Wie wird aus einem Kennenlernen Freundschaft? Wie finden die unterschiedlichsten Charaktere zusammen? Und welche Möglichkeiten gibt es, mit einem Verlust umzugehen?

Anfall und Ente sind grundverschieden. Anfall ist immer in Aktion und will die Welt erleben, Ente mag es ruhig und dümpelt am liebsten auf ihrem Teich umher. Während die beiden sich kennen lernen, verschwindet plötzlich Hundi, das Kuscheltier der Ente. Anfall bietet ihr an, mit ihr zu seinen Freunden zu reisen und Hundi zu suchen. Die beiden treffen die unterschiedlichsten Freunde Anfalls: Kissenschlacht, Pfannkuchen, Pinguin und zum Schluss reisen sie sogar ins Weltall zum Trüddelschmopf. Doch niemand hat Hundi gesehen. Wieder zurück am Teich ist das Kuscheltier immer noch nicht aufgetaucht und Anfall hilft Ente mit einem erfundenen Brief Hundis über den Verlust hinweg.

Die Thematik des Verlusts wird jedoch nicht nur am Ende thematisiert. Bereits am Anfang erzählt Anfall Ente von seiner verstorbenen Oma und erklärt ihr, wie man geboren wird und was nach dem Sterben passiert. Zuerst sei man Sternenstaub, der dann auf dem Nordpol lande und von dort gehe es in den Bauch der Mutter. Wenn man stirbt, sei es genau andersherum – erst der Nordpol und dann in das Weltall. Die Kinder im Zuschauerraum fangen bei der Erklärung an zu murmeln und zu tuscheln und vergleichen ihre eigenen Vorstellungen damit. Aber das junge Publikum reagiert auch auf andere Momente in der Inszenierung. Immer wieder stehen sie kurz auf, um wirklich alles mitzubekommen oder recken ihre Hände dem Nebel entgegen, um ihn zu erfühlen.

Die Grenzen zwischen Phantasie und Realität verschwimmen bei Anfall. Er baut sich seine eigene Welt aus altem Schrott und Freuden, die es eigentlich nicht gibt. Regisseur Ingo Putz möchte das Publikum in dieser Hinsicht anregen. Kinder könnten sich mit jedem Alltagsgegenstand und der Kraft der eigenen Phantasie eine Welt erschaffen, so Putz, und nach dem Besuch in der Inszenierung entdecken die Kinder die Gegenstände vielleicht noch einmal auf eine neue Art und Weise. Auf ähnliche Weise, schildert Putz, bauen sich die Kinder auch eine Erklärung für Dinge, die sie noch nicht verstehen. So sei das Konstrukt Weltall – Nordpol – Mutters Bauch, das als Erklärung für die Geburt dient, durch den Sohn der Autorin entstanden.

Es sei in der Inszenierung toll zu sehen, resümiert Putz, wie sich zwei so unterschiedliche Charaktere annähern und eine Freundschaft entsteht, trotz Streitereien. „Sie akzeptieren sich in ihrer Unterschiedlichkeit“, so der Regisseur, "und sie verbinden ihre Stärken". Anfangs seien beide Figuren, die eigentlich nur mit sich beschäftigt sind – Ente mit ihrem Hundi, Anfall mit seiner imaginären Welt. „Der Verlust von Hundi ist der Motor des Stücks“, erklärt Ingo Putz, „Er ist die Leerstelle, die wieder zu füllen ist“.

Der Regisseur ist begeistert von der Textgrundlage. „Er ist kompliziert zu lesen“, erzählt er, „denn er ist komplett ohne Interpunktion und mit vielen Zeilensprüngen geschrieben“. Genau das eröffne dem Theater jedoch eine gewisse Freiheit im Umgang mit der Textvorlage. „Die Autorin Sigrid Behrens ist sehr glücklich mit der Inszenierung“, fasst Putz zusammen. Das Stück wurde außerdem bereits vor der Uraufführung zum Deutschsprachigen Autorenwettbewerb in Heidelberg eingeladen, die Jury entscheidet über den Gewinner der sechs ausgewählten Stücke.

Weitere Vorstellungen

Am 5. und 10. Juni um 15 Uhr, sowie am 27., 28. und 29. Juni jeweils um 10 Uhr und am 9. Juli um 15 Uhr ist das Stück zu sehen. Alle Aufführungen finden in der Werkstatt statt. Tickets gibt es an der Theaterkasse oder unter (07531) 9001 50. Die Kosten belaufen sich auf acht Euro. Das Stück ist ab fünf Jahren geeignet, aber auch ältere Kinder werden ihre Freude daran haben.