„Ich wusste nicht, ob ich das kann“, sagt Irene Sailer offen. Vor 31 Jahren initiierte sie eine Laientheatergruppe für Kinder und ist sehr erfahren, was Theaterproduktionen für Kinder und Erwachsene anbelangt. Als sie gebeten wurde, ein Theaterprojekt mit behinderten und nichtbehinderten Menschen einzustudieren, zögerte sie zunächst, wagte aber letztlich doch ihr erstes inklusives Theaterprojekt mit Teilnehmern vom Seewerk 2 der Caritas Konstanz. Dass Irene Sailer auch Menschen mit Behinderungen die Freude am Theaterspielen zu vermitteln und zu erstaunlichen Leistungen zu verhelfen vermag, zeigt sich mit der Familienkomödie „(Un)Ordnung muss sein!“. Die Teilnehmer von Seewerk 2 sind glücklich: „Irene ist eine tolle Regisseurin. Sie hat viel Geduld“, lobt beispielsweise Michael Willy Volk, der am liebsten mit „Volki“ angesprochen werden möchte. Und Christian Pino ergänzt: „Sie ist sehr, sehr nett zu uns.“

Die ersten Treffen der fünf behinderten und drei nichtbehinderten Schauspieler waren zunächst geprägt von Unsicherheit und einer gewissen Reserviertheit. Auch die Probenarbeit gestaltete sich anders. „Früher ging das flüssiger; jetzt brauchten wir die dreifache Zeit“, schildert Tine Kobsch, die beinahe seit Anbeginn vor 31 Jahren in der Theatergruppe Don Bosco mitwirkt. Einer hat Sprachschwierigkeiten, die andere körperliche Beeinträchtigungen. Aber im Laufe der etwa einjährigen Probezeit ist Tine Kobsch beeindruckt: „Es ist erstaunlich, was sich manche alles merken können. Und vor allem: Mittlerweile haben wir einen ganz lockeren Umgang untereinander. Ich mag sie jetzt ganz doll.

“ Was Tine Kobsch und Irene Sailer besonders an den Menschen mit Behinderungen beeindruckt: „Sie sind absolut ehrlich.“ Vieles hat sich im Laufe der Inklusionsarbeit verändert. „Sie sind jetzt viel selbstbewusster geworden und sie sind stolz darauf“, sagt Tine Kobsch über ihre Mitspieler. Sie selbst hat ähnliche Erfahrungen gemacht, als sie mit dem Theaterspielen begann. Sie war ebenfalls sehr schüchtern und der erste Auftritt kostete sie etwas Überwindung. Das ist viele Jahre her. Jetzt genießt sie es, auf der Bühne zu stehen, in andere Rollen zu schlüpfen und an sich selbst immer wieder neue Seiten zu entdecken.

So geht es auch den jungen Frauen und Männern von Seewerk 2. Christian Pino hat schon einmal an einem Theaterprojekt mitgewirkt. „Damals ging es nur um Bewegung, jetzt muss ich auch Text sprechen. Das ist gut, da kann ich das Sprechen üben“, sagt er und fügt an: „Ich bin sehr zufrieden.“ Zufrieden über seine eigenen Fortschritte und glücklich über die Gruppendynamik. „Es macht Spaß in der Gruppe. Wir sind jetzt noch freundschaftlicher verbunden.“ Volki ist restlos begeistert. Und diese Begeisterung ist ihm ins Gesicht geschrieben. „Ich habe vorher noch nie Theater gespielt. Ich wollte es einfach mal versuchen. Ich hätte nie gedacht, dass es gleich so gut laufen würde“, sagt er. Volki freut sich, dass er ein neues Talent an sich entdeckt hat und vor allem: „Theater bringt Lust und Laune!“

Damit gibt Volki ein gutes Stichwort, denn das Ensemble möchte mit dem Stück „(Un)Ordnung muss sein!“ auch den Zuschauern Lust und Laune bringen. Irene Sailer hat das Stück vor vielen Jahren selbst geschrieben. Es ist aus dem Leben gegriffen und mit jeder Menge Phantasie gespickt. Meli nämlich ist ein unordentliches Kind. Das Kinderzimmer ist in einem solch verheerenden Zustand, dass sogar schon die Spielsachen rebellieren. Was Löwen-Tinchen, Struwwelpeter, die Sprechpuppe, der Elefant, Ken und das Sparschweinchen besonders traurig macht: Meli bevorzugt den Computer. Die gewitzten Spielsachen lassen sich daraufhin nun so manches einfallen, um Meli zur Ordnung zu erziehen, was dann in urkomischen Szenen gipfelt. Ob es Löwen-Tinchen und Co. gelingt, Meli zu erziehen und umzustimmen, erfahren die Zuschauer im Rahmen dreier Aufführungen.

Die Aufführungen

Die inklusive Theatergruppe Don Bosco präsentiert das phantasie- und humorvolle Stück "(Un)Ordnung muss sein!", das für Kinder und Erwachsene geeignet ist. Die Aufführungen finden am Freitag, 28. April, Samstag, 29. April, sowie am Sonntag, 30. April, jeweils um 16 Uhr im Gemeindesaal der Maria-Hilf-Pfarrei (direkt neben dem Kindergarten) am Tannenhof statt. Der Eintritt ist frei; Spenden zu Gunsten des Hauses Don Bosco der Caritas Konstanz nimmt das Ensemble als Dankeschön gerne entgegen. (as)