Nina Bruch ist nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen. Die Mutter eines Fünfjährigen wohnt in Petershausen und geht deshalb öfters zum Einkaufen ins Kaufland im Seerheincenter. Eine interessante Erfahrung sei der gemeinsame Einkauf allemal immer – allerdings auch nicht ohne Herausforderungen.

"Ich bin ein bisschen unschlüssig, wie ich es finden soll", sagt Nina Bruch, "letztlich nehme ich die Situation als gutes Training für alle Beteiligten".

Ihr Sohn, fünf Jahre alt, thematisiere die Waren auf beiden Seiten des Rollbands regelmäßig. "Was sind das für Süßigkeiten? Die kenne ich noch gar nicht" – so oder ähnlich lauteten die Kommentare, berichtet Nina Bruch. Die Mutter nimmt's mit Humor und als Training für zwei: Ihr Sohn lerne, den Anblick der verführerischen Süßigkeiten auszuhalten, sie übe, ihm dabei nicht nachzugeben.

Wenn die Quengelzone zur Erziehungsübung wird

"An der Kasse haben wir nie ein Thema damit, aber bei der langen Strecke wird es interessant", berichtet Nina Bruch.

Letztlich sieht die junge Mutter die Quengelzone allerdings als notwendige Übung in der Konsumwelt. Einkaufsfallen lauerten überall, oft richteten sie sich auch an Erwachsene. Sie versuche, ihnen mit einer sportlichen Einstellung zu begegnen.

Ablenkung als einziges Mittel an der Süßigkeitenmeile

Miriam Steimer, Mutter einer Dreijährigen, sieht in der Süßigkeiten-Rolltreppe bei Kaufland allerdings eine Zumutung für Eltern: "Was allgemein als Quengelzone gilt, ist die Wartezeit an der Kasse im Supermarkt. Eltern wissen, dass sie hier längere Zeit überbrücken müssen. Die Süßigkeiten-Rolltreppe im Kaufland am Zähringerplatz empfinde ich als Steigerung."

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Bei den Fahrten gehe es um eine relativ lange Zeit, bis man oben oder unten ankomme, also auch eine lange Zeit, in der das Kind die Süßigkeitenangebote bekomme. "Für diese lange Zeit die Nerven der Eltern auf die Probe zu stellen, finde ich nicht in Ordnung", sagt Miriam Steimer. "Ich versuche schon, mein Kind abzulenken. Man kann die Rolltreppe aber kaum vermeiden."

Der Aufzug sei eigentlich für Behinderte gedacht. "Zwei Mal während eines Einkaufs diese Vermeidungstaktiken anwenden zu müssen, ist schon sehr anstrengend. Teilweise nehme ich mein Kind schon nicht mehr mit zum Einkauf."

Die jüngste Tochter ist plötzlich immun gegen die Verlockung

Eine andere Mutter, die selten zum Einkaufen in dieser Filiale ist, hatte sich die Situation schlimmer vorgestellt. Christina Janzen berichtet von ihrem Versuch: "Ich war positiv überrascht. Als wir das erste Mal runtergefahren sind, haben drei Kinder den Streifen gar nicht bemerkt. Majla, meine Älteste, hat es dann gesehen und nur unauffällig ein paar Sachen angefasst. Bei der Rückfahrt fragte sie: ,Darf ich das haben?' Als ich Nein sagte und wir weiterfuhren, fragte sie immer weiter. Aber es ging recht schnell vorbei an den Sachen und als wir unten waren, hat es sich erledigt. Ich hatte mir das total schlimm ausgemalt. Vor allem meine Kleine liebt Süßes. Gerade sie hat keine Reaktion gezeigt. Ich hab gedacht, die drehen alle durch."

Eine Mutter spricht von aggressiver Präsentation

Sheena Weißmüller berichtet von ihren Kindern im Alter von zwei und vier Jahren, die "zum Glück" nicht besonders stark auf Süßigkeiten reagierten. "Die Art der Präsentation der Waren ist aber schon sehr aggressiv", sagt sie, "meine Kinder weisen auf Verschiedenes hin, bisher habe ich aber noch keine schwierigen Reaktionen erlebt."

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Weißmüller ist aber der Meinung, dass man an dieser Stelle lieber andere Dinge platzieren sollte, die für Kinder weniger interessant seien. "Mit Saisonware wie Süßigkeiten zu Ostern hätte ich kein Problem", sagt sie. Aber die süßen Dinge würden hier ständig präsentiert.

Was Kaufland zum Quengelrollband sagt

Kaufland selbst äußert sich knapp zum Thema. Aus der Pressestelle heißt es, dass Kaufland bei der Warenbelegung an den Rollsteigen sowohl auf Food- als auch auf Non-Food-Artikel wie Teelichter oder Brillenputztücher setze.

"Das Thema Einkaufen mit Kindern ist uns natürlich bewusst, jedoch zieht sich dieses durch unsere gesamte Filiale, denn auch die Waren in den Regalen sind von Kindern erreichbar", schreibt Andrea Kübler von der Unternehmenskommunikation. Für Kunden mit Kindern gebe es süßwarenfreie Kassen. Sie seien gekennzeichnet und würden morgens als Erste geöffnet und abends als Letzte geschlossen.

Als Grund für das sehr langsame Fahren der Rollsteige verweist Kübler auf die Sicherheit: "Sie fahren absichtlich etwas langsamer, da sie täglich von sehr vielen Kunden genutzt werden und uns die Sicherheit sehr wichtig ist".