2016 war das erfolgreichste Jahr seit Bestehen der Katamaran-Verbindung zwischen Friedrichshafen und Konstanz: Norbert Schültke und Christoph Witte, den Geschäftsführern der Reederei, war die Freude über dieses Geschäftsergebnis bei der Vorstellung der Bilanz anzumerken. Der Verlust für das vergangene Jahr wird mit gerade einmal 30.000 Euro beziffert. 2015 dagegen gab es ein Minus von etwa 160.000 Euro.

Die Fahrgastzahlen sind stabil bei rund 450.000 geblieben. Der Kostendeckungsgrad ist von 95,5 im Jahr 2015 auf 99,1 Prozent im Jahr 2016 gestiegen. Dieser liege im öffentlichen Personennahverkehr in Deutschland im Schnitt bei 75 Prozent, gab Geschäftsführer Norbert Schültke als Vergleichswert an.

Beständig gestiegen seien auch die Pendlerzahlen. Mit 1200 Dauerkarten sei 2016 ein Höchststand erreicht worden. "Der Katamaran ist unverzichtbarer Bestandteil für Mobilität in der Region", sagte Schültke. Die Verbindung sei wirtschaftlich erfolgreich und damit seien "die letzten Zweifler hoffentlich überzeugt", so der Geschäftsführer. Im Jahr 2006 hatte das Geschäftsergebnis bei einem Minus von knapp einer Million Euro gelegen.

2018 sollen die drei Katamarane Constanze, Fridolin und Ferdinand – trotz geplanter Investitionen für Motoren – zum ersten Mal Gewinne erwirtschaften. "2017 wird uns das nicht ganz möglich sein. Außer wir haben einen Supersommer", erklärte Schültke. Die diesjährige Osterzeit habe dem Unternehmen schon mal geholfen: Mehr als 4000 Fahrgäste seien im Monat April befördert worden. Das entspricht einer Steigerung von 30 Prozent gegenüber dem April 2016.

 

 

 

Gründe für diesen Erfolg kann Norbert Schültke einige nennen: Das Tarifsystem wurde weiterentwickelt. Außerdem gibt es seit Oktober ein Handyticket. Saisonale Angebote sowie Kombi-Aktionen zur Tuning World in Friedrichshafen oder zum Seenachtfest in Konstanz werden besser angenommen. Weitere sind in Planung. Und nicht zuletzt feilen die Techniker an der Ausstattung der Schiffe. So konnte der Kraftstoffverbrauch von Constanze dank neuer Motoren und Propeller um mehr als zehn Prozent gesenkt werden. Bei hocheffizienten Fahrzeugen wie den Katamaranen sei dies eine ganze Menge, sagte Geschäftsführer Christoph Witte.

Pro Kilometer werden anstatt 4,17 nun lediglich 3,73 Liter Diesel verbraucht. Das entspricht einer Ersparnis von 102 Tonnen Kohlenstoffdioxid im Jahr 2016. Im ersten Quartal 2017 habe sich der Kraftstoffverbrauch noch mal um fünf Prozent verbessert. Fridolin und Ferdinand sollen ebenfalls mit den neuen Motoren ausgestattet werden.

9800 Mal sind die Katamarane im Jahr 2016 über den See gefahren. 108 Kurse sind ausgefallen. "Die Ausfälle, die wir haben, sind fast alle wetterbedingt", berichtete Witte. Die technischen Schwierigkeiten der Anfangsjahre seien geregelt.

Der Katamaran verbindet ganzjährig die Städte Friedrichshafen und Konstanz im Stundentakt. Die Reederei blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück
Der Katamaran verbindet ganzjährig die Städte Friedrichshafen und Konstanz im Stundentakt. Die Reederei blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück | Bild: Mende

Vom Politikum zum Verkehrsmittel

Seit 1. Juli 2005 verbindet der Katamaran die beiden größten Städte am Bodensee, Konstanz und Friedrichshafen. Vor allem in Konstanz war die Linie umstritten.

  • Die Idee: 1998 wurde die Katamaran-Reederei gegründet mit dem Ziel, ein neues Angebot im öffentlichen Personennahverkehr zwischen den beiden Städten zu schaffen. Ab 2004 wurden die beiden ersten Schiffe, deren Namen Fridolin und Constanze nicht überall auf Begeisterung stießen, in der Bodan-Werft in Kressbronn gebaut. Bezahlt wurden sie vom Land Baden-Württemberg. Zur feierlichen Eröffnung der Schiffslinie kam sogar der damalige Bundespräsident Horst Köhler an den Bodensee. Der dritte Katamaran Ferdinand kam 2007 dazu, weil klar wurde, dass zwei Schiffe das harte Betriebsprogramm nicht ohne Reserve schaffen.
  • Der Bürgerentscheid: Mit einem Bürgerbegehren erzwangen Kritiker an der neuen Schiffslinie, dass die Konstanzer am 2. Dezember 2001 über den Gemeinderatsbeschluss pro Katamaran ebenfalls abstimmen durften. Die Fragestellung lautete: "Sind Sie gegen eine direkte Katamaran-Schiffsverbindung zwischen Konstanz und Friedrichshafen?" 15 225 Bürger stimmten mit Ja, also gegen den Katamaran, 5653 dafür. Das damals geforderte Quorum von 30 Prozent der Stimmberechtigten wurde nicht erfüllt, damit war das Ergebnis nicht bindend.
  • Die Kritik: Gegen den Katamaran wurde und wird zum Teil bis heute vorgebracht, er erzeuge zu hohe Verluste. Entgegen erster Versprechungen auf einen profitablen Betrieb fuhr die Linie seit Bestehen einen Verlust von 6,5 Millionen Euro ein. Gegenwind kam auch von Seglerverbänden und Fischern. Die Wassersportler sehen sich nach dem Unfall 2016, bei dem ein Katamaran eine Segelyacht versenkte, in ihrer Kritik bestätigt. (rau)