Die Ausreise von abgewiesenen Flüchtlingen in der gesamten Ostschweiz wird ab März 2019 von Kreuzlingen aus organisiert, knapp 500 Meter von der Grenze nach Konstanz entfernt. Bisher befand sich in dem unscheinbaren Gebäude, das die meisten Konstanzer eher von der benachbarten Tankstelle kennen dürften, ein Empfangs- und Verfahrenszentrum. Die Umwandlung kostet zunächst umgerechnet rund 1,15 Millionen Euro.

In einem Bundesasylzentrum ohne Verfahrensfunktion, so der formelle Name der in Kreuzlingen entstehenden Unterkünfte, halten sich laut des Schweizer Staatssekretariats für Migration "überwiegend Personen auf, deren Asylverfahren unter das Dublin-Abkommen fallen oder deren Asylgesuche abgelehnt wurden". Die aus der Schweiz zurückgewiesenen Menschen dürfen sich dort maximal 140 Tage aufhalten, bevor sie ausgeflogen werden. Die Zentren müssen mindestens 250 Schlafplätze bereithalten. In Kreuzlingen können laut Daniel Bach vom Staatssekretariat für Migration wie bereits jetzt maximal 290 Menschen leben. Straffällige werden nicht darunter sein, für sie seien laut Bach die Strafverfolgungsbehörden zuständig.

Deutsche Bundespolizei kann Auswirkungen "noch nicht abschätzen"

Durch die Entscheidung wird der Kanton Thurgau weniger Flüchtlinge als bisher auf-, dafür aber mehr organisatorische Aufgaben übernehmen. Hierfür werden mehr Mitarbeiter benötigt. Der Leiter des Migrationsamts, Camillus Guhl, sagte gegenüber der "Thurgauer Zeitung": "Wir rechnen mit elf zusätzlichen Stellen." Im kommenden Jahr werden demnach zunächst sieben neue Mitarbeiter eingestellt. Auch zwei Lehrer arbeiten künftig im Kreuzlinger Ausreisezentrum, um schulpflichtige Kinder von Asylsuchenden zu unterrichten.

Migrationsamtsleiter Guhl sagte den Schweizer Medien außerdem, dass das neue Konzept für Kreuzlingen derzeit noch erarbeitet werde und bis zum Spätherbst vorliegen soll. Ob die Umstrukturierungen relevant für die Planungen der deutschen Bundespolizei relevant sein werden, lasse sich laut einer Sprecherin der Inspektion Konstanz derzeit noch nicht abschätzen.

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Manfred Roth, Sprecher des Landratsamts Konstanz, erklärt: "Auswirkungen auf den Landkreis Konstanz durch die auf Schweizer Seite geplante Maßnahme werden unsererseits nicht erwartet." Laut Daniel Bach vom Schweizer Staatssekretariat für Migration müsse das Sicherheitskonzept im künftigen Ausreisezentrum Kreuzlingen nicht grundlegend angepasst werden, "weil es erfahrungsgemäß in Zentren ohne Verfahrensfunktion nicht mehr gewalttätige Vorfälle gibt als in Zentren mit Verfahrensfunktion". Auch die Bundespolizeiinspektion Konstanz hat laut ihrer Sprecherin keine Sicherheitsbedenken.