Es ist ein großes Vorhaben, das der Investor I+R auf dem ehemaligen Siemensareal angeht. Einstige Werkshallen werden zum Teil erhalten, zum Teil umgebaut, zum Teil wird abgerissen und neu gebaut. Außerdem entstehen auf dem Areal etwa 750 Wohnungen. Urban soll es hier zugehen, Arbeiten und Wohnen finden auf engstem Raum statt.

Hier soll Arbeiten unkonventionell organisiert sein

Ehemalige Werkshallen und Industriegebäude sind nicht ohne Weiteres an die Erfordernisse der modernen Arbeitswelt angepasst. Genau das ist aber die Herausforderung, die Andreas Deuring, Geschäftsführer von I+R, in dem Quartier angehen will. Das Herzstück ist die Shedhalle: „Sie steht unter Denkmalschutz. Das heißt, für sie müssen wir eine Nutzung finden, die an die Bedürfnisse des Denkmalschutzes angepasst ist“, sagt Deuring. Darüber hinaus kann sich Deuring sehr unterschiedliche gewerbliche Nutzungen für die Bestandsgebäude auf dem Areal vorstellen: aus der Gastronomie und dem Hotelbereich, Gewerbe aus dem medizinischen Bereich sowie der Kultur.

Das Gründerzentrum als Herzstück

Von Anfang an war geplant, dass das Konstanzer Technologiezentrum, das im Paradies auf beengtem Raum und in einem veralteten Gebäude untergebracht ist, auf das Bückle-Areal umziehen soll. Das soll voraussichtlich im kommenden Juli erfolgen, das TZK wird etwa 4000 von 25 000 Quadratmetern anmieten. Auf der übrigen Fläche soll ein Innovationszentrum entstehen, weitere Gründer, Start-ups, Künstler und weitere Unternehmen sollen sich hier unter dem Begriff Farm ansiedeln. Bis zu 500 Personen werden hier arbeiten. Gleichzeitig sollen in den Räumen oder sehr nah Kindertagesstätten integriert, Kulturveranstaltungen angeboten werden.

Das Gebäude auf dem Siemens-Areal, in dem das Treibhaus untergebracht ist. In allen fünf Gebäude sollen Gründer und andere Unternehmen unterkommen.
Das Gebäude auf dem Siemens-Areal, in dem das Treibhaus untergebracht ist. In allen fünf Gebäude sollen Gründer und andere Unternehmen unterkommen. | Bild: Dima Daudrich

Die Stadtverwaltung bestätigt diese Pläne. Ein Kindergarten sei als Anbau an die Shedhalle im Süden geplant, heißt es aus dem Amt für Stadtplanung und Umwelt. Dort sollen drei Kindergartengruppen mit 20 Kindern und zwei Krabbelgruppen mit zehn Kindern untergebracht werden. Die Schulkinder werden in den bestehenden Grundschulen untergebracht.

Der Pop-up-Space als Modell für Kreativität

Schon jetzt können Konstanzer sich ausprobieren, die auf der Suche nach einem Raum sind oder eine Idee haben. In einem der fünf Gebäude entsteht ab sofort ein „Pop-up-Space“, eine Zwischennutzung in den Monaten November 2019 bis Februar 2020.

Einige Räume im Gebäude der Farm sind auch schon möbliert – zumindest vorläufig.
Einige Räume im Gebäude der Farm sind auch schon möbliert – zumindest vorläufig. | Bild: Dima Daudrich

Der Raum für Austausch soll dauerhafte Mieter überzeugen

Auch wenn der Pop-up-Space nicht dauerhaft angelegt ist: Er soll eine langfristige Wirkung entfalten. Während der Projektphase von November bis Februar wird er wissenschaftlich begleitet. Bamberger kann sich vorstellen, dass die Zwischennutzung in den kommenden Jahren wandert – jeweils in eines der Gebäude auf dem Gelände, die noch leerstehen. Schließlich sei ein weiteres Ziel, dass das Projekt, einen Freiraum zu schaffen, unter Umständen verstetigt wird.

Die Ausstellung „Zu Hause im Landkreis“, die im Moment ebenfalls im Farm-Gebäude zu sehen ist
Die Ausstellung „Zu Hause im Landkreis“, die im Moment ebenfalls im Farm-Gebäude zu sehen ist | Bild: Helene Timm

Die Planungen für den Wohnraum

Das zweite Kernstück des Areals ist der Wohnraum, der hier entstehen wird. 91.000 Quadratmeter Fläche stehen zur Verfügung, wie Deuring berichtet. 750 Wohneinheiten sind geplant, davon 170 Mikro-Wohnungen und 580 größere Wohnungen. Die Mikrowohnungen sind als Apartments zum Beispiel für Auszubildende oder junge Mitarbeiter von Start-up-Unternehmen gedacht. 30 Prozent der Wohnungen seien im geförderten Bereich zu vermarkten, ergänzt Deuring.

Ergänzt wird die Planung durch 770 Tiefgaragen-Stellplätze für Gewerbe und Wohnen, dies sei nach einem reduzierten Schlüssel berechnet, so Deuring. „Das Quartier ist gut über die Bahn und zu Fuß erreichbar, das ist eine Stärke“, sagt der Vorarlberger Investor.

Ein Anwohner bleibt skeptisch

Mit wenig Begeisterung blickt Thomas Blaser, ein Anwohner der Bücklestraße, auf die bisherigen Planungen. „Ich habe Bedenken wegen des Verkehrs“, sagt er. Er wünscht sich mehr Tiefgaragenstellplätze. Aus seiner Sicht ist es eine Illusion, dass die künftigen Bewohner von sich aus auf Privatautos verzichten. Er erwartet, dass es zu anstrengendem Parksuchverkehr kommen könne.

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Nachbarn fürchten schlechte Lichtverhältnisse

Eine zweite Sorge betreffe die Art der geplanten Bebauung. Blaser befürchtet, dass zehnstöckige Hochhäuser den in der Bücklestraße wohnenden Menschen „das Licht wegnehmen“ könnten. Dass die Kritik der Anwohner etwas an den Planungen ändern werde, daran glaubt Blaser allerdings nicht.

Investor kommt Nachbarn ein Stück entgegen

Ganz entkräften kann der Investor I+R die Befürchtungen des Anwohners nicht. Die Gebäude sollen in einer Höhe zwischen zwei und zehn Geschossen geplant werden. Das niedrigste Gebäude mit zwei Geschossen wird die Kita sein. Immerhin: Beim westlichsten Gebäude, das in der Nähe der Wohnbebauung in der Bücklestraße 9 entstehen soll, habe der Investor eine Reduzierung auf acht Geschosse beschlossen, um die Lichtverhältnisse für die Nachbarn zu verbessern, so eine Sprecherin von I+R.

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