"Als Köchin kenne ich schwierige Schichten. Früher, während meiner Lehre, habe ich immer in einer Teilschicht gearbeitet, also morgens und abends. Das wäre mit Kindern überhaupt nicht machbar gewesen. Mein Arbeitgeber jetzt ist aber ein familienfreundlicher Betrieb, sodass sehr viel Rücksicht genommen wird. Das heißt: Ich arbeite hauptsächlich in der Frühschicht, also von acht bis 16 Uhr. So kann ich nachmittags für meine Tochter und meinen Sohn da sein.


Die Serie "Vereinbarkeit von Beruf und Familie": Wie gut lassen sich die eigenen Kinder und der Job im Alltag miteinander vereinen? Für die Serie zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie sprechen Konstanzer Mütter in unterschiedlichen Berufen, die täglich ihre Familie und den Job in Einklang bringen müssen, über ihre persönlichen Erfahrungen.


 

Als ich meinen Sohn bekommen habe, war ich die ersten zwei Jahre mit ihm Zuhause. Das war eine bewusste Entscheidung, weil er mein erstes Kind war und ich wollte dann erst schauen, wie ich die Kindererziehung geregelt bekomme. Gedanken darüber, dass es mit einem Kind in der Gastronomie manchmal schwer ist, kamen mir erst, als das erste Kind schon da war. Beim Wiedereinstieg hatte ich dann Angst, ob es alles funktioniert und ob wir den Alltag so hinkriegen, wie wir uns das alles vorgestellt haben.

Geteilte Erziehung

Die Frage war auch, ob das Kind das mitmacht, weil er damals sehr kränklich war. Aber das hat sich im Kindergarten dann alles gelegt. Für mich war es auch schön, wieder zu arbeiten, weil ich das wirklich gerne mache. 24 Stunden Zuhause zu sein, kann auch anstrengend werden. Die Balance zwischen beidem ist mir deshalb sehr wichtig. Und nach der Arbeit stehen dann eben der Haushalt, das Einkaufen und die Beschäftigung der Kinder auf dem Programm. Und dann ist auch für mich Feierabend, sobald die Kinder im Bett sind.

Ich habe mich im Café Wessenberg damals vor allem wegen der Arbeitszeiten beworben. Schon in meinen Bewerbungsunterlagen stand, dass ich Mutter bin und gerne bevorzugt die Frühschicht hätte. Denn, wenn mein Mann die Spät- oder die Nachtschicht hat, muss ja irgendjemand Zuhause sein. Deshalb habe ich zurzeit auch selten die Spätschicht bis 22.30 Uhr. Wenn ich sie dann doch mal machen muss, passt mein Mann auf die Kinder auf. Die Erziehung machen wir ohnehin beide gemeinsam und eigentlich kriegen wir das auch immer hin. Natürlich gibt es auch mal Tage, an denen es schwieriger wird, aber das klappt im Großen und Ganzen gut.

Schicht am Samstag ist Pflicht

Meine Tochter geht nach der Schule in den Hort und mein Sohn kommt öfter mal zum Essen hierher. Meistens so drei Mal die Woche. Und dann geht er nach Hause. Meine Kinder sind sehr selbstständig und da mein Sohn ja schon 14 Jahre alt ist, übernimmt er an manchen Tagen auch mal die Obhut der Kleinen. Für uns als Eltern ist es schon ein Vorteil, dass er älter ist als meine Tochter. Und mein Mann ist in Notfällen auch mal schnell Zuhause, wenn irgendetwas sein sollte. Also ohne meinen Mann würde es natürlich auch nicht funktionieren. Er ist Beamter beim Zoll und arbeitet in drei verschiedenen Schichten. Sein Chef ist zum Glück auch sehr familienfreundlich.

Samstags muss ich natürlich immer arbeiten, weil dort im Restaurant viel los ist. Da fällt dann der Tag mit den Kindern weg. Aber ich arbeite gerne, deswegen stört mich das nicht. Und wir haben dann eben den gemeinsamen Sonntag. Wenn mein Mann auch an einem Samstag arbeiten muss, dann übernimmt mein Sohn auch mal den Vormittag über. Oder ab und zu auch mal der Opa. Wir haben aber auch noch Tante und Onkel, die mal einspringen könnten.

Familienfreundliche Arbeitgeber

Meine Familie steht für mich auf jeden Fall an erster Stelle. Eigentlich kommt das auch in meinem Alltag ganz gut durch. Mein Arbeitgeber nimmt sehr viel Rücksicht, wenn irgendwelche Probleme sind, findet man immer einen Weg. Wenn meine Tochter krank ist, dürfte ich nach Hause gehen und das Kind abholen. Das macht aber meistens mein Mann, was die Arbeitsbedingungen angeht, ist er da noch flexibler. Wir sind hier nicht so viele Arbeitskräfte. Wo ich wegen meiner Arbeit auch drauf verzichten muss, sind die Veranstaltungen in der Schule, die oft schon um 14 Uhr beginnen. Da kann ich leider oft nicht dabei sein. Die finden eben meistens vor meinem Feierabend statt.

Ansonsten muss ich eigentlich keine Abstriche machen, weil wir das so organisieren, dass wir alles immer hinbekommen. Wir versuchen auch, dass auf alle Fälle immer jemand da ist. Es gibt schon mal Beschwerden von den Kindern, dass wir viel arbeiten. Gerade im Sommer, da ist es hier auf der Arbeit ein bisschen anstrengender. Aber meine Kinder wissen auch, dass wir ihre Wünsche nur erfüllen können, wenn wir arbeiten. Und von daher kommen sie damit auch gut klar.

Kaum Unterstützung nötig

In den Sommerferien habe ich immer die letzten zwei Wochen Urlaub. Und die Zeit ist dann für mich auch wirklich nur Familienzeit. In der übrigen Zeit gehe ich arbeiten, dann übernimmt mein Mann. Er hat auch zwei Wochen Urlaub und dann kommt noch der Opa oder die Kinder fahren zu meinen Eltern nach Berlin. Das ist alles unter Dach und Fach. Die Unterstützung brauchen wir aber selten, weil wir das durch unsere Jobs und unsere Chefs sehr gut managen können. Das Wichtige ist deshalb, dass das Miteinander funktioniert- auf der Arbeit und Zuhause. Dann klappt es gut. Wenn mein Chef nicht so wäre, oder mein Mann nicht so wäre, dann wäre es schwieriger."