Konstanz Hockgraben: Wie ein Fluss sichtbar wird

Der zweite Teil der Renaturierung des Hockgrabens beginnt bald. 500 000-Euro kostet es, den Bach wieder sichtbar zu machen. Am Salesianerweg wurde er schon vergangenes Jahr von Beton befreit.

Mit dem Fällen von Gebüsch beginnt in Kürze der zweite Teil des 500 000-Euro-Projekts zur Wiederbelebung des Hockgrabens als natürlichen Bachlauf. Am Salesianerweg wurde er schon vergangenes Jahr von Beton befreit, jetzt folgt der Abschnitt vom Sportplatz im Hockgraben bis zur Mainaustraße. Die Stadt will die Arbeiten nutzen, um dort bessere Rad- und Fußwege anzulegen. Ein Antrag auf Förderung sei beim Land gestellt, sagt Martin Wichmann, Leiter des städtischen Umweltamts, bei einer Bürgerinformation vor Ort.

Der Bach Hockgraben fließt unter den Grünflächen des Sportplatzes, versteckt in einer Betonröhre. Bald aber soll sich das Gewässer wieder für alle sichtbar durch die Wiesen schlängeln. Es ist geplant, den Bach auf der Richtung Allmannsdorf zeigenden Seite am Sportheim vorbei zu führen und über die Wiesen mit dem bestehenden Bachlauf zusammenzuführen. Dazu wird die Röhre am Sportplatz geschlossen und ein neues Bachbett gelegt. Die städtische Landschaftsplanerin Renate Gauß geht davon aus, dass der Fluss sich dann seinen eigenen Weg sucht. „Wir geben nur Anreize.“ Der heute schon bestehende überirdische Flusslauf soll von den Betoneinklammerungen befreit und ähnlich wie am Salesianerweg zu einem natürlichen Bach umgestaltet werden. An der Bettengasse sind eine Brücke und Flachstellen geplant, an denen Kinder und Spaziergänger besonders leicht das Wasser erreichen können.

Bevor die Flussbefreiung beginnen kann, müssen die Stadtwerke noch ein Großprojekt bewältigen und die Trinkwasser-Hauptleitung in Richtung Litzelstetten aus dem Jahr 1972 erneuern. Sie wird so verlegt, dass Raum für den Flusslauf bleibt. Die Erneuerung der Leitung wäre nach Angaben von Sebastian Deus von den Stadtwerken unabhängig von der Renaturierung des Hockgrabens sowieso nötig gewesen. Für die Arbeiten müssten die Rad- und Fußwege teilweise voll gesperrt werden. Der Baustellenverkehr werde über die Bettengasse abgewickelt. Start der Rohrarbeiten ist Mitte März, sie dauern voraussichtlich zweieinhalb Monate an. Schon in den nächsten Tagen beginnen Fällarbeiten am Sportgelände. Auch am bestehenden Bachlauf müssen an einzelnen Stellen Büsche und Bäume gefällt werden, um diesen vom schnurgerade in schlängelnd zu verwandeln. „Die großen Bäume versuchen wir zu erhalten“, stellt Edith Heppeler von den Freilandplanern des Büros Eberhard und Partner in Aussicht. Es werden heimische Gehölze nachgepflanzt.

Martin Wichmann zerstreute Sorgen von Anwohnern, Veränderungen am Bachlauf könnten zu nassen Kellern führen. Es seien keine Stauflächen geplant, das Wasser soll abfließen. Eine wasserrechtliche Genehmigung des Landkreises liege vor. Tiere, die im Bereich des Bachs leben, fänden während der Bauzeit im Sommer Ausweichmöglichkeiten in der Natur. Anwohnerin Evelyn Thies freut sich, bald den Bach richtig wahrnehmen zu können. „Die Bauzeit ist die Durststrecke, aber dann ist es eine große Verbesserung.“

 

Der Zeitplan

Die Bauarbeiten dauern voraussichtlich bis Herbst an. Sie beginnen mit Fällarbeiten und der Verlegung der Trinkwasser-Hauptleitung am Sportplatz. Zusammen mit dem Stück am Salesianerweg, wo der Hockgraben schon von seinem Betonkorsett befreit wurde, liegen die Kosten für die Renaturierung bei rund 500 000 Euro. Etwa 30 000 Euro muss die Stadt selbst tragen. Die Restkosten sind durch Landeszuschüsse und Ausgleichgelder für andere Baumaßnahmen gedeckt. (rin)

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