Nach Jahren der Diskussion, Abklärungen und Entscheidungen ist es soweit: Von einem "historischen Moment" spricht Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn, als er das Motorschiff (MS) Reichenau für eine erste Testfahrt besteigt.

Der Wasserbus nimmt am Samstag seinen Probebetrieb auf und pendelt vorerst bis zum 15. September zwischen dem Steg am Bodenseeforum und dem Konstanzer Hafen. Die Stadt verspricht sich daraus eine Entlastung der Innenstadt.

Wesentlicher Baustein in der Mobilität

Karl Langensteiner-Schönborn erachtet den Wasserbus als wichtigen und wesentlichen Baustein der innerstädtischen Mobilität und ist zuversichtlich, dass dieses Angebot Zukunft haben werde. In Verbindung mit dem Parkplatz am Bodenseeforum stelle der Wasserbus auch für Konstanzer eine interessante Verbindung in die Stadt dar, ist er überzeugt.

Viele Einheimische erinnern sich an die alte Rheinfähre, die bis 1991 zwischen Hallenbad und Pulverturm verkehrte. 20 Pfennig kostete damals die Überfahrt. Ganz so günstig ist der neue Wasserbus zwar nicht.

Angebot soll zum Umsteigen anregen

Das Angebot soll aber zu Umsteigen animieren. "Fünf Euro für das Parken, und drei Kinder und zwei Erwachsene können mit dem Wasserbus in die Stadt und zurück fahren", erklärt Karl Langensteiner-Schönborn.

Für sechs Euro können fünf Erwachsene ihr Auto parken und mit dem Schiff fahren. Für den Wasserbus gelten nicht nur diese Kombitickets, sondern auch die normalen Bustickets und Jahreskarten der Stadtwerke Konstanz sowie die vhb-Tickets.

Platz für 250 Fahrgäste

Das MS Reichenau hat Platz für 250 Personen und fährt nun samstags zwischen 10.15 und 19.45 Uhr im Halbstundentakt. Zusammen mit den Bussen der Linien 4/13 und 13/4 gebe es an Samstagen eine viertelstündige Verbindung ins Stadtzentrum, so Langensteiner-Schönborn.

Pro Tag koste der Schiffsbetrieb 1000 Euro, erklärt Walter Rügert, Pressesprecher der Stadt Konstanz auf Nachfrage. Diese Kosten würden durch die Einnahmen des Parkplatzes Bodenseeforums gedeckt.

OB will ganzjährigen Betrieb

"Ein toller Baustein, der Spaß macht und Konstanz ganz anders erlebbar macht", sagt Oberbürgermeister Uli Burchardt zum Wasserbus. Er ist "in großer Erwartung und fester Hoffnung", dass der Betrieb einmal ganzjährig und abends möglich sein wird. Im Rahmen der wasserrechtlichen Genehmigung läuft aktuell jedoch erst eine Untersuchung, welche Auswirkungen der Fahrbetrieb im Bereich der Flachwasserzone am Steg hat.

Uli Burchardt wünscht sich einen "menschenfreundlichen Naturschutz". Noch immer wundert er sich, wie man ein "so kluges Teil" wie den Steg in Frage stellen konnte, weil eine Alge am Boden wachse. Die Inbetriebnahme des Stegs hatte sich verzögert, weil dieser um zehn Meter auf 46 Meter hatte verlängert werden müssen, um die Armleuchteralgen (Charophyceae) zu schützen.

Auch Schweizer Schiffe fahren den Kurs

Der Steg konnte dennoch realisiert werden und wird überdies bereits seit dem 30. März von der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URH) angefahren und deckt ebenfalls die innerstädtische Verbindung zum Konstanzer Hafen und darüber hinaus ab. Mehr als 500 Fahrgäste seien laut Pressemitteilung der URH seither bereits am Steg Bodenseeforum zugestiegen.

Weit über die Testphase hinaus denkt Karl Langensteiner-Schönborn, der den Wasserbus künftig als fest verankerten ÖPNV-Baustein sehen will. Seine Vision: "Zwei Elektroschiffe, die im 15-Minuten-Takt kursieren". Er hofft, dass dieses Projekt in fünf Jahren an den Start gehen kann.

Erster Wasserbus fuhr 1892

Die Wasserbus-Linie auf dem Seerhein hatte die SPD vor rund fünf Jahren gefordert. Im Juli 2017 wurde der Steg montiert, nachdem der Gemeinderat den Bau im Oktober 2016 beschlossen hatte. 13 Meter lange Dalben, die in sechs Meter Tiefe in den Grund des Seerheins getrieben wurden, stehen parallel zur Strömung. Rund 410.000 Euro kostete der Bau.

Im Jahr 1892 hat es erstmals eine Fährverbindung vom Pulverturm zur gegenüberliegenden Spanierstraße gegeben. Christian Schroff rief sie ins Leben. 85 Jahre zuvor hatte es zwar Johann Caspar Bodmer schon einmal versucht, er scheiterte aber nach kürzester Zeit. 1991, nach Fertigstellung der Fahrradbrücke, stellten die Stadtwerke den Rheinfähre-Betrieb ein.