn Räume zur Verfügung stehen. Der stellvertretende Leiter des Sportamts Konstanz, Patrick Glatt, ist vor allem mit Harald Schuster in regem Austausch, was Hallenbelegungen angeht. „Die Situation mit den Flüchtlingsunterkünften verschärft sich. Deshalb müssen kreative Lösungen gefunden werden, auch von den Vereinen“, erklärt Glatt.

Gerade weil er die Migrantenkinder als Bereicherung für die Vereine sieht, betont er, dass Nachhaltigkeit nur mit Struktur erzielt werden könne. Betreuer für die Kinder und ausgebildete Übungsleiter müssten akquiriert werden und das hänge alles am Geld. „Es muss dann natürlich ein Finanzierungskonzept geben“, erklärt Rainer Neff. Ein Ansatz könnte sein, Unternehmen als Gönner zu finden. Peter Herrmann, Center Manager des Einkaufzentrums Lago, hat den Anfang gemacht. Von jedem verkauften Lago-Gutschein gehe ein Euro an den Stadtsportverband zum Ausbau des Integrationsprojekts. Er wolle gezielt helfen, sagt Herrmann: „Es ist mir immer ein Anliegen nicht mit dem Gießkannenprinzip vorzugehen. Sozial-Bürgermeister Andreas Osner lobt diese Art der Unterstützung, mit dem das Lago seine Kunden auf Integrationsprojekte aufmerksam mache, und Manfred Sobisch wünscht sich Nachahmer bei Firmen.

Friedhelm Großmann hat ebenfalls Erfahrung darin, wie Flüchtlingskinder in die Gesellschaft integriert werden können. Sportamt und Save Me zögen an einem Strang. „Der Flüchtlingssport in der Petershauser Halle funktionierte durch gute Zusammenarbeit untereinander“, sagt Friedhelm Großmann. Von politischer Seite gibt es großen Rückhalt für solche Angebote. „Im Gemeinderat herrscht ein starker Konsens. Es ist eine gemeinsame Grundrichtung vorhanden“, sagt Andreas Osner. Durch das Engagement des Sportamts, der Kampagne Save Me, den Stadtsportverband und des Einkaufszentrums Lago sei die Liste der Möglichkeiten erweitert worden, damit diese Projekte gelingen können, ist Manfred Sobisch der Ansicht. Während die Verantwortlichen noch über den weiteren Weg der integrativen Sportwoche diskutieren, sind an diesem Abend bereits viele Kinder mit Bussen auf dem Schänzle-Sportplatz angekommen. Ehrenamtliche Helfer versuchen, die Meute im Zaum zu halten. Die Kinder üben sich unter Anleitung in unterschiedlichen Sportarten. Sie nutzen aber auch die bereitgelegten Hula-Hoop-Reifen oder Pedalos. „Einige sind fast nicht zu bändigen. Gerade wollten zwei die komplette Fechtausrüstung aus den Schränken ziehen“, sagt Harald Schuster lächelnd. Und er hofft, bald ein Konzept zu haben, damit es nicht nur bei der einen integrativen Sportwoche im Jahr bleibt.


Die Ausrichter

Die Vereine, die in diesem Jahr die integrative Sportwoche gestaltet haben, waren der TVK, Landessportverband, Stadtsportverband, USC, Rugbyclub, Judoclub und Sportamt. Sie alle tragen stets sportlich, organisatorisch und finanziell dazu bei, die Sportwoche für so viele Kinder wie möglich anzubieten. Teilnehmen konnten in dieser Woche Kinder aus Konstanz und Flüchtlichtsfamilien zwischen sechs bis 13 Jahren. Es gab auch einen Fahrdienst, der sie abholte und nach Hause brachte. (cei)

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