Nach der Premiere von "Mein Kampf" und seinen medienwirksamen Auftritten vor dem Stadttheater am Freitagabend gerät Kulturbürgermeister Andreas Osner weiter in die Kritik. Osner hatte kurz vor Beginn des Stückes in zahlreiche Fernsehkameras gesprochen und die Freikarten-Aktion des Theaters sowie den Premierentermin an Hitlers Geburtstag, dem 20. April, als "Schande für die Stadt" bezeichnet.

Die Inszenierung von Regisseur Serdar Somuncu sah er sich dagegen nicht an, sondern besuchte an dem Abend den von der Stadt ausgerichteten Ball das Sports. Für das Theater, eine Einrichtung im Verantwortungsbereich Osners, war dieser Auftritt nicht hinnehmbar, es wirft Osner "ignorante Vorverurteilung" vor.

Das Theater legt mit neuer Kritik an Osner nach

Somuncu selbst äußerte sich auf dem sozialen Netzwerk Facebook und führte dort sowie auf dem Kurznachrichtendienst Twitter ein neues Schlagwort (hashtag) ein. Es lautet #resignosner, was so viel bedeutet wie "Tritt zurück, Osner".

Mit der jüngsten Pressemitteilung des Theaters bekommt die Auseinandersetzung zwischen Theater und Kulturverwaltung eine neue Dimension. Wörtlich erklärt das Theater: "Kulturbürgermeister Andreas Osner distanzierte sich schon im Vorfeld – ohne Kenntnis der Inszenierung. Am Abend der Premiere trat er vor die versammelten Kameras, um seinen Boykott auszudrücken, und jedes freie Mikrofon zu nutzen, denn diese Inszenierung sei die größte Schande für die Stadt, die er je erlebt habe.

Dies also ist die größte Schande für die Stadt? Ein Theaterstück? Hier hat Herr Osner weder das Stück noch die Inszenierung auch nur im Ansatz verstanden. Wie auch? – er hat die Inszenierung ja bis heute nicht gesehen." Nie, so die Pressemitteilung weiter, sei Osner "in Dialog mit den Künstlern oder dem Theater getreten, um sich zu informieren. Stattdessen schließt er sich der aufgeregten Diskussionskultur des Zeitalters von fake news an, die der Politik schadet. Ignorante Vorverurteilung hilft niemandem weiter und schon gar nicht einer differenzierten Debatte."

Serdar Somuncu schreibt von "Bürgermeister, der seinen Rücktritt vorbereitet"

Somuncu äußert sich auf Facebook ähnlich und spricht von einem "Bürgermeister, der seinen Rücktritt vorbereitet". Zudem kritisiert er eine "sensationsgierige Presse, die an ihrer eigenen Oberflächlichkeit verzweifelt". Auch er greift Osner für dessen Interviews an: "Vor allem haben diejenigen, die den Machern Publicitygier vorgeworfen haben, jedes Mikrofon besprochen, um für ihre Anliegen Werbung zu machen." Osner selbst erklärte zum Streit um die Inszenierung am Sonntag, die Verwaltung werde das Thema aufarbeiten. Zu der Rücktrittsforderung und zu den vom Theater öffentlich gemachten Vorwürfen äußerte er sich zunächst nicht.