Konstanz – Denken und Reden. Das sind die Schwerpunkte am Stammtisch der Innovationswerkstatt. Benedikt – an diesem Abend zum ersten Mal mit dabei – ist der erste, der redet. Er begann 2014, allein ein Fairtrade-Ökolabel aufzuziehen, erzählt er. Plan war es, T-Shirts mit Siebdruck zu gestalten. Nach zwei Jahren voller Komplikationen, Problemen mit der Produktion und dem Zoll, musste er erkennen, dass er das allein nicht schafft. Er beendete das Projekt, wollte aber die hochwertige Siebdruckmaschine nicht im Keller verstauben lassen. "Vielleicht gibt es hier ja jemanden, der damit etwas anfangen kann", erklärt Benedikt.

Er lässt seinen Blick über 15 Gesichter schweifen, die um ihn herum auf Bierbänken im Keller des Technologiezentrums sitzen. "So wollen wir natürlich nicht zu den Geräten kommen... aber eigentlich sind viele Geräte so zu uns gekommen", erzählt Franz Wanner, Mitgründer der Innovationswerkstatt. Eine Formatkreissäge und eine CNC-Fräse stehen in der Werkstatt, Holz und Spanplatten, Bohrmaschinen und Schrauben, allerlei Werkzeug eben. In einem weiteren Raum steht ein 3D-Drucker und ein weiterer, der gerade im Entstehen ist. Ein Regal mit Ablagefächern für alle ist selbst gezimmert – wie vieles in der Innovationswerkstatt. "Es ist kein Hochglanzlabor, aber wir können Werkzeuge zur Verfügung stellen für Leute, die Ideen haben", erklärt Wanner. An diesem Abend aber dreht sich alles um das Reden.

Eigentlich hatte Matthias Helmke vor, einen Getränkekühler für mehrtägige Musikfestivals zu bauen, als er das erste Mal am Stammtisch Platz nahm. Dann erwähnte er seine Idee, Knödel aus altem Brot zu machen. Felix Pfeffer meinte damals, super Idee, er helfe ihm dabei. Heute jetten die vier Knödelkult-Gründer hin und her zwischen Küche und eigenem Pop-up-Store auf der einen und Messen und Preisverleihungen auf der anderen Seite.

Nicht aus allen Ideen, die in der Innovationswerkstatt entstehen, entspringt ein erfolgreiches Unternehmen. Aber so kann es im besten Fall laufen. Die Konstanzer Innovationswerkstatt ist ein Sammelbecken für Kreative und ihre Ideen, ein Ort für handwerkliches Geschick und gegenseitigen Austausch. Eigentlich ein Ort für jeden, der Input sucht und Impulse geben möchte, sagt Franz Wanner. "Als wir die Werkstatt gründeten, war unsere Gedanke dahinter, dass Menschen, die eine Idee haben, aber nicht wissen, was sie daraus machen oder wie sie die umsetzen sollen, zu uns kommen, und ihre Idee hier weiterentwickeln", erklärt Wanner.

Noch ist das Ganze nicht als eingetragener Verein organisiert, das soll aber bald folgen. Die Hüte zumindest haben Thomas Schuchhardt und Franz Wanner auf; zusammen mit 17 Mitgliedern sind sie die Innovationswerkstatt, die ganz verschiedene Kompetenzen vereint: vom Designer zum Patentanwalt, vom Architekten zum Unternehmensgründer. "Alle zusammen können Impulse geben und beim nächsten Schritt zum eigenen Unternehmen helfen", sagt Wanner. Und: "Jeder kann unverbindlich mit einer Idee zu uns oder zum Stammtisch kommen.

Wir tragen auch nichts nach außen", verspricht er. Obwohl fast nur Männer auf den Bierbänken sitzen, stellt Wanner, der ebenfalls Unternehmensgründer ist, klar: "Das ist keine Männerwerkstatt. Wir hätten eigentlich gern mehr Frauen, denn sie geben oft noch einen anderen Input."

Benedikt zeigt im zweiten Raum der Werkstatt, wie die Siebdruckmaschine funktioniert. "Sieht aus, als ob du einziehen willst, sogar einen Fön hast du mit dabei", sagt Wanner, mit Blick auf die ganzen Kisten, die Benedikt mitgebracht hat. Als dieser T-Shirts mit dem Bodensee bedruckt, kommt die Frage auf, ob man das Druckbrett auch selbst bauen könne. Wolfgang Villing kommentiert: "Ja, wo sind wir denn hier? Natürlich können wir das selbst bauen."

Jeden Dienstag

Die Innovationswerkstatt hat ihr Zuhause im Keller des Technologiezentrums. An jedem ersten Dienstag im Monat treffen sich die Mitglieder zum Stammtisch. Nächstes Treffen wäre also am 6. Dezember, 19 Uhr. Neulinge sind immer willkommen. Auch an allen weiteren Dienstagen ist die Werkstatt ab 19 Uhr geöffnet. Einen Newsletter gibt es per E-Mail an: newsletter-subscribe@innovationswerkstatt.org. Alle weiteren Fragen gehen an: kontakt@innovationswerkstatt.org. (lur)