Nomen est omen, heißt es im Volksmund: Der Name ist ein Zeichen. Wenn das in diesem Fall kein schöner Zufall ist: Ursula Weih heißt die Protagonistin. Ihr Nachname passt perfekt zu dem, was hinter ihrer Geschichte steckt. Die Wollmatingerin betreibt den inoffiziell kleinsten Weihnachtsmarkt der Region – daheim in ihrer Garage.

Video: Weihnachtsmarkt Wollmatingen

Wer die Berchenstraße entlang fährt, der sieht irgendwann das Schild. Vor der Eingangstür steht ein Hexenhäuschen, darin flackert Kerzenlicht und durch die Fenster sind Figuren zu erkennen.

"Das freut die Kinder immer sehr", erzählt Ursula Weih, die schon als junge Frau davon geträumt hat, "ein eigenes Lädele zu eröffnen. Aber es hat sich leider nie ergeben". Umso glücklicher ist sie nun – und das ist ihr auf den ersten Blick anzumerken. Liebevoll sortiert sie die Produkte auf den Tischen und Regalen. Ein mannshoher Weihnachtsmann begrüßt die Gäste.

In der Berchenstraße 37 ist Weihnachten zu Hause

Der Blick von der Berchenstraße auf das Haus der Familie Weih. In der Garage findet der Weihnachtsmarkt statt.
Der Blick von der Berchenstraße auf das Haus der Familie Weih. In der Garage findet der Weihnachtsmarkt statt. | Bild: Hanser, Oliver

„Mein Sohn und mein Mann müssen immer mithelfen“, sagt die 69-Jährige lächelnd. „Ursprünglich hatte ich vor dreizehn Jahren die Idee, dass sich die Nachbarschaft in der ruhigen Zeit hier auf Gebäck und einen Glühwein trifft, um sich besser kennenzulernen“, erzählt sie. Damit wollte sie einem Trend der Zeit entgegenwirken.

„Heute weiß man doch manchmal gar nicht mehr, wie Nachbarn heißen. Ich finde es schade, dass so viele Menschen fast anonym leben.“
Ursula Weih

Was als lokaler Treffpunkt geplant war, ist heute eine Attraktion der Region: „Mittlerweile kommen meine Kunden auch von weiter weg, so etwas spricht sich ja schnell herum.“

Kein Wunder, denn auf Ursulas Weihnachtsmarkt gibt es so gut wie alles, was es auch auf einem großen Markt geben sollte: selbst gebackene Plätzchen, eigenhändig geflochtene Adventskränze, Schnitzereien, Krippen, Kerzen, Christbaumschmuck oder der obligatorische Glühwein.

Viele Produkte sind selbst gemacht von Familie Weih. Wie zum Beispiel Adventskränze, Basteleien und Plätzchen.
Viele Produkte sind selbst gemacht von Familie Weih. Wie zum Beispiel Adventskränze, Basteleien und Plätzchen. | Bild: Hanser, Oliver

Das ganze Jahr über besucht sie Messen und Ausstellungen, um Ideen zu sammeln. Auf regionalen Märkten in Dettingen, Allensbach, Worblingen oder Engen ist die Familie ebenfalls mit einem Stand vertreten. „Viel Geld verdienen wir damit aber nicht“, erzählt Ursula Weih. „Wir haben einfach nur Spaß dabei und genießen die Weihnachtszeit.“ Angestellte kann und will sie sich nicht leisten, „dafür langt es nicht. Außerdem stehe ich gerne hier, um Kunden zu beraten“.

Im Eingangsbereich heißt ein Weihnachtsmann die Gäste willkommen. Daneben sind selbst geflochtene Kränze.
Im Eingangsbereich heißt ein Weihnachtsmann die Gäste willkommen. Daneben sind selbst geflochtene Kränze. | Bild: Hanser, Oliver

Der Weihnachtsmarkt dauert noch bis 7. Dezember – danach schließt er für rund elf Monate seine Pforten. „Wenn der große Markt in der Innenstadt ins Rollen kommt, dann kommen immer weniger Menschen zu uns“, erzählt Ursula Weih. „Das ist dann aber auch in Ordnung. Daher beginnen wir ja auch schon jedes Jahr so früh.“

Von Montag bis Freitag ist der Markt zwischen 14.30 Uhr und 19 Uhr geöffnet

Wenn Familie Weih nicht in der weihnachtlichen Garage steht, wird gebacken und gebastelt, was das Zeug hält. Doch auch Fremdartikel, die sie über Händler bezieht, verkauft sie. "Ohne geht es nicht", sagt sie. "Ich kann ja nicht alles selbst produzieren." Die Ware wird im Keller gelagert. "Für mich ist das keine Arbeit, sondern eine Herzensangelegenheit", sagt sie und man glaubt ihr diese Worte zweifelsohne.

Die Preise sind deutlich günstiger als auf anderen Märkten, bei denen es im Gegensatz zum Markt in der Berchenstraße 37 kommerziell zugeht. Eine ganze selbst gebackene Linzertorte gibt's beispielsweise schon für fünf Euro, "da verdiene ich nicht viel dran. Mir ist nur wichtig, dass es den Leuten schmeckt". Tut es, wie man an der Reaktion der Kunden feststellen kann.

Bei Ursula Weih gibt es auch handgefertigte Weihnachtskrippen. Nicht aus eigener Herstellung zwar, aber dennoch sehr schön anzusehen.
Bei Ursula Weih gibt es auch handgefertigte Weihnachtskrippen. Nicht aus eigener Herstellung zwar, aber dennoch sehr schön anzusehen. | Bild: Hanser, Oliver

Am Abend des 7. Dezember wird Ursula Weih, wie in den dreizehn Jahren auch, erschöpft, aber glücklich ins Bett fallen. "Danach werden wir eine Woche lang aufräumen und bereits mit den Planungen fürs nächste Jahr beginnen", erzählt ihr Mann Jürgen Weih.