Welche Ansprache ist Ihnen lieber? Ihr Künstlername Caro oder Helene?

Caro natürlich. Ich bin ja nicht Helene Fischer, sondern ich singe ihre Songs. Vielleicht habe ich eine ähnliche Statur wie sie und blonde Haare, aber ich schaue jetzt nicht jeden Morgen in den Spiegel und denke: Mein Gott, ich sehe aus wie Helene Fischer! Also nein, ich habe definitiv keine Identitätskrise. Ich verstehe mich einfach als Sängerin, die Musik covert, zu der die Leute gerne feiern.

Aber die Arbeit als Double ist doch trotzdem undankbar. Man ist dann gut, wenn man möglichst wenig man selbst ist.

Als klassische Sängerin, im Musical oder im Theater schlüpft man doch auch projektweise in Rollen. Jemand, der bei „Cats" mitspielt, hat auch eine Show zu transportieren. Deswegen ist man ja trotzdem noch man selbst, kann eigene Musik machen oder in anderen Bands singen. Ich finde genügend Ausgleich und bin total glücklich so, wie es gerade ist. Ich genieße es, auf großen Bühnen stehen zu können wie im Bierkönig oder in Konstanz zum Beispiel und dann zuhause wieder ein normales, ruhiges Privatleben mit meinem Partner zu führen.

Singen Sie lieber auf der Bühne des Bierkönigs auf Mallorca oder bei der Firmenfeier?

Das hat alles seinen Reiz. An dem einen Wochenende stehe ich bei großen Veranstaltungen vor mehreren tausend Leuten auf den Bühne und ein paar Tage später singe ich im kleinen Kreis auf einer Hochzeit. Ehrlicherweise muss ich natürlich sagen: Ich freue mich total über die großen Events, weil es auch eine Auszeichnung ist, dass Veranstalter bei mir anklopfen und sagen: „Wir hätten dich gerne mit dabei.“ Obwohl ich ja keinen Promibonus habe, sondern einfach nur ein Double bin.

Und zwar nicht das einzige. Wenn man auf Google sucht, findet man noch Victoria, Jenny, Barbara, Vanessa oder Vivien. Wie sticht man in einem Pool voller Namen heraus, die am Ende alle dasselbe sein wollen, nämlich Helene Fischer?

Wenn man sich die vielen Helene-Doubles anschaut, stellt man schnell die Unterschiede fest: Wie viele Auftritte die jeweils haben, und in welcher Qualität gesungen wird. Ob sie regelmäßig auf größeren Veranstaltungen auftreten oder nur gelegentlich auf Volksfesten rumtingeln. Oft ist auch der Ansatz unterschiedlich. Es gibt Doubles, die lassen sich die original Bühnenoutfits nachschneidern und versuchen, die Tanzschritte und die Moderation mit der Helene Fischer-DVD einzustudieren. So was mache ich nicht. Ich mache da mehr mein eigenes Ding.

Sie haben keinen roten Anzug im Schrank?

Nein, und ich möchte ihn auch um Gottes willen nicht haben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass diese offensichtlichen Helene-Verkleidungen beim Publikum alles andere als gut ankommen. Bei meinen Shows sind ja nicht alle im Publikum Helene-Fans und insbesondere die echten Fans sehen diese Art der vollständigen Nachahmung extrem kritisch. Es kommt in erster Linie wirklich darauf an, ob man gut singen kann und das Publikum unterhält. Am schlimmsten sind die Doubles, die mit einer Original Helene Fischer CD auflaufen, den Player anwerfen und die Lippen zum Vollplayback mitbewegen. Da hilft dann auch der rote Anzug nicht mehr und man ist beim Publikum unten durch. Die Leute sind den Doubles gegenüber sowieso sehr kritisch. Einige wollen einen regelrecht scheitern sehen, um am Ende sagen zu können: „War das schlecht! Die hat Helene Fischer nicht im Ansatz das Wasser reichen können." Das muss man sich schon bewusst sein. Dieses Publikum zu überzeugen, ist eine echte Herausforderung.

 

Nach Caro auf dem Programm: Vanessa Mai und Jürgen Drews (im Original)

  • Bodensee-Ahoi

    So heißt das eintägige Schlagerfestival, das am Samstag, 26. August, ab 14.30 Uhr zum ersten Mal im Bodensee-Stadion stattfindet. Damit löst der Schlager den Rock ab: Von 1985 bis 2016 traten dort die großen Künstler der Rockszene auf, bis der Veranstalter Koko 2017 das Aus für das Festival verkündete – in den letzten Jahren haperte es vor allem am Kartenverkauf. Gleich ganz groß einsteigen will der Veranstalter des Bodensee Ahoi, Dennis Eichenbrenner, nicht. Der Geschäftsführer der KNzert GmbH hat den südlichen Teil des Stadions gebucht, der bis zu 5700 Leute fasst. Wie viele am Ende kommen, sei schwer zu sagen. Eichenbrenner rechnet mit etwa 3000 Besuchern. Das Hauptpublikum komme aus dem Bodenseekreis und dem Thurgau, aber auch aus Norddeutschland gebe es Ticketbuchungen, so Eichenbrenner.
  • Die Künstler

    Das Programm dürfte Schlagerfans durchaus überzeugen. Auf dem Programm ganz oben: Der König von Mallorca, Jürgen Drews, und die Schlagersängerin Vanessa Mai, die vor kurzem in der RTL-Show "Let´s dance" zu sehen war. "Vanessa Mai zu bekommen, war nicht ganz einfach" sagt Veranstalter Dennis Eichenbrenner. "Aber wir hatten den Vorteil, dass wir sehr früh angefangen haben zu planen und eigentlich auch jetzt schon in der Planung für 2018 sind." Vor Vanessa Mai wird Caro als Helene Fischer auftreten. Mit dabei sind aber auch lokale Schlagersänger und Bands: Die Jungs vom Bodensee, Chris Metzger von der Höri und die Holzhauermusik Radolfzell. Außerdem auf dem Programm: Jack Gelee und Mallorca-Star Peter Wackel.
  • Vor Ort

    Zum Festival selbst kommt man als Konstanzer am besten mit dem Fahhrad oder mit dem Bus. Ab dem Hauptbahnhof gibt es kostenlose Shuttlebusse hin und zurück. Am Einlass wird die Karte gegen ein Bändchen eingetauscht. Einlass ab 16 Jahren, Jugendliche nur in Begleitung der Eltern. Taschen kann man mitnehmen, es wird aber Kontrollen geben, sagt Dennis Eichenbrenner. Wer keine Tasche hat, kann einen separaten Eingang nehmen, an dem es schneller gehen dürfte. Insgesamt gibt es standardmäßig ein "umfangreiches Sicherheitskonzept", das im Vorfeld in mehreren Gesprächen mit den Behörden erstellt wurde, so Eichenbrenner. Für die gebuchten Künstler musste er im Vorfeld keine Sonderwünsche organisieren. "Alle ganz unkompliziert", sagt Eichenbrenner.
  • Tickets und Vorverkauf

    Karten gibt es für 39,50 Euro an folgenden Vorverkaufsstellen: Kim+Friends, Bodanstraße 4a; Sneaker Bar, Bruderturmgasse 6; Hallhuber, Wessenbergstraße 21. In Radolfzell bei Yeti Sports, Teggingerstraße 14a, Comix, August-Ruf-Str. 15 oder im Internet unter www.reservix.de. Auf dem Festival-Gelände befindet sich kein Geldautomat.

Weitere Informationen zum Schlagerfestival Bodensee Ahoi am Samstag: www.bodensee-ahoi.de
 

Das klingt nach dem, was man der Schlagerszene nachsagt: Einem harten Geschäft.

Ist es auch. Vor allem wenn man sich auf Pflaster wie den Bierkönig oder generell Schlagerparties wagt. Wenn du fünf Sekunden lang mies bist, kommen die Biergläser geflogen und du wirst ausgebuht. Mir selbst ist das noch nie passiert, ich kenne es aber von anderen Künstlern. In dem Geschäft muss man Fähigkeiten mitbringen, mit denen man die Leute für sich gewinnen kann. Dass sie einen für das respektieren, was man kann und, dass man sympathisch rüberkommt. Und dann funktioniert das.

Singen sie immer live?

Ja, zu 100 Prozent. Die technischen Voraussetzungen müssen aber stimmen und die legt meine Agentur vorher mit dem Veranstalter fest. In seltenen Fällen kommt es aber vor, dass sich Leute auch mal nicht daran halten und die Qualität meines Live-Auftritts darunter sehr leiden würde. Ich hätte dann zwar das Recht, nicht auf die Bühne zu gehen, aber damit ist mir auch nicht geholfen. Der Veranstalter ist dann unzufrieden und das Publikum bekommt keine Show. Also singe ich, aber dann eben nicht 100 Prozent live, weil ich mir sonst selbst schaden würde. Das möchte ich auch nicht. Deshalb habe ich für den Notfall einen Plan B in der Schublade. Aber gebraucht habe ich ihn in den vier Jahren, in denen ich das jetzt mache, vielleicht zwei oder drei Mal. Zum Glück! Mir ist es wirklich sehr wichtig, komplett live zu singen.

Als ich den Kollegen vorhin eines Ihrer Live-Videos vorgespielt habe, meinten die: Klingt tatsächlich nach Helene Fischer. Kann man sich die Stimme eines anderen antrainieren?

Natürlich versucht man, in gewissen Passagen ihre Stimmfarbe nachzuahmen. Aber man darf es halt auch nicht übertreiben, weil es sonst aufgesetzt wirkt. Übrigens kann man von Helene Fischer halten, was man will, aber die kann echt singen. Und ihre Songs nachzusingen, ist nicht einfach.

Welche Titel wünschen sich die Leute auf Ihren Konzerten?

Am häufigsten immer noch „Atemlos“.

Immer noch?

Immer noch. Vor allem zu späterer Stunde. Auch wenn der Song für den ein oder anderen sicherlich schon einen gewissen „Nervfaktor“ hat, wird es wohl nie passieren, dass ich nach Hause fahre, ohne „Atemlos“ gesungen zu haben. Seitdem das neue Album draußen ist, wünschen sich die Leute aber auch die neuen Songs.

Was glauben Sie, wie lange Sie Helene Fischer noch doubeln werden?

Solange, wie ich Spaß daran habe, auf jeden Fall. Das ist der Hauptfaktor. Denn den eigenen Spaß daran, die Leute zu unterhalten, kann man nicht faken. Oder ich kann es nicht, dazu bin ich eine zu schlechte Schauspielerin. Wenn ich mal das Gefühl habe, ich würde gerade lieber zu Hause vor dem Fernseher sitzen, als auf der Bühne zu stehen und zu singen, sollte ich aufhören. Aber ich habe immer noch Lust auf neue Veranstaltungen und die Herausforderung, das Publikum zu überzeugen. Gerade wenn, wie in Konstanz, so große Namen wie Jürgen Drews und Vanessa Mai mit dabei sind. Da weiß ich ja auch, dass ich mich dem Vergleich stellen muss und schauen muss, dass ich auch neben denen bestehen kann. Vanessa Mai ist direkt nach mir dran. Da denkt man dann schon: Ich hoffe, ich vermassle es jetzt nicht.

Auf welches Konzert würden Sie privat gehen?

Es ist total schade, aber ich habe gerade kaum Zeit, selbst auf Konzerte zu gehen. Unter der Woche sitze ich an meiner Doktorarbeit und am Wochenende stehe ich ja meist selbst auf der Bühne. Aber ich würde wahnsinnig gerne mal auf ein Konzert von der Band Muse gehen. Das ist auch eine Musikrichtung, die ich privat total gut finde.

Nun ja, Sie singen in einer Woche zumindest an genau derselben Stelle wie Muse. Die waren nämlich vor zwei Jahren beim letzten Rock am See im Bodenseestadion.

Ja, Wahnsinn. Ich habe auch schon ordentlich Lampenfieber. Auch, weil ich die Songs vom neuen Album mit im Programm habe. Die finde ich persönlich super, ich bin aber auch gespannt, wie sie beim Publikum ankommen. Da ist noch nicht die Garantie dabei, dass schon alle mitsingen können wie bei den alten Hits. Aber man muss sich jetzt auch trauen, die neuen Titel zu machen.

Sieht Helene Fischer bestimmt auch so.

Ja, das glaube ich auch.
 

Fragen: Sandra Pfanner