Genau 7955 Kinder und Jugendliche besuchen aktuell eine städtische Schule in Konstanz. So teilen sie sich auf:

Pro Klasse ein Schüler mit Schweizer Wohnsitz

Umgerechnet besitzt damit knapp jeder 20. Schüler einen Wohnort in der benachbarten Grenzregion. Oder: pro Klasse etwa einer.

Interessant wird dies vor dem Hintergrund eines Beschlusses, den der Gemeinderat vor fünf Jahren fasste: Ab dem Schuljahr 2014/15 sollten in Konstanz zunächst Kinder aufgenommen werden, die ihren Wohnsitz in Baden-Württemberg haben. "Sofern in den dann gebildeten Klassen noch Plätze vorhanden sind, können auch Kinder aufgenommen werden, die ihren Wohnsitz in der Schweiz haben", so die Empfehlung des Gemeinderats.

Damals wohnten 305 von 7745 Konstanzer Schülern in der Schweiz, ein Anteil von knapp vier Prozent – weniger als heute also, wo der Anteil bei knapp fünf Prozent liegt.

Rückblick: Der Aufnahmestopp für Schüler aus der Schweiz

Der zuständige Schulausschuss ging damals in seinen Vorberatungen noch weiter und empfahl einen generellen Aufnahmestopp an Grundschulen für Kinder mit Schweizer Wohnsitz. Der Ausschuss hatte vorgerechnet, dass an Konstanzer Schulen elf Klassen nur wegen ihnen gebildet werden mussten. Die Argumentation: Dies belaste nicht nur die ohnehin knappe Raumsituation, es koste den Schulträger auch mehrere Hunderttausend Euro jährlich.

Der Vorstoß sorgte für von der Stadtverwaltung unerwartetes Aufsehen. 400 Eltern unterzeichneten eine Petition mit der Forderung: freie Schulwahl für deutsche Kinder mit Schweizer Wohnsitz. Einige Kritiker warfen der Stadt vor, gegen die Kultur des grenzfreien Raums zu entscheiden; teils wurde gar von Rassismus gesprochen

Das Kultusministerium und das Regierungspräsidium Freiburg als Aufsichtsbehörden äußerten Bedenken hinsichtlich der rechtlichen Zulässigkeit eines solchen Aufnahmestopps, die bis zu verwaltungsgerichtlichen Klagen gegen das Land führen könnten.

Durch die Reglementierung bei der Aufnahme hat sich wenig geändert

Angewandt wird seither die abgespeckte Version. Eltern mit Schweizer Wohnsitz erhalten erst dann eine Zusage, wenn alle Kinder aus Baden-Württemberg bedient sind. Fünf Jahre später stellt sich angesichts der Statistik die Frage: Hätte es diese Regelung überhaupt gebraucht?

Nach wie vor wohnen 62 Konstanzer Grundschüler auf der gegenüberliegenden Grenzseite, elf von ihnen wurden im zurückliegenden September eingeschult. Bei den Gymnasien kamen 19 Fünftklässler aus der Schweiz hinzu, insgesamt besuchen damit 249 Schüler mit Schweizer Wohnsitz ein Konstanzer Gymnasium.

Leiter der Stephansschule: "Beschwerden gibt es keine"

Andreas Hipp | Bild: Schlüter, Kirsten

Die Verteilung ist dabei sehr unterschiedlich. Lagebedingt sind vor allem die innerstädtischen Grundschulen im Wallgut und vor allem die Stephansschule begehrt. Deren Rektor Andreas Hipp hält die jetzige Regelung für sinnvoll: "Dass Konstanzer Eltern vorrangig behandelt werden, ist nur fair. Sie bezahlen schließlich auch hier Steuern."

Insgesamt erlebe er seit der aufgeregten Diskussion vor fünf Jahren eine Versachlichung. "Beschwerden gibt es keine. Weder von Bürgern mit Wohnsitz auf deutscher, noch auf Schweizer Seite, wenn es zu einer Absage kommt."

Leiter des Humboldt-Gymnasiums: "Nachfragen ist legitim"

Jürgen Kaz | Bild: Schlüter, Kirsten

Die erteilt auch das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium – und war auch an Eltern mit deutschem Wohnsitz. Fünf Eingangsklassen wurden dort zum aktuellen Schuljahr gebildet, dennoch mussten rund 20 Eltern auf andere Schulen in Konstanz ausweichen, erklärt Schulleiter Jürgen Kaz. Eltern fragten dann mitunter nach, ob die Schulleitung auch alle Regeln und Kriterien eingehalten habe. "Die Frage ist legitim", sagt Kaz.

Auch vom stark nachgefragten Humboldt wurden Fünftklässler aus der Schweiz angenommen

Eine solche Nachfrage könne lauten: Wie kann es sein, dass mein Kind nicht ans Humboldt darf, aber eines mit Schweizer Wohnsitz schon? Es gibt doch eine Vorrang-Regelung. Im laufenden Schuljahr geschah dies tatsächlich dreimal. "Das sind allesamt Geschwisterkinder", erklärt Jürgen Kaz.

Für sie gilt eine Ausnahme von der Regel, sofern eine ältere Schwester oder ein Bruder bereits das Humboldt besucht. "Ansonsten hätten wir auch sie nicht annehmen können", so Kaz.

Jürgen Kaz: "Schon immer haben bis zu zehn Prozent unserer Schüler einen Wohnsitz in der Schweiz"

Die Aufregung, die bis zu Androhung von Gerichtsklagen reichten, habe sich stark beruhigt in den vergangenen Jahren – da gleich sich seine Einschätzung mit der seines Kollegen Andreas Hipp von der Stephansschule. "Dass das überhaupt so hochkochte, mache ich an der teilweise herrschenden Stimmung gegenüber Schweizern in Konstanz allgemein fest", so Kaz.

Wechselseitige Biografien im Grenzgebiet begleite das Humboldt seit seiner Gründung. "Es war immer so, dass bis zu zehn Prozent unserer Schüler in der Schweiz lebten", fasst Kaz zusammen.

Dass deren Eltern grundsätzlich Interesse an einem Schulbesuch in Konstanz haben, macht Andreas Hipp von der Stephansschule auch am angespannten Wohnungsmarkt fest: "Es gibt Eltern, die in der Schweiz wohnen, weil sie hier nichts finden, mittelfristig aber nach Konstanz ziehen wollen. Logischerweise wollen sie ihren Nachwuchs dann von vornherein auch dort anmelden."