Auf dem Hof der Familie Honsel zwischen Litzelstetten und Oberdorf geht es ruhig und beschaulich zu. Kein Vergleich zum Fuchshof in der Nachbarschaft, hier tummeln sich die Gäste des Cafés und des großen Hofladens von früh bis spät. Bei Honsels ging's dagegen schon immer gemächlicher zu. So auch heute. Auf den Feldern arbeiten die Menschen, in einem der Wohnhäuser wird umgebaut. Der Parkplatz vor dem Hofladen ist verwaist, auch ein Blick hinein ins Innere offenbart: Hier wurde schon länger nichts mehr verkauft. Die Regale stehen zwar noch, sind aber weitgehend abgeräumt. Leere Kartons und Kanister stehen hier und da herum. "Wir haben den Verkaufsraum bisher noch nicht benötigt, daher ist noch vieles so, wie es früher war", erklärt Daniel Honsel, einer der Söhne und Juniorchef des Obstgartenhofs.

Fast unbemerkt und ohne großes Aufsehen schloss der Hofladen vor zwei Jahren. Mehrere Jahrzehnte kauften die Menschen hier und zuvor im alten Hof in der Litzelstetter Martin-Schleyer-Straße mit Vorliebe die weit über die Grenzen des Teilortes bekannten und beliebten Kirschen ein. Vergangenheit. Sämtliche Kirschplantagen sind mittlerweile gerodet. Noch heute steht auf der Homepage folgende Nachricht an die Kunden: "Wir wollen Ihnen mitteilen, dass wir unseren kleinen Hofladen zum Ende der Kirschenernte geschlossen haben (...). 

Die Entscheidung fiel uns nicht leicht (...). Wir möchten Ihnen ein herzliches 'Vergelt's Gott' sagen, für Ihre langjährige Treue und Ihr Vertrauen, das sie uns und unseren Lebensmitteln geschenkt haben (...). Mögen Sie immer gut begleitet, behütet und gesegnet sein (...). Ihre Familie Honsel."

Für Daniel Honsel war die Schließung des Ladens eine logische Entwicklung. "Immer mehr Bauern bieten Kirschen aus geschütztem Anbau an", erzählt er. "Da hätten wir immer mehr investieren müssen, damit es sich weiter lohnt. Also haben wir uns entschieden, auf Äpfel und Birnen zu setzen." Je größer der Markt wurde, desto schwieriger wurde es, damit Geld zu verdienen. Unter dem Strich stand die Entscheidung, aus betriebswirtschaftlichen Gründen zu schließen. "Das war am Anfang schon sehr komisch", berichtet Daniel Honsel. "Wir haben den Laden ja schon als Kinder lange begleitet. Doch so war es vernünftig." In den ersten Wochen nach der Schließung kamen immer mal wieder verwunderte Kunden und fragten nach den Gründen. "Doch das war schon länger nicht mehr der Fall", erklärt Daniel Honsel. "Es war ja auch so, dass die meisten Menschen nur für die Kirschen kamen und unterm Jahr eigentlich nicht."

Michael Baldenhofer, Geschäftsführer des Vereins Integrierte Ländliche Entwicklung Bodensee am Landwirtschaftsamt Stockach, hat Verständnis für Familie Honsel: "Direktvermarktung wird immer anspruchsvoller", sagt er. "Der Verbraucher erwartet heute anspruchvolles und vollständiges Sortiment, also fast schon einen Nahversorger, wie es beispielsweise der Fuchshof nur 300 Meter entfernt vom Hof der Familie Honsel bietet." Mit einem solchen Magneten in der unmittelbaren Nachbarschaft sei ein kleines, exklusives Sortiment wie bei Honsel irgendwann eben nicht mehr lukrativ. "Außerdem", so Baldenhofer weiter, "sind Obstbauern wie Einzelkämpfer und haben anders als Viehbauern keine Lobby. Daher haben wir den Direktvermarkterstammtisch ins Leben gerufen, um gegenseitig Hilfe und Unterstützung anzubieten." Auf der Internetseite www.bodenseebauer.de präsentieren sich zudem die Höfe und bündeln ihre Kräfte. "Ich versuche, die Verantwortlichen in Sachen Marketing oder Management zu unterstützen", so Michael Baldenhofer. Auflagen von Gewerbeamt würden immer anspruchsvoller: "Da kann man schnell den Überblick verlieren".

Dreizehn Hektar Apfel- sowie zwei Hektar Birnenplantagen bewirtschaftet das Familienunternehmen heute noch. Das wirft in einem guten Jahr 400 Tonnen ab. In diesem Jahr angesichts der Sturm- und Frostschäden jedoch nur rund 250 Tonnen Vollertrag. "Wobei wir noch Glück hatten", sagt Daniel Honsel. "Schon in Bodman oder auf der anderen Seeseite sind die Schäden noch größer." Rund 300 000 Euro Jahresumsatz hat das Unternehmen. "Wir lagern, sortieren und handeln aber auch selbst", erklärt der gelernte Obstbauer.

Der Betrieb

1955 wurde der landwirtschaftliche Gemischtbetrieb mit Zimmerei und Brennerei in Liggeringen gegründet. Bereits in den 60er Jahren startete der intensive Apfelanbau auf Basis ökologischer Landwirtschaft und wurde zehn Jahre später ausgebaut und die Viehwirtschaft komplett aufgegeben. Reinhard und Maria Honsel übernahmen 1984 zunächst einen weiteren Obstbaubetrieb in Liggeringen, bis 1992 der Neubau zwischen Litzelstetten und Oberdorf getätigt wurde. 2003 waren die Honsels als Gründungsmitglieder von Gutes vom See sowie auch des Konstanzer Bauernmarktes von Anbeginn mit dabei. Bereits 2004 erkannten die Landwirte die unmissverständliche Notwendigkeit moderner Hagelnetze gegen zerstörerische Hagelschauer hier am See. In den Folgejahren konnten Honsels die Anbauflächen 14 Hektar erweitern, elf davon sind unter modernen Hagelnetzen. Heute besteht das Unternehmen als GbR, und Sohn Daniel ist mit eingestiegen.