Konstanz Integration durch Sport: Was Fußball alles kann

Sport kann Flüchtlingen die Tür in die Konstanzer Gesellschaft öffnen und für Begegnungen sorgen. Die Integrationsstelle schafft konkrete Angebote und lädt Flüchtlingskinder zum Ballspielen ein.

Fußball funktioniert in jeder Sprache. Egal ob Deutscher, Syrer, Pakistaner oder Nigerianer – durch das Spiel lassen sich Barrieren überwinden. „Es gibt sofort eine Mannschaft“, erzählt Matthias Weber, der die Koordinationsstelle Integration durch Sport betreut. Außerdem gibt Weber Flüchtlingen auf dem Sportplatz im Oberlohn Fußballtraining. „Die Regeln kennen die meisten“, sagt er. Und auch für Übungen zum Aufwärmen oder zur Verbesserung der Technik braucht es keine Worte. Die werden von den Teilnehmern einfach nachgemacht. Der Sport kann für die Bewohner der Flüchtlingsunterkünfte in Konstanz eine Chance sein. Er sorgt nicht nur für Abwechslung im meist eintönigen Alltag, sondern kann auch Brücken für die Integration bauen. Denn Ziel ist es, dass nicht nur Flüchtlinge über den Fußballplatz laufen, sondern sich auch nach und nach Konstanzer finden, die gerne am Training teilnehmen. Dann wäre ein erster Schritt schon geschafft.

Seit vergangenem Herbst gibt es die Stelle von Matthias Weber. Im Sportamt angesiedelt, ist der gerade ausgelernte Betriebswirt die Schnittstelle zwischen Stadt, Flüchtlingshilfsorganisation Save Me und Stadtsportverband, der die rund 80 Konstanzer Sportvereine repräsentiert. Ab April, wenn die groben Strukturen stehen, wird die Stelle auf 400-Euro-Basis über den Stadtsportverband weitergeführt. Das Stadtsportamt wird Webers Nachfolger weiterhin einen Arbeitsplatz für die Koordination zur Verfügung stellen, außerdem das Know-how. Finanzielle Unterstützung bekommt das Integrationsprojekt vom Lago-Center, das für solche Projekte dem Stadtsportverband über 20 000 Euro zur Verfügung gestellt hat.

Kinder genießen die sportliche Abwechslung

Noch stecken die Projekte in den Anfängen. Weber organisiert Übungsleiter für einzelne Angebote und bewirbt diese in den Unterkünften. Eins der Projekte ist der Open Sunday. Jeden Sonntag stellen sich in der Petershauser Sporthalle Vereine Flüchtlingskindern zwischen sechs und 13 Jahren vor. Die Kinder seien froh, dass sie sich bewegen dürfen, hat Weber an dem ersten Termin, als die HSG Konstanz das Handballspielen erklärte, beobachtet. „Es ist herrlich, wenn sie in die Halle gestürmt kommen und sich den Ball schnappen.“ Auch wenn es unter den Kindern kleine Beleidigungen wegen kultureller Unterschiede gab, hätten sie am Ende doch problemlos miteinander gespielt. „Im Konstanzer Sport geht es noch wilder zu“, ist sich Frank Schädler, Leiter des Sportamtes, sicher. Nun möchte er das Angebot auch für Konstanzer öffnen, damit sich die Gruppen durchmischen. Die Neu-Konstanzer sollen in den heimischen Sportvereinen einen Platz bekommen, wenn sie Interesse an einer Sportart haben. „Anfangs ging es nur um Beschäftigung. Wir wollten die Kinder aus den Quartieren holen“, erzählt Schädler. Doch nun gehe es um nachhaltige Integration. „Die Vereine sind eine wichtige Schnittstelle zu den Konstanzern ins Bürgertum hinein.“ Er findet es spannend, nun zu schauen, wie sich die Kinder, die schon vereinzelt beim Schwimmen, Judo oder Boxen untergekommen sind, integrieren.

Außerdem erfülle der Sport auch eine andere Funktion. „Im Sport und im Spiel müssen Regeln eingehalten werden“, erklärt Schädler. Anders funktioniere es nicht. Auch für die Teilnehmer der Angebote gibt es Regeln. Pöbeleien oder gar Handgreiflichkeiten werden nicht akzeptiert. Dafür gibt es eine Gelbe Karte als Verwarnung, bei wiederholtem Fehlverhalten die Rote. Diese Sprache versteht jeder – auch ohne Übersetzer. Wer Rot sieht, muss das Training verlassen, darf aber in der folgenden Woche einen neuen Versuch starten. „Regeln sind eine wichtige Grundlage für die Integration. Sie gibt es überall und es ist wichtig, dass sie eingehalten werden“, erzählt Schädler.

„Alles auf einem guten Weg“

Die Vereine sieht Schädler als wichtige Motoren für die Integration. Viele würden sich von sich aus schon an die Integrationsstelle wenden mit konkreten Angeboten. Matthias Weber möchte den Vereinen dabei Hilfe anbieten: „Wir wollen Enttäuschungen vermeiden.“ Wenn das Angebot nicht angenommen werde, liege es nicht unbedingt an dem Angebot, sondern vielleicht einfach daran, dass die meisten keine Turnschuhe besäßen, nennt er als Beispiel. „Wir müssen koordinieren, wo was zu welchem Zeitpunkt sinnvoll ist.“ Und der Sportamtsleiter hofft auf Entspannung im Frühling, wenn sich wieder mehr im Freien abspielt.Harald Schuster vom Stadtsportverband ist ein alter Hase in Sachen Integration. Er hat bereits in den 90er-Jahren mit Erfolg die integrative Kindersportwoche ins Leben gerufen, die es bis heute in der letzten Woche der Sommerferien gibt.

Er betont, dass die Gruppenleiter alle ehrenamtlich arbeiten und auch er findet: „Sport ist wichtig, weil er auf direktem Wege zur Integration führt, gerade bei Kindern.“ Er weist darauf hin, dass es auch bei Deutschen so sei, dass im Sport alle Schichten zusammenkommen, was in der Gesellschaft sonst selten der Fall sei. Er zeigt sich zuversichtlich: „Wir haben jetzt alles angeschoben und sind auf einem guten Weg.“ Mitte des Jahres werden die Beteiligten Bilanz ziehen über die Projekte. „Ich bin überrascht, was wir schaffen konnten.“ Auch die Angebote aus den Vereinen seien groß.

Sportangebote und andere Hilfe für Flüchtlinge 

Open Sunday: In der Halle Petershausen stellen sich Vereine jeweils sonntags von 10 bis 12 Uhr Kindern zwischen sechs und 13 Jahren vor: 28. Februar, Rugbyclub Konstanz; 6. März, PTSV Tischtennis; 13. März, TC Nicolai Tennis. Weitere Termine sind in Vorbereitung. Es wird darum gebeten, Sportkleidung und Sportschuhe mitzubringen.

Fußball: Auf dem Oberlohn-Sportplatz (Max-Stromeyer-Straße 176) soll ab dem 1. März wieder regelmäßig mit den Flüchtlingen gekickt werden. Das Angebot soll dienstags von 14 bis 16 Uhr und donnerstags 13 bis 15 Uhr stattfinden und ist auch für Konstanzer offen.

Weitere Angebote: Für die Osterferien ist ein Betreuungsprogramm in der Halle Petershausen für Kinder und eventuell Jugendlichen vorgesehen. Außerdem spielen einige Flüchtlinge zusammen mit einer Hobby-Mannschaft in Litzelstetten Volleyball (Ansprechpartner hierfür: Peter Muthmann). In Kooperation mit dem Schwimmklub Sparta findet immer donnerstags um 18.45 Uhr ein Schwimmkurs im Hallenbad am Seerhein statt. Außerdem gibt es ein Hip-Hop-Tanzangebot für Flüchtlingskinder in Kooperation mit Urban Skillz zu unterschiedlichen Kurszeiten. Wer mehr wissen möchte, kann sich an Matthias Weber wenden: Telefon (07531) 900-762.

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