Die testweise Verlegung des Parkverbots in der Höhrenberg- und Kapplerbergstraße im Allensbacher Ortszentrum von der Süd- auf die Nordseite hat die Verkehrsprobleme nicht gelöst. Das meinen etliche Bürger und auch Gemeinderäte.

Wie lange wird der Test trotzdem verlängert?

Es werde zu viel geparkt auf den schmalen Straßen, und im Gegenverkehr wichen manche Autofahrer auf den Gehweg aus, der unter anderem von Kindern als Schulweg genutzt wird, so die Kritik. Dennoch will die Gemeinde zumindest vorerst grundsätzlich an dieser Regelung festhalten, die bereits rund ein Jahr dauernde Testphase aber um ein paar Monate verlängern mit ein paar Nachbesserungen, so Bürgermeister Stefan Friedrich. Der Gemeinderat hat dies so beschlossen.

Bild: Thomas Zoch
Bild: Thomas Zoch | Bild: Thomas Zoch

Wird der Test mit weiteren Halteverboten ausgeweitet?

Nachdem bereits in den vergangenen Monaten zwei zusätzliche Abschnitte in der Höhrenbergstraße als Halteverbot gekennzeichnet wurden, um Ausweichmöglichkeiten für Autos zu schaffen, werde nun im Bereich der Hausnummern 9 bis 11 per Parkverbot eine weitere Bucht zum Einscheren geschaffen, so Friedrich. Außerdem werde die Verwaltung vermehrt ein Geschwindigkeits-Display aufstellen, um zu schnell fahrende Autofahrer zu ermahnen.

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Bild: Thomas Zoch | Bild: Thomas Zoch

Was passiert an den Schulwegen?

Und auf Forderung von Bürgern werde die Gemeinde einen Schulwegeplan angehen und hierzu Gespräche führen mit der Schulleitung und dem Landratsamt. Zudem werde man auf Anwohner und die Entsorgungsfirma zugehen, damit Müllbehälter nicht so auf dem Gehweg stehen, dass Kinder auf die Straße ausweichen müssen, so Friedrich: „Es geht darum, Schritt für Schritt den richtigen Weg zu finden. Wir sind wieder einen Schritt weiter“, meinte er.

Was sagen die Gemeinderäte zu den neuen Plänen?

Einen Schulwegeplan zu erarbeiten, begrüßten zwar alle Fraktionen. Doch damit Verkehrsprobleme zu lösen, halten viele für eine Illusion. Ludwig Egenhofer (CDU) meinte: „Wir machen nichts anderes, als ein Pflaster auf die Wunde zu kleben.“ Die Verkehrsprobleme würden eher zunehmen, weil die Einwohnerzahl durch Neubaugebiete steigen werde. „Wir sollten etwas weiter denken, Geld in die Hand nehmen und ein richtiges Verkehrskonzept machen.“ Parkverbote oder Tempolimits an einer Stelle würden den Verkehr nur verlagern.

Rochus Schulter (CDU) fügte an, dass in der Kapplerbergstraße noch keine Verbesserung erreicht worden sei. Tobias Volz (SPD) äußerte sich ähnlich. „Wir werden den Verkehr nicht wegkriegen.“ Doch die aktuelle Situation sei eine Zumutung für Kinder – von denen es durch die Neubaugebiete künftig noch mehr geben werde. Ernst Moll (Freie Wähler) meinte: „Wir müssen möglichst allen gerecht werden“ – Kindern, Radlern und Autofahrern. Es sei sinnvoll, Schritt für Schritt vorzugehen.

Wann wird über ein Verkehrskonzept entschieden?

Der Bürgermeister sagte auf Forderung der CDU zu, das Thema Verkehrskonzept mittelfristig – voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte – auf die Tagesordnung zu nehmen. Doch Doris Hellmuth (Bunte Liste) monierte, viele Probleme seien hausgemacht, weil manche Allensbacher selbst für kurze Wege das Auto nähmen. „Da hilft auch kein Verkehrskonzept.“

Da würden höchstens Temporeduzierungen und die weitere Einschränkung von Parkflächen helfen. Und während Egenhofer die Frage aufgeworfen hatte, ob Schulkinder entlang der Höhrenbergstraße laufen müssen, fragte sie, ob dort auch weiterhin Busse fahren sollten.

Was passiert an der Radolfzeller Straße?

Um einiges klarer scheint wenigstens die Situation in der Radolfzeller Straße. Dort soll der Radfahrerschutzstreifen an der Südseite und damit Parkverbot bleiben. Wobei es hier zwei gegensätzliche Eingaben gegeben habe, so Friedrich: Ein Bürger habe die Abschaffung gefordert, weil die jetzige Regelung für Autofahrer wie Radler eine Zumutung sei.

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„Das widerspricht der Beschlusslage“, erklärte Friedrich dazu. Ein anderer Bürger regte dagegen auch an der Nordseite einen solchen Schutzstreifen an. Dagegen spreche, dass es einfach eine gewisse Zahl an Parkflächen in der Stadt brauche, meinte Friedrich; und zudem reiche dafür die Fahrbahnbreite auch nicht aus.

Wie geht es jetzt weiter?

In der Höhrenberg- und Kapplerbergstraße geht die Testphase bei der Parkregelung noch ein paar Monate weiter – mit Nachbesserungen. Zudem erstellt die Gemeinde einen Schulwegeplan. Dabei und bei der Verkehrsschau mit Straßenverkehrsbehörde und Polizei werde er weitere Wünsche von Bürgern und Gemeinderäten vorbringen, kündigte Bürgermeister Stefan Friedrich an – bremste aber die Erwartungen.

So wurden diverse Querungshilfen wie Zebrastreifen gewünscht. Hierzu reichten vermutlich die Verkehrszahlen nicht aus, so Friedrich. Auch bei Tempolimits könne die Gemeinde nicht selbst entscheiden und seien die Behörden an Vorgaben gebunden.