Viele Augen waren zuletzt auf einen Großbrand in Mecklenburg-Vorpommern gerichtet. Über 1200 Hektar Wald standen in Flammen. Das Feuer war auf einem munitionsbelasteten ehemaligen Truppenübungsplatz ausgebrochen. Die Gefahr durch Kampfmittel im Boden hinderte die Löschtrupps daran, bis zum Brandherd vorzudringen.

08.07.2019, Mecklenburg-Vorpommern, Alt Jabel: Von einem Feuerwehrfahrzeug löschen Feuerwehrmänner im Wald auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz letzte Glutnester. Insgesamt wurden 1.200 Hektar Wald in Mitleidenschaft gezogen.
08.07.2019, Mecklenburg-Vorpommern, Alt Jabel: Von einem Feuerwehrfahrzeug löschen Feuerwehrmänner im Wald auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz letzte Glutnester. Insgesamt wurden 1.200 Hektar Wald in Mitleidenschaft gezogen. | Bild: Jens Büttner

Das Gelände Bettenberg: Betreten verboten

Ähnliche Probleme könnten sich auch für die Brandschützer am westlichen Bodensee ergeben, allerdings in viel kleinerer Dimension. Vor den Toren von Konstanz gibt es den ehemaligen Truppenübungsplatz Bettenberg. Und auch hier wäre eine Brandbekämpfung schwierig, weil noch Munition im Boden liegt.

Nach Angaben der verantwortlichen Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) sind 95 der 170 Hektar großen Fläche am Konstanzer Bettenberg sogenannte Kampfmittelverdachtsflächen. Das entspricht einer Größe von 135 Fußballfeldern.

Vor Ort warnen Schilder eindringlich vor dem Betreten des mit Munition und anderen Kampfmitteln belasteten Geländes: Lebensgefahr, absolutes Betretungsverbot, ist da zu lesen. Die Bundesanstalt verweist auf gute innere und äußere Erschließung mit „munitionsgeräumten Wegen“, die als Gliederung der Flächen dienen.

Sicherheit ist das Wichtigste

Für Bernd Roth, den Kommandanten der Konstanzer Feuerwehr, die hier im Falle eines Brandes ausrücken müsste, ist eines sicher: „Im Einsatzfall werden die freigegebenen Wege nicht verlassen. Ein Löschversuch wird aus dem gesicherten Bereich durchgeführt“, schreibt Roth auf Anfrage.

Im Gespräch bekräftigt er, der Schutz der Feuerwehrleute stehe an erster Stelle: „Die Feuerwehr kann ausgedehnte Brände durch eine Riegelstellung an den Wegen aufhalten, ohne in das Gebiet hineingehen zu müssen.“ Besondere Einsatzpläne für einen solchen Brandfall gebe es bei der Konstanzer Feuerwehr bisher nicht.

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Das Waldbrandrisiko stuft die Bundesanstalt „als insgesamt nicht hoch“ ein. Auf den fraglichen Flächen dominiere Laubholz mit jungen Bäumen in der Boden- und Strauchschicht. Trockenes Nadelholz werde regelmäßig entnommen. Offene Flächen würden durch Schafe gepflegt, sodass Grasflächen kurz gehalten blieben.

Darüber hinaus verweist die Bundesanstalt auf das strikte Betretungsverbot für Erholungssuchende. Dieses Verbot werde von einer Sicherheitsfirma regelmäßig und auch an Wochenenden kontrolliert.

Mit erhöhtem Brandrisiko ist zu rechnen

Ganz allgemein dürfte im Zuge der allgemeinen Klimaentwicklung aber wohl auch in der Bodenseeregion mit einem steigenden Brandrisiko zu rechnen sein. Im Hitzesommer 2018 warnte beispielsweise das Konstanzer Kreisforstamt eindringlich vor erhöhter Waldbrandgefahr.

„Wir werden uns dieser Situation stellen müssen“, sagt Kreisbrandmeister Carsten Sorg. Vegetationsbrandbekämpfung bedeute andere Bedingungen für Rettungskräfte. Wenn beispielsweise zu Fuß weitere Wege zurückgelegt werden muss, spielt das Gewicht der Ausrüstung eine größere Rolle.

Bild: Jens Büttner

Die Feuerwehr rüstet sich für Einsätze aus

In voller Montur mit Atemschutzgerät kann diese Ausrüstung etwa 30 Kilogramm wiegen. Über leichte Schutzkleidung verfügten die Feuerwehren nicht, erläuterte der Kreisbrandmeister. Carsten Sorg stellt allerdings heraus, dass sich bei der Ausstattung der Feuerwehren in den Kommunen zuletzt einiges getan habe.

Auch kleine Gemeinden verfügten inzwischen über Wasserlöschtankfahrzeuge, die einen ersten Löscheinsatz weit abseits von Hydranten möglich machen. Die Tanks fassen mindestens 500 Liter. Die Singener Feuerwehr bietet sogar 4000 Liter Löschwasser auf Rädern auf.

Bernd Roth berichtete, die Konstanzer Feuerwehr habe kleinere und leichtere Schläuche angeschafft. Das Material sei bei mobilen Einsätzen von Nutzen.

Kreisbrandmeister Sorg will im nächsten Jahr das Thema Vegetationsbrandbekämpfung zum Seminarthema machen. Ein Gesichtspunkt der Weiterbildung für Feuerwehrleute: Wie lässt sich mit wenig Wasser ein größtmöglicher Löscherfolg erzielen?