Wolfgang Flick ist als selbstständiger IT-Manager sehr sensibel, wenn es um Geldflüsse im Internet geht. Er weiß selbst, wie gefährlich es sein kann, wenn im weltweiten Netz Bankverbindungen oder andere Informationen herumschwirren. Wahrscheinlich ist genau das der Grund, warum er nahezu täglich seine Konten überprüft – sowohl sein privates, als auch sein geschäftliches sowie das des Vereins Bodanbürger, bei dem er Vorsitzender ist. 2016, 2017 und jetzt ganz aktuell wurde der Verein Opfer von Cyberkriminalität, die im Internet stattfindet.

Und schon verschwand das Geld vom Konto

Die Masche: Zunächst wurde dem Vereinskonto, dessen Nummer auf der Homepage veröffentlicht ist, mehrmals der Betrag 0,01 Euro gutgeschrieben. "Damit wollten die Täter prüfen, ob das Konto wirklich existent ist", sagt Wolfgang Flick. Er kennt das aus dem Geschäftsleben: Wenn er beispielsweise bei Google Internetwerbung schalten möchte, wird ihm zur Überprüfung zunächst ebenfalls ein Cent gutgeschrieben, bevor die eigentliche Transaktion vonstatten geht. "Ich wurde jedes Mal hellhörig und habe nur noch darauf gewartet, bis uns Geld abgebucht wird", so Flick. Und in der Tat: Wenige Tage später verschwanden Beträge vom Konto. Die einziehenden Firmen waren bekannte Internetauktionshäuser oder Firmen, die KFZ-Teile vertreiben.

Unter falschem Namen werden Konten angemeldet

"Die Bezirkssparkasse Reichenau hat den Lastschrifteneinzug anstandslos zurückgegeben", berichtet Wolfgang Flick. Schaden ist dem Verein keiner entstanden. "Doch nicht jeder Schatzmeister eines jeden Vereins kontrolliert jeden Tag die Vereinskonten", fügt er hinzu. Seit der Einführung von Sepa haben sich die Fristen geändert: Bei unautorisierten Abbuchungen wie beim Fall der Bodanbürger hat sich die Einspruchfrist von sechs Wochen auf 13 Monate verlängert. Oft bleiben die Banken auf dem Schaden sitzen – der Täter räumt sein in aller Regel unter falschem Namen angemeldetes Konto in der Regel direkt nach Ankunft des Geldes. Die normale Einspruchsfrist, beispielsweise bei mangelhafter Ware, beträgt acht Monate.

Reale Adressen, nicht existente Personen

Wolfgang Flick hat die jeweiligen Straftaten bei der Polizei angezeigt. Die Ermittlungsverfahren der Jahre 2016 und 2017 wurden von der Staatsanwaltschaft eingestellt, "da der ermittelte Name nicht ermittelt werden konnte", wie es in einem Schreiben heißt. Zwar konnten die Beamten wie erwähnt den Namen und in einem Fall sogar die Adresse des Abbuchenden ermitteln – doch die Personen existierten nicht. Der Wollmatinger schrieb dem Verein Bodanbürger 2016, dass es sich "um eine Schikane zum Nachteil des Vereins" handeln würde. "Wir haben keine Ahnung, wer uns Schaden zufügen wollte", so Wolfgang Flick. Die Mitglieder des Vereins setzen sich ehrenamtlich für das Wohlergehen der Bewohner der Konstanzer Vororte Allensbach, Litzelstetten, Dingelsdorf, Dettingen, Oberdorf und Wallhausen ein – beispielsweise in Form eines Getränkelieferservices, der Pflege der Umwelt und Natur oder von Beratung in Alltagsfragen.

Abbuchungen auch ohne Mandat

Eigentlich sind Abbuchungen von fremden Konten nur möglich, wenn der Besitzer dem Abbuchenden ein schriftliches Mandat gegeben hat, sprich: wenn eine Unterschrift die Rechtmäßigkeit der Abbuchung bestätigt. Im Internet jedoch funktionieren Abbuchungen und Überweisungen auch ohne solche Unterschriften. "Man kann also nur appellieren, immer wieder die Kontoauszüge zu kontrollieren."

 

Tipps von der Polizei

Die Polizei gibt diese Präventionsempfehlungen: Prüfen Sie regelmäßig Ihre Kontobewegungen und veranlassen Sie bei Unregelmäßigkeiten unverzüglich eine Rückbelastung von Buchungen; vereinbaren Sie Kontovollmachten und Buchungsverläufe mit Ihrer Bank; klären Sie die Frage der Haftung bei missbräuchlichen Buchungen; Begrenzen Sie den Kontospielraum mit Mindest-/Höchstumsätze/Verwendungszweck; gehen Sie sparsam mit Kontodaten und Ihrer Unterschrift um; prüfen Sie die Notwendigkeit, Ihre Kontodaten im Internet zu veröffentlichen; Vorsicht bei der Entsorgung von Unterlagen mit Briefkopf, Unterschrift oder Kontodaten; erstatten Sie Strafanzeige.