Konstanz Ignoriertes Verbot: Im Slalom durch die Konstanzer Fußgängerzone

Trotz Kontrollen der Ortspolizei interessieren Radler Fahrverbote nicht. Sie empfinden es wohl als Kavaliersdelikt und bezahlen die 15 Euro Strafe gerne.

Manfred Kammerlander ärgert sich. 40 Minuten lang ist er an der Marktstätte gesessen, hat sein Eis genossen, und während dieser Zeit hätten sich 36 Radfahrer durch das Fußgängergewühl geschlängelt. Verbotenerweise, zwischen 10 und 20 Uhr gilt ein Radfahrverbot. Kammerlander wünscht sich mehr Kontrollen. Das Bürgeramt erklärt, die Ortspolizisten seien regelmäßig unterwegs.

Ist die Fußgängerzone noch so belebt, im Minutentakt drängen sich Radfahrer hindurch. Sie denken wohl nicht ans Absteigen. Was eine Gefahr darstellt, wenn gerade gehbehinderte Menschen nicht so schnell ausweichen können, wenn sie sich angesichts von Radfahrern erschrecken, oder wenn das zweijährige Kind freudig durch die Kanzleistraße rennt und unbedacht den Weg des Radlers kreuzt. Ralf Seuffert kann dieses rücksichtslose Verhalten ebenfalls nicht nachvollziehen.

Wieso fährt sie hier? 11.35 Uhr: Um diese Uhrzeit ist das Radfahren in der Fußgängerzone, hier an der Ecke zur Tirolergasse, verboten. Viele Radfahrer scheint das nicht zu interessieren.
Wieso fährt sie hier? 11.35 Uhr: Um diese Uhrzeit ist das Radfahren in der Fußgängerzone, hier an der Ecke zur Tirolergasse, verboten. Viele Radfahrer scheint das nicht zu interessieren. | Bild: Aurelia Scherrer

Der Konstanzer ist Kreisvorsitzender des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub). Die lange und schmale Altstadt verleite Radfahrer zum Kreuzen: von der Laube zur Marktstätte führt ein Weg über die Kanzleistraße und Fußgängerzone. Die Achse Stephansplatz über die Münzgasse bis zur Marktstätte, auf dieser Strecke darf ganztägig (mit Schrittgeschwindigkeit) gefahren werden, ist jenen offenbar ein zu großer Umweg. Seuffert setzt Hoffnung in das Handlungsprogramm Radverkehr für ein "gedeihliches Miteinander".

Was geschieht abseits? Ein Mal pro Woche seien alle 14 Mitarbeiter des Gemeindevollzugsdiensts für die Überwachung der Fahrverbote mit Fahrrädern unterwegs, erklärt die Stadtverwaltung auf Anfrage. Auch abseits werde auf Verstöße geachtet. Etwa 1000 Verwarnungen würden im Jahr geschrieben, die Arbeit sei aufgrund von Erklärungen, Diskussionen und Personalienaufnahme sehr zeitintensiv. Die Landespolizei kontrolliert ebenfalls, der Schwerpunkt bei der Überwachung des Radverkehrs liegt aber bei der Ortspolizeibehörde. Etwa zehn Prozent des Jahresaufwands verbrächten ihre Mitarbeiter mit Kontrollen auf Einhaltung von Radfahrverboten.

Hier steht es Schwarz auf Weiß: Radfahren in der Konstanzer Fußgängerzone ist von 20 bis 10 Uhr erlaubt – und das auch nur in Schrittgeschwindigkeit.
Hier steht es Schwarz auf Weiß: Radfahren in der Konstanzer Fußgängerzone ist von 20 bis 10 Uhr erlaubt – und das auch nur in Schrittgeschwindigkeit. | Bild: Aurelia Scherrer

Am Seeuferweg und auf der Rheinbrücke nähmen es Radfahrer mit Vorschriften auch nicht so genau, erklärt die Stadtverwaltung. Bei einem anderen Punkt hätten sich die Radler gebessert, sagt ADFC-Vorsitzender Seuffert. Immer mehr seien mit Licht unterwegs. Schwierige Stellen im Wegenetz sind seiner Ansicht nach auf der Fahrradstraße mit der querenden Gartenstraße, auf dem Radweg an der Konzilstraße und am Zähringerplatz. Er plädiert für eine Verlagerung der Radverkehrs auf die reguläre Straße.

15 Euro Strafe kostet das Radfahren in der Fußgängerzone trotz Verbots. Das schreckt viele nicht ab. Die Ortspolizisten haben es oft mit Wiederholungstätern zu tun. "Das Thema wird von Radfahrern oft auch als Kavaliersdelikt betrachtet", erklärt das Bürgeramt.

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