50 Jahre sind kein Alter für eine Universität. Die Uni in Heidelberg wurde 1386, die in Freiburg 1457 und die in Tübingen 1477 gegründet. Was nicht heißen soll, dass es keine spannenden und amüsanten Geschichten von der Universität Konstanz zu erzählen gäbe. Der emeritierte Soziologie-Professor Erhard Roy Wiehn macht das ein weiteres Mal auf unterhaltsame Weise deutlich. Im Senatsaal der Universität auf dem Gießberg stellte er sein neues Buch „InnenAnsichten der Universität Konstanz“ vor. Seine „Erinnerungen, Beobachtungen, Einschätzungen und Mitteilungen“ beziehen sich auf die Jahre 1966 bis 2016 und damit auf die gesamte bisherige Geschichte der Universität, die in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag feiert. Wiehn war von Anfang an mit dabei, und das – obwohl zu Beginn „nur“ auf einer wissenschaftlichen Assistentenstelle – in einer privilegierten Beobachterposition. Sein Chef war kein Geringerer als der Soziologe Ralf Dahrendorf, einer der Gründungsprofessoren der Universität Konstanz, mit dem er 1966 von Tübingen nach Konstanz gewechselt war.

Wie bereits Wiehns Erinnerungsbuch „MenschWerden“ stellen auch seine „InnenAnsichten“ ein Kaleidoskop aus persönlichem Rückblick, Geschichtsereignissen und Dokumentationen dar. Widergespiegelt wurde dieses allumfassende Interesse des Soziologen an den Menschen und ihren Werken in den Gästen, die zur Buchvorstellung gekommen waren. Darunter Alt-Rektor Horst Sund, ehemalige Doktoranden, Verwaltungsangestellte, die Tochter seiner langjährigen Vermieterin aus Litzelstetten und nicht zuletzt sein Zahnarzt.

Auch in seinem Buch kommen all die Menschen vor, die ihm in seinem Leben begegnet sind und auf unterschiedlichste Weise daran teilgenommen haben. In den Auszügen, die Wiehn bei der Buchvorstellung las, ging es um die Anfangsjahre der Universität, wobei bekannte und bisher unbekannte Anekdoten selbstverständlich nicht fehlen durften. Er zitiert Gründungsrektor Gerhard Hess, der wiederum dem damaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Kurt Georg Kiesinger mit der Universitätsgründung am Bodensee die Motivation zuschrieb, „in einem unter dem Aspekt der heutigen Industriegesellschaft nicht sehr lebhaften Gebiet eine Stätte geistiger Bewegtheit und wissenschaftlicher Impulse zu schaffen: damit zugleich letzte altbadische Unruhen zu besänftigen“.

Es waren nicht die Schlechtesten, die die Universität Konstanz aus der Taufe hoben und mit ihr die ersten Schritte taten. Neben dem wissenschaftlichen und politischen Allrounder Dahrendorf, dem nach Wiehns Dafürhalten in Konstanz auf Dauer „die große Bühne“ gefehlt hat, war das auch Waldemar Besson, „der ebenso hochkarätige wie joviale Politikwissenschaftler“, der am 21. Juni 1966 im Inselhotel die erste offizielle Vorlesung hielt.

Einen erhellenden Blick von außen liefert Erhard Roy Wiehn mittels eines weiteren weltweit geläufigen Namens: Der Historiker Fritz Stern war einer der ersten ständigen Gastprofessoren der Universität Konstanz. Wiehn macht auf eine Passage in dessen Autobiografie aufmerksam, die Konstanz und seiner jungen Universität gewidmet ist. Dort berichtet Stern davon, dass er während seines ersten Aufenthalts in Konstanz in einem „Pseudoschloss am Seeufer“ untergebracht worden sei, „dessen Besitzerin und Bewohnerin die exzentrische Witwe von Wilhelm Scholz war, einem sehr deutschen Schriftsteller“. So komme es zu den Innen- die Außenansichten.