Lieber noch einmal mehr über die Schulter schauen. Und lieber nicht die Fahrspur wechseln, auch wenn im Innenring deutlich mehr Platz wäre. Und sich am Ende freuen, dass die Fahrt durch den Kreisverkehr unfallfrei geklappt hat. So erleben es tausende Autofahrer, Einheimische wie Auswärtige, jeden Tag auf diesem Kreisel. Wo ein großer Teil des Verkehrs in den größten Konstanzer Stadtteil, Petershausen, in Richtung Fähre sowie mit den Zielen Schweiz und Radolfzell/Singen zusammenkommt, ist Vorsicht noch wichtiger als sonst.

Die Polizei nahm 21 Unfälle in drei Jahren auf – und das sind nicht alle

Selbst unter Polizeibeamten war jahrelang vom "Chaos-Kreisel" die Rede. Zwischen Aldi und Baumarkt, Gewerbezentrum Neuwerk und Quartier Stromeyersdorf kracht es noch immer viel zu oft. Allein die von der Polizei erfassten Unfälle summieren sich für die Jahre 2015 bis 2017 auf 21, ein Schwer- und fünf Leichtverletzte waren zu beklagen. Bis 2012 galt der Kreisel laut der Pressestelle des Konstanzer Prädisiums offiziell als Unfallhäufungsstelle, doch bis heute kracht es dort oft.

Weniger Unfälle, ist ein Ziel. Das andere ist: weniger Staus

Das soll jetzt anders werden. Die Stadt Konstanz will den Kreisverkehr umbauen – und verfolgt damit zwei Ziele. Zum einen soll es weniger Unfälle geben; dafür werden die Möglichkeiten eingeschränkt, innerhalb des Kreisels risikobehaftet die Fahrspuren zu wechseln.

Zum anderen hat Sebastian Nadj aus dem Amt für Stadtplanung und Umwelt auch das Ziel, den Verkehr flüssiger zu machen. Dazu bekommt die Zufahrt zum Kreisel von der Bundesstraße 33 her – hier biegen alle ab, die aus Richtung Singen und Radolfzell zur Fähre, nach Petershausen oder über die Alte Rheinbrücke in die Stadt fahren wollen – eine zweite Spur. Denn oft kommt der Verkehr genau an dieser Stelle ins Stocken.

Bild: Stadt Konstanz/Grafik: Birgit Orlowski

Der Umbau könnte 300.000 Euro kosten – laut Verwaltung ist er dringend

Wann die beabsichtigten Verbesserungen bei den Autofahrern ankommen, ist noch nicht ganz klar. Zwar hat der Technische und Umweltausschuss des Gemeinderats mit zwölf Ja-Stimmen und einer Enthaltung die Umplanung beschlossen und der Verwaltung damit einen klaren Auftrag gegeben. Die in einer ersten Schätzung auf rund 300.000 Euro bezifferten Baukosten dagegen sind bisher nicht im Budget.

Erst im Herbst setzen die Stadträte die Prioritäten für die Jahre 2019 und 2020. Allerdings baut die Verwaltung schon einmal gewissen Zeitdruck auf: Der Umbau des Kreises sei eine Voraussetzung für die Entwicklung der Fläche Schänzle Nord auf der anderen Seite der Neuen Rheinbrücke.

Hier soll man künftig nicht mehr links abbgiegen dürfen: An der Einündung der Stromeyersdorfstraße in die Reichenaustraße will die Stadt Konstanz tiefgreifende Veränderungen vornehmen.
Hier soll man künftig nicht mehr links abbgiegen dürfen: An der Einündung der Stromeyersdorfstraße in die Reichenaustraße will die Stadt Konstanz tiefgreifende Veränderungen vornehmen. | Bild: Rau, Jörg-Peter

Ob die Pläne allerdings überall so erfreut aufgenommen werden, ist wegen eines Planungsdetails offen. Denn auch die Einmündung der Stromeyersdorf- in die Reichenaustraße bei der Agip-Tanktelle möchten die Planer im Rathaus etwas umbauen. Damit der Verkehr auch dort besser sortiert ist, wollen sie das Linksabbiegen aus dem Stromeyersdorf zum Kreisel und dann weiter in Richtung Radolfzell verbieten. Die eigens eingerichtete Spur soll weichen und der Ampel-Übergang für Fußgänger und Radler ein Stück versetzt werden.

Ausgerechnet aus zwei Gewerbegebieten: Nur noch eine Lkw-Ausfahrt in Richtung Singen

Das bedeutet im Endeffekt aber: Lastwagen können nur noch an einer Stelle aus den Gewerbegebieten Stromeyersdorf und Unterlohn in Richtung Westen abbiegen – ganz am Rand, zwischen Tankstelle und Klärwerk ist die letzte verbliebene Möglichkeit.

Und genau hier nimmt die Polizei jene Kritik vorweg, die auch von vielen Gewerbetreibenden zu erwarten ist. Auf Anfrage des SÜDKURIER nimmt das Polizeipräsidium zum beabsichtigten Entfall der Linksabbiegespur wie folgt Stellung: "Diese Regelung halten wir nicht für opportun. Das Gewerbegebiet erzeugt nicht nur ankommenden, sondern auch ausfahrenden Schwerverkehr".

Die Polizei sagt: Linksabbiege-Verbot bei der Tankstelle ist "nicht opportun"

Gäbe es nur noch eine Ausfahrt aus dem Stromeyersdorf und Unterlohn in Richtung Singen, habe dies negative Folgen: "Dies ist für Größe des Gebiets nicht ausreichend und erzeugt weiteren Verkehr, der verkehrsverträglicher auf der Bundesstraße abzuwickeln ist."

Das sind die konkret geplanten Umbaumaßnahmen an Kreisverkehr und Einmündung

  • Das ist geplant: Die Stadtverwaltung schlägt vor, den Kreisel unter der Neuen Rheinbrücke (beim Neuwerk) in vergleichsweise kleinen, aber entscheidenden Details umzubauen. So soll aus Fahrtrichtung Zentrum eine Spur entfallen, da sie ohnehin wenig genutzt wurde und es parallel eine Abkürzung auf die Neue Rheinbrücke hinauf gibt. Im Gegenzug entsteht eine zweite durchgehende Spur aus Richtung Radolfzell in Richtung Petershausen und Innenstadt. Vor dem Kreisel wird der Verkehr so vorsortiert, dass Spurwechsel seltener werden und das Unfallrisiko zurückgeht. Zugleich wollen die Planer an der Einmündung der Stromeyersdorf- in die Reichenaustraße die Spuren neu ordnen, das Linksabbiegen verbieten und den Übergang für Fußgänger und Radler günstiger platzieren.
    Und hier wird es spannend: Das Linksabbiegen an der Tankstelle will die Stadt künftig verbieten. Lastwagen müssten deshalb bis weit nach Petershausen fahren, um dort zu wenden – oder durchs ganze Gewerbegebiet Unterlohn bis zur Fritz-Arnold-Straße fahren und dort dann in Richtung Singen links abbiegen. Andere Möglichkeiten gäbe es nicht.
    Und hier wird es spannend: Das Linksabbiegen an der Tankstelle will die Stadt künftig verbieten. Lastwagen müssten deshalb bis weit nach Petershausen fahren, um dort zu wenden – oder durchs ganze Gewerbegebiet Unterlohn bis zur Fritz-Arnold-Straße fahren und dort dann in Richtung Singen links abbiegen. Andere Möglichkeiten gäbe es nicht. | Bild: Rau, Jörg-Peter
  • Das sind die Folgen: Beim großen Kreisel lassen sich die Änderungen mit einigen kleinen Bauarbeiten herbeiführen. Auch an der Einmündung muss nicht viel gebaut werden. Doch das Linksabbiege-Verbot erhebliche Folgen für den "Schwerverkehr, der dann (stadteinwärts, die Redaktion) bis zum Kreisverkehr Klingenbergstraße fahren müsste, da die Wendemöglichkeit unter der Neuen Rheinbrücke hierfür nicht geeignet ist." Die Folge: Ein korrektes Ausfahren aus den Gewerbegebieten in Richtung Singen) wäre "dann nur noch über die Fritz-Arnold-Straße möglich, denn auch aus der nächstgelegenen westlichen Straße, der Rudolf-Diesel-Straße, ist das Linksabbiegen nicht erlaubt."
  • So geht es weiter: Der Technische und Umweltausschuss hat einen positiven Grundsatzbeschluss gefasst, damit geht es jetzt in die Detailplanung. Die Kosten für diese Planung stehen noch nicht fest. Falls die Verwaltung sie an ein Büro vergeben muss, könnte dies rund 50.000 Euro kosten. Den Umbau selbst schätzt die Verwaltung grob auf etwa 300.000 Euro. Bis zu einem endgültigen Beschluss dürften aber nicht nur finanzielle Fragen zu klären sein. Denn aus der Freien Grünen Liste gibt es auch den Vorschlag, eine der beiden relativ wenig genutzten Spuren der Auto-Rampe von der Schänzlebrücke hinab zum Kreisel künftig als Radweg zu nutzen – als Ersatz für die riesige Spindel schräg gegenüber vom Bodenseeforum, die der Bebauung an dieser Stelle weichen soll.
    Diese Spindel für Radfahrer wird mit hoher Sicherheit abgerissen, wenn das Schänzle-Nord bebaut wird. Die Freie Grüne Liste regt an, eine der beiden Auto-Spuren der Rampe nebenan zum Radweg umzubauen – das wären dann nochmal eine andere Variante für die Verkehrsführung an der Stelle.
    Diese Spindel für Radfahrer wird mit hoher Sicherheit abgerissen, wenn das Schänzle-Nord bebaut wird. Die Freie Grüne Liste regt an, eine der beiden Auto-Spuren der Rampe nebenan zum Radweg umzubauen – das wären dann nochmal eine andere Variante für die Verkehrsführung an der Stelle. | Bild: Rau, Jörg-Peter