Wenn Worke Woldesemayat von der Lage der rund 250 000 Straßenkinder in Addis Abeba berichtet, dann spricht sie von Menschen, die selbst den kühlenden Schatten unter Bäumen verloren haben. Denn Äthiopiens Hauptstadt machte zuletzt einen rasenden wirtschaftlichen Wandel durch. Es wuchsen die Hochhäuser, es schrumpften die Grünflächen. Die ärmsten der Kinder säßen jetzt in glühender Hitze auf Beton, sagt die 51-Jährige, die als Studentin für Maschinenbau nach Deutschland kam und hier seit 32 Jahren lebt. Vom jüngsten Aufschwung in Äthiopien profitierten nur wenige, für einen Teil der Bevölkerung sei das Leben weiter geprägt von Hunger und Armut. Worke Woldesemayat und die Äthiopische Gemeinschaft in Konstanz wollen Straßenkinder in Addis Abeba aus der Armut befreien. Die Kinder sollen die Möglichkeit bekommen, Schulen zu besuchen.

Die ersten 3200 Euro an Spenden hat die Äthiopische Gemeinschaft schon mit Aktionen bei Festen gesammelt. Und doch steht die Initiative zugunsten der Straßenkinder noch ganz am Anfang. Sie will sich als Verein gründen. Woldesemayats Schwester, die in Äthiopien lebt, und Helfer Martin Weber aus Konstanz, der reisend im Land unterwegs ist, sondieren, wer für eine Zusammenarbeit in Äthiopien in Frage kommt. In Konstanz hat die Initiative schon einige emsige Helfer, darunter Erika Korn von der Frauenrechtsgruppe Terre des Femmes. Weitere ehrenamtliche Unterstützer sind willkommen. Dass die Äthiopische Gemeinschaft einiges auf die Beine stellen kann, hatte sie schon vor einem Jahr bei der Interkulturellen Woche bewiesen. Sie organisierte drei äthiopische Tage in der Turnhalle von Allmannsdorf mit umfassendem kulturellem Programm.

Die Idee, eine Initiative zu gründen, kam der vierfachen Mutter Worke Woldesemayat nach einem Film über Studenten, die erfolgreich eine kleine Hilfsorganisation aufgebaut hatten. "Selbst wenn wir nur für ein Kind sorgen könnten, dann wäre das für mich schon ein großer Erfolg." Kontakt gibt es per E-Mail an kornerika@web.de.