Konstanz Homöopathie für Erdbeeren: Wie ein Konstanzer Unternehmen Pflanzen stärken will

Was Homöopathie für Erdbeeren tun kann. Ein Konstanzer Produkt ist derzeit im Testverfahren. Denn Pilzresistenzen machen den Obstbauern zu schaffen.

Schimmelpilze können für den Erdbeeranbau zur Bedrohung werden. Um die Kulturen zu schützen, werden die Pflanzen in der konventionellen Landwirtschaft mit chemischen Wirkstoffen gespritzt. Doch im Laufe der Zeit haben sich Resistenzen gegen eine Reihe dieser Fungizide herausgebildet. "Den Produzenten gehen nach und nach die Spritzmittel aus", sagt Stefan Kunz. Der promovierte Biologe ist Geschäftsführer des Konstanzer Unternehmens Bio-Protect, Gesellschaft für Phytopathologie mbH. Kunz und sein Team beschäftigen sich mit biologischem Pflanzenschutz. Bio-Protect hat Tests entwickelt, die Resistenzen gegen die chemische Pilzabwehr im Erdbeeranbau nachweisen können.

Vor diesem Hintergrund ruhen nun Hoffnungen auf einem Produkt der Konstanzer Firma Bioplant Naturverfahren, um die Abhängigkeit von chemischen Pilzbekämpfungsmitteln zu verringern und die Resistenzen in der Grauschimmelbekämpfung zu durchbrechen. Biplantol, so heißt das Präparat, ist indessen kein biologisches Mittel zur Pilzbekämpfung. "Wir vernichten nicht den Schimmel, sondern wir sorgen dafür, dass die Pflanze stabiler wird", sagt Bioplant-Geschäftsführer Rolf Würthle. Das Mittel soll die Abwehrkräfte der Erdbeerpflanzen stärken. So muss nach Überzeugung von Würthle am Ende weniger gespritzt und auch weniger gedüngt werden.

Der Wirkstoff zur Stärkung der Abwehrkräfte ist eine Kombination aus Pflanzenauszügen, Mineralien und Spurenelementen "in homöopathisch-dynamisierter Form", wie es in einer Beschreibung des Unternehmens heißt. Dabei sei der biochemisch-physikalische Wirkstoffkomplex weder ein Pflanzenschutzmittel, noch Düngemittel in klassischer Form, sondern "ein feinstoffliches Funktionsmittel zur Steuerung biologischer Vorgänge". Würthles Kunden in Landwirtschaft und Gartenbau sind derzeit schwerpunktmäßig Hopfenproduzenten und auf Zierpflanzen spezialisierte Gärtnereien. Erdbeerbauern könnten hinzukommen. Derzeit untersuchen Fachleute von Bio-Protect, ob das homöopathische Komplexmittel von Bioplant geeignet ist, die Pilzabwehr von Erdbeerpflanzen zu stärken. Dabei werden in Versuchsreihen Pilzsporen auf Blätter von Erdbeerpflanzen aufgetragen. "Im Idealfall haben nicht vorbehandelte Blätter größere Pilzflächen als vorbehandelte", sagt die Biologin Sonja Weißhaupt, die bei Bio-Protect die Versuche durchführt. Eines ist für alle Beteiligten klar: Den Labortests müssen noch Tests im Freiland folgen.

Die Unternehmen, der Verbund

  • Die Bio-Protect Gesellschaft für Phythopathologie mbH in Konstanz hat sich im Jahr 2001 gegründet. Das Unternehmen beschäftigt sich mit biologischem Pflanzenschutz und hat zum Beispiel ein Testsystem für Schimmelresistenzen im Erdbeeranbau entwickelt. Bio-Protect zählt sechs Beschäftigte, davon sind vier Biologen. Geschäftsführer ist Stefan Kunz. Infos unter: www.bio-protect.de
  • Die Bioplant Naturverfahren GmbH wurde 1984 von Konrad Würthle gegründet. Das Unternehmen entwickelt homöopathische Komplexmittel für Natur und Umwelt. Seit 2000 ist Rolf Würthle Geschäftsführer. Zum Team zählen acht Mitarbeiter: darunter Ingenieure aus den Bereichen Gartenbau, Biologie und Physik. Bioplant forscht auch zur Nitratbelastung. Infos unter: www.biplantol.de
  • Beide Unternehmen gehören Biolago an, dem Verbund der Lebenswissenschaften am Bodensee, in dem Wirtschaft und Wissenschaft kooperieren. Biolago leistet auch Lobbyarbeit für die Mitgliedsunternehmen, wenn es um mögliche Zuschüsse geht. Das Kooperationsprojekt von Bioplant und Bio-Protect wird vom Wirtschaftsministerium des Landes gefördert. Mehr über Biolago: www.biolago.org

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