Allensbach/Konstanz Hilfsverein IWAO: Allensbacher im Einsatz für trinkbares Wasser

Der Verein IWAO hilft in Katastrophengebieten – etwa mit Chlortabletten, die belastetes Wasser reinigen. Auch ein Notfallkoffer für Selbsthilfe ist in Arbeit.

Wegen Bürgerkrieg und Hungersnot sind im Südsudan derzeit zirka eine Million Menschen innerhalb des Landes auf der Flucht. In manchen Ortschaften und Provinzen komme es dadurch zu großen Problemen bei der Wasserversorgung, erklärt der Allensbacher Heinz Knoll. Er ist der frühere Präsident und heute Vorstandsmitarbeiter des Hilfsvereins International Water Aid Organization (Internationale Wasser-Hilfs-Organisation/IWAO). Diese unterstütze deshalb finanziell die Sanierung und den Bau von Brunnen in dem afrikanischen Land. "Wir in Deutschland können sagen, dass wir eine ausgezeichnete Trinkwasserversorgung haben", so Knoll. Doch das sei in vielen Ländern keineswegs selbstverständlich.

Dabei arbeite die IWAO im Südsudan zusammen mit dem Konstanzer Hilfsverein Hoffnungszeichen, so Knoll. Der dort zuständige Referatsleiter Marcel Kipping erklärt: "Seit vielen Jahren konzentrieren wir unsere Unterstützungsmaßnahmen im jüngsten Staat der Welt auf die Bereiche Gesundheit, Wasser- und Nahrungsmittelversorgung sowie Bildung." In der Stadt Mapuordit würden mit Unterstützung der IWAO drei Brunnen rehabilitiert und neu errichtet. Dieses Projekt stelle eine wichtige Maßnahme für die Menschen vor Ort dar. "Ohne die Unterstützung der IWAO wäre dieses Vorhaben nur schwer möglich gewesen. Seit vielen Jahren arbeiten wir sehr gut zusammen." Ebenso in Äthiopien, wohin die IWAO zudem Chlortabletten zur einfachen Aufbereitung von verunreinigtem Wasser lieferte. "Betroffen sind die Ärmsten der Armen", erklärt Knoll. Und so sei es vor allem in Ländern, die von Naturkatastrophen heimgesucht werden oder in denen Krieg ist.

Im Irak half die IWAO Jesiden mit so genannten Jerrycans. In den Kanistern ist ein Filtersystem; dadurch können die Menschen selbst Wasser keimfrei machen. <em>Bild: Shelter Now</em>
Im Irak half die IWAO Jesiden mit so genannten Jerrycans. In den Kanistern ist ein Filtersystem; dadurch können die Menschen selbst Wasser keimfrei machen. Bild: Shelter Now

Die IWAO habe zum Ziel, notleidenden Menschen schnell und kostenlos trinkfähiges Wasser zur Verfügung zu stellen, erläutert Knoll, der 2005, damals als technischer Vorstand der Stadtwerke Heidelberg, Mitbegründer des Vereins war. Er spreche nicht von Trinkwasser, sondern es gehe um die Aufbereitung von Wasser, das durch Bakterien und Keime belastet ist. "Es muss hygienisch einwandfreies Wasser sein", betont Knoll. Chlortabletten hätten sich bei diversen Hilfsprojekten als einfaches Mittel bewährt. Eine Tablette, die zirka einem Cent koste, reiche dazu aus, zehn Liter Wasser trinkbar zu machen. Damit die Menschen diese richtig anwenden, lege die IWAO simple Gebrauchsanweisungen mit Piktogrammen bei, auf denen auch die Zeitangabe 30 Minuten stehe. Patric Häusler, der stellvertretende Geschäftsbereichsleiter Wasserversorgung im Konstanzer Wasserwerk, erklärt hierzu: "Was beim Chlor wichtig ist, ist die Einwirkungsdauer." Das Mittel müsse sich erst gleichmäßig im Wasser verteilen, um die Keime zu beseitigen. Er finde die IWAO, bei der auch die Stadtwerke Konstanz Mitglied sind, eine gute Sache, so Häusler: "Trinkwasser ist einfach das wichtigste Lebensmittel."

Knoll berichtet, die Stadtwerke, bei denen er in den 1990er-Jahren Werkleiter war, hätten auch das erste IWAO-Projekt 2008 unterstützt. Damals hätten die Auszubildenden bei einem Tag der offen Tür Spenden gesammelt für den Bau eines Brunnens für ein Kinderheim in Brasilien. Das erste größere IWAO-Projekt habe es dann in Simbabwe gegeben. Verunreinigtes Wasser sorgte dort für eine Ausbreitung der Cholera. "Da sind wir hin und haben Chlortabletten verteilt an Krankenhäuser und kirchliche Einrichtungen", so Knoll. "So haben wir in Simbabwe dazu beigetragen, dass einige hundert Menschen nicht ums Leben gekommen sind."

Chlortabletten hätten auch in Pakistan im Jahr 2010 geholfen, als es dort große Überschwemmungen gab. Damals habe man die vor Ort tätige deutsche Hilfsorganisation Shelter Now mit einer großen Menge Tabletten beliefert. Nach dem Erdbeben in Haiti im selben Jahr sei er selbst mit nach Mittelamerika gereist, so Knoll. Mit 350 000 Chlortabletten habe man dort die Wasserversorgung eines Krankenhauses für 180 Tage sicherstellen können. Dessen Tiefbrunnen sei verschüttet gewesen, und es sei Wasser aus einem Straßengraben verwendet worden.

In den vergangenen Jahren sei die IWAO nicht mehr selbst vor Ort im Einsatz gewesen, so Knoll. Der Aufwand sei zu groß geworden. Man arbeite daher verstärkt mit anderen Organisationen zusammen. "Wir unterstützen mit unserem Know-How in Wassertechnologie." So habe man wieder in Kooperation mit Shelter Now Jesidenfamilien im Nordirak geholfen, belastetes Wasser aufzubereiten – diesmal mit sogenannten Jerrycans. "Das sind Kanister zur Aufbewahrung des noch belasteten Wassers. Durch eine kleine Handpumpe im Deckel wird ein Druck erzeugt, der das Wasser durch ein eingebautes Filtersystem drückt und keimfreies Wasser liefert", erklärt Knoll.

Ein anderes Problem sei es, dass mitunter Helfer nur schwer oder gar nicht zu den notleidenden Menschen gelangen können – wie etwa nach dem Erdbeben in Nepal. Die IWAO setze daher mehr auf Hilfe zur Selbsthilfe. "Wir sind dabei, einen Notfall-Wasserkoffer zu entwickeln", so Knoll, im Laufe des Jahres solle dies abgeschlossen sein. Dies solle ein Behältnis sein, dass aus der Luft abgeworfen werden kann. Der Notfall-Koffer solle Utensilien enthalten, mit denen die Menschen selbst Wasser filtern, desinfizieren und konservieren können.

Nach dem Tsunami

Auslöser für die Gründung der International Water Aid Organisation sei der große Tsunami in Südostasien Ende 2004 gewesen, so Heinz Knoll. Eine Hilfsgruppe aus dem Raum Heidelberg sei damals mit einer Wasseraufbereitungsanlage nach Sri Lanka gereist. Mit dabei gewesen sei der frühere Laborleiter der Bodenseewasserversorgung Sipplingen, der nach der Rückkehr den Verein ins Rollen gebracht habe. Wichtig sei von Anfang an gewesen, dass die IWAO kompetent im Bereich Wasserversorgung sei, weshalb es neben fördernden Mitgliedern auch Aktive gebe, die sich fachlich einbringen. (toz)

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