Es war der Nachmittag des 9. September. Ein herrliches Sommerwochenende neigte sich dem Ende zu, als einer Gruppe junger Menschen eine Kamera auffiel, die an einem Werbeturm mit Uhr im Strandbad hing.

Die Konstanzerin Uli Stamm war an jenem Tag mit Freunden beim Baden, auf dem Nachhauseweg bemerkten sie, dass auf der Grünfläche direkt vor der Wiese eine Powerbank lag – ein Akku, der ein Elektrogerät mit Strom versorgt. "Daraufhin sahen wir, dass auf einer Werbefläche eine Kamera hing", erzählt Uli Stamm. "Diese Vorrichtung dreht sich langsam, sodass offenbar Rund-Um-Aufnahmen gemacht wurden." Die Gruppe nahm den Akku, ging zum Bademeister und berichtete über die Entdeckung.

Polizei schließt sexuelle Motive aus

Zwischenzeit ist geklärt, wer die Kamera am 9. September an der Uhr angebracht hat, wie die Polizei auf SÜDKURIER-Nachfrage bestätigt. Sprecher Bernd Schmidt: „Der 37-jährige Mann, der sich selbst bei der Polizei meldete, hatte die sich drehende Uhr dazu genutzt, mit seiner Kamera 360-Grad-Langzeitbilder der beginnenden Herbstlandschaft einzufangen.“

Die Powerbank, die am Boden vor dem Werbetrum lag.
Die Powerbank, die am Boden vor dem Werbetrum lag. | Bild: Uli Stamm

Bei der Sichtung der Bilder auf der Kamera durch die Polizei konnten laut Bernd Schmidt sexuelle Motive oder sonstige voyeuristische Hintergründe zweifelsfrei ausgeschlossen werden. Dazu hätte die Kamera auch an einer anderen Örtlichkeit installiert werden müssen.

Mit Einverständnis des 37-Jährigen, der von der Bädergesellschaft Konstanz ein Hausverbot erhielt, wurden sämtliche Daten auf dem Speichermedium gelöscht.

"Nichts Verwerfliches" - aber trotzdem Hausverbot

Die Konstanzer Bädergesellschaft holte im September die mit einem Klebenband befestigte Kamera vom Werbeturm herunter und sichtete das aufgenommene Material. "Nach unserer ersten Einschätzung ist nichts Verwerfliches darauf zu sehen", erklärte damals Sprecher Christopher Pape.

Grundlage für die Anzeige ist die Haus- und Badeordnung der Konstanzer Bäder. Hier heißt es in Absatz 9k in Paragraf sieben, der die Nutzung der Bäder regelt, was verboten ist: "Fotografieren, Ablichten und Filmen (auch mit Mobiltelefonen u.ä.) fremder Personen ohne deren Einwilligung. Für gewerbliche Zwecke und für die Presse bedarf das Fotografieren und Filmen außerdem der vorherigen schriftlichen Zustimmung der Geschäftsführung. Geräte, mit denen fotografiert/gefilmt werden kann, dürfen in die textilfreien Bereiche nicht mitgenommen werden."

Noch ist nicht klar, wie lange die Kamera hing. Die Bädergesellschaft konnte gestern nicht sagen, ob die Anzeige aufrecht erhalten wird.

Überrascht über die dilettantische Aufhängung

Die Entdecker wie auch die Mitarbeiter der Bädergesellschaft waren überrascht, wie dilettantisch die Kamera aufgehängt wurde. "Das waren keine Profis", sagt Christopher Pape. Auch Uli Stamm äußert sich in diese Richtung. "Das war ziemlich unprofessionell mit dem Klebstreifen."

Artikel erstmals veröffentlicht am 10. September 2018, zuletzt aktualisiert am 15. Oktober 2018