„Allez, allez, allez“ schmettert es aus den Boxen. Ein knappes Dutzend Kinder halten sich in ihrer „Spielbude am Palmenhaus“ an den Händen und tanzen fröhlich im Kreis. Mittendrin: Heike Häusler, die die Spielgruppe seit mehr als zehn Jahren leitet.

Aber wenn alles nach Plan läuft, wird der CD-Player hier schon bald verstummen. Häusler hat für den kommenden Sommer die Kündigung erhalten und ist nun verzweifelt auf der Suche nach einem neuen Raum, im dem sie ihre „Mäusle“, wie sie die Kinder nennt, betreuen und bespaßen kann.

Noch verbringen Heike Häusler und ihre Kollegin Klaudia Vladusic (rechts) fröhliche Stunden im Kreis der Kinder.
Noch verbringen Heike Häusler und ihre Kollegin Klaudia Vladusic (rechts) fröhliche Stunden im Kreis der Kinder. | Bild: Feiertag, Ingo

Der Reihe nach: Für ihre Spielgruppe im Stadtteil Paradies hat Häusler seit 2007 einen Raum im früheren Sozialgebäude der Stadtgärtnerei beim Palmenhaus gemietet. In dem Nebengebäude ist auch das Café Mondial zuhause. Schon lange weiß sie, dass das Haus zum Abriss bereitsteht.

Dieses Nebengebäude des Palmenhauses, in dem die Kinderspielgruppe ihre Räumlichkeiten hat, wird bald abgerissen.
Dieses Nebengebäude des Palmenhauses, in dem die Kinderspielgruppe ihre Räumlichkeiten hat, wird bald abgerissen. | Bild: Feiertag, Ingo

„Das Sozialgebäude muss im Kontext der Europastraße rückgebaut werden“, erklärt Alfred Kaufmann, Leiter des Jugendamtes der Stadt Konstanz, die Häuslers Vermieterin ist. Nach etlichen Ausnahmegenehmigungen und Fristverlängerungen sei nun die „Kündigung aus formalen Gründen“ erfolgt, „um das spätere Bauvorhaben nicht zu gefährden“, wie Kaufmann hinzufügt. „Wir setzen Frau Häusler aber nicht vor die Tür“, verspricht er.

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Darauf will sich Heike Häusler nicht verlassen. Nach heutigem Stand muss sie im Juni 2020 ihre Sachen packen und mit ihren zehn „Mäusle“ im Alter von 18 Monaten bis zum Kindergarteneintritt umziehen. Daher sucht die 53-Jährige schon seit einiger Zeit nach einer neuen beruflichen Heimat – aber ohne Erfolg.

„Ich würde gerne in der Altstadt oder dem Paradies bleiben, da es dort nur noch eine Einrichtung neben mir gibt und viele Kinder betreut werden müssen“, sagt Häusler, „es ist aber richtig schwierig, bezahlbare Räumlichkeiten zu finden, wo Kinder auch reindürfen. Ich habe mir sogar einige Wohnungen angeschaut.“

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Ein paar Male hatte sie schon auf eine neue Bleibe gehofft. Einmal jedoch fürchteten die Vermieter um ihr Parkett. Ein anderes Mal hatten sie Angst, dass kleine Kinder doch zu laut für die Idylle des Hauses seien. Dann wiederum entschied sich ein Eigentümer dazu, einem Café den Vorzug vor der Spielgruppe zu geben.

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„Wenn ich keine Räumlichkeiten finde, haben zehn Kinder bald keinen Betreuungsplatz und ich und meine Kollegin keinen Arbeitsplatz mehr“, sagt die gebürtige Konstanzerin. Die Teilselbständige Heike Häusler ist zwar neben der Arbeit in ihrer Kinderspielbude noch zwei Tage in der Woche als Spielgruppenleiterin bei der AWO angestellt, „doch davon kann ich nicht leben“, sagt sie.

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Dass die Kinder und ihre Betreuerinnen demnächst auf der Straße stehen werden, glaubt Alfred Kaufmann allerdings nicht. Noch weiß auch er nicht, wann das Nebengebäude des Palmenhauses definitiv abgerissen wird, doch Heike Häusler „kann auf jeden Fall drinbleiben, bis der Bagger vor der Tür steht“, verspricht der Leiter des Jugendamtes, „und wenn sie jetzt schon was findet, ziehen wir sofort mit.“ Schließlich sei die Stadt froh um jeden Betreuungsplatz für den Nachwuchs.

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„Wir stehen in Baden-Württemberg nach Heidelberg zwar an zweiter Stelle mit knapp 40 Prozent Betreuungsquote“, sagt Alfred Kaufmann. „In den letzten zwölf Jahren haben wir 50 Millionen in dem Bereich investiert und seit 2008 rund 500 zusätzliche Plätze geschaffen – aber wir können den Bedarf trotzdem nicht decken“, fährt er fort. „Ich weiß, dass Frau Häusler die Unterstützung beider Dezernate, des Bau- und des Sozialdezernats, hat. Wir lassen nicht nach in unseren Bemühungen.“

Er habe bereits nach städtischen Immobilien Ausschau gehalten, beteuert Kaufmann, „doch es war leider nichts Passendes dabei.“ Für Spielgruppen gibt es ganz bestimmte Anforderungen – so muss der Raum mindestens 22 Quadratmeter groß sein – außerdem sei es schwierig, weil Heike Häusler so eingeschränkt sei, was den Ort angeht.

Eine Spielgruppe braucht eine kleine Küche, in der Mahlzeiten zubereitet oder aufgewärmt werden können.
Eine Spielgruppe braucht eine kleine Küche, in der Mahlzeiten zubereitet oder aufgewärmt werden können. | Bild: Feiertag, Ingo

Um den kämpft die 53-Jährige aber besonders hart, weil sie in den vergangenen zwölf Jahren gemerkt hat, dass es kaum einen besseren Flecken in Konstanz für ihre Spielgruppe gibt. „Der Park beim Palmenhaus bietet unwahrscheinlich viel an Naturerfahrung, die viele Kinder so nicht machen können“, sagt sie.

„Es gibt hier eine Kräuterspirale, wo sie die Natur anfassen können. Oft gehen wir ins Palmenhaus. Da lernen die Kleinen etwa, dass ein Kaktus piekt, und wie die Pflanzen aussehen, an denen Bananen wachsen.“ Das Paradies, für kleine Kinder ist es hier wirklich ein Paradies. Noch.