Konstanz/Meersburg – Mühsame Arbeiten in den engen Türmen seitlich zur Zufahrtsbrücken, besondere Vorsicht beim Laden und Entladen der Schiffe und ständig die bangen Blicke auf das weitere steigende Wasser des Bodensees: Das Hochwasser hat dem Fährbetrieb Konstanz-Meersburg ein aufregendes Wochenende beschert, durch unermüdliche Arbeit konnte das Personal den Betrieb aber sogar mit Schnellkursen aufrecht erhalten.



Als er sich am Sonntagnachmittag in Staad selbst ein Bild von der Lage machte, war Fähre-Chef Stefan Ballier beeindruckt: „Das Engagement unserer Mitarbeiter ist wirklich herausragend“, sagte er im strömenden Regen, „wir alle haben den Ehrgeiz, so lange zu fahren, wie es irgendwie geht und wie die Sicherheit gewährleistet ist.“ Pegel 5,12 Meter, Tendenz eher steigend – was heißt das für die wichtigste Schiffsverbindung über den Bodensee?
  • Die Brücken: Normalerweise geht es leicht bergab, wenn Fahrzeuge über die höhenverstellbaren Brücken auf die Schiffe fahren. Durch den hohen Wasserstand weisen sie inzwischen eine kräftige Steigung auf. Damit sie überhaupt so weit hochgezogen werden können, dass sie das Fahrbahndeck erreichen, mussten Experten die Zugketten verkürzen. Denn die tonnenschweren Gegengewichte standen bereits auf dem Seegrund auf.
    In den engen Türmen beiderseits der Zufahrten war schweißtreibende Handarbeit gefragt.
  • Die Ladung: Wegen des markanten Knicks an der Stelle, wo die Brücken auf dem Fahrbahndeck der Schiffe aufliegen, können tiefergelegte Autos oder Fahrzeuge mit langem Radstand leicht aufsitzen. Mehrere kleinere Kollisionen habe es bereits gebeben, sagte Fähre-Chef Stefan Ballier am Sonntag vor Ort. Vor allem Lastwagen und Busse konnten nicht einmal mit dem vorgeschriebenen Schritttempo fahren. Dadurch verzögerte sich das Be- und Entladen merklich. Die Wartezeiten an den beiden Anlegern waren somit etwas länger als sonst bei Schnelllkurs.
  • Die Elektronik: Die Steuerung der Hafenanlagen in Meersburg und Konstanz ist in Schaltkästen untergebracht, die direkt am See stehen. Noch trennen sie etwa 40 Zentimeter vom Wasserspiegel. Sollte hier Wasser eindringen, können die Brücken nicht mehr bewegt werden, und ein Be- und Entladen ist nicht mehr möglich. Alle möglicherweise undichten Stellen haben Fähre-Mitarbeiter in einer Eil-Aktion vorsichtshalber mit Bauschaum verschlossen.
  • Der Tiefgang: Je höher das Fahrbahndeck der Fähren liegt, desto schwieriger wird das Be- und Entladen. Vor allem auf der „Konstanz“ ist das prinzipbedingt ein Problem. Deshalb hat der Fährbetrieb Betonklötze mit einer Masse von 25 Tonnen auf das Schiff geladen. Dadurch liegt die "Konstanz" nun etwas tiefer im Wasser. Auch an allen anderen Schiffen wurden die Treibstoff- und Frischwassertanks komplett gefüllt. Das trägt ebenfalls dazu bei, dass die Fähren weniger Freibord haben, hier zählt wegen der Be- und Entladebrücken jeder Zentimeter.
  • Die Zufahrten: Bis Sonntagabend standen auch die tiefsten Bereiche an der Fähre-Zufahrt in Staad noch nicht unter Wasser. Sie liegen aber im Bereich des 25-jährigen Hochwassers, das in den nächsten Tagen noch erreicht werden könnte. Sollte der See so hoch steigen, müsste die Fähre vermutlich ihren Betrieb doch noch einstellen. Man werde die Kunden auf allen möglichen Wegen über einen solchen Schritt informieren, versprach Ballier. Er hoffe aber, dass ein Betriebsstopp wie zuletzt 2001 und 1999 – damals aber noch mit anderer Technik an den Anlegern – nicht nötig werde.

Wie lange gefahren wird

Der Fährbetrieb Konstanz-Meersburg hat keinen festen Pegel für eine Betriebseinstellung. "Die nächsten zehn bis 20 Zentimeter schaffen wir noch ohne große Einschränkungen", sagte Fähre-Chef Stefan Ballier. Sollte das Wasser noch weiter steigen, würden möglicherweise bestimmte Fahrzeuge vom Transport ausgeschlossen. (rau)