Ela Wojkowska ärgert sich. Sie ist Mieterin in der Jakob-Burckhardt-Straße und grundsätzlich zufrieden mit ihrer Wohnlage und der Wohnung. Als sie im vergangenen Jahr die Nebenkostenabrechnung bekam, musste sie schlucken: Sie hatte Heizkosten von 536 Euro für das Jahr 2018 zu zahlen, ein relativ geringer Betrag, dafür aber Hausmeisterkosten in Höhe von 846 Euro.

Die Bietigheimer Wohnbau verkauft ihre Wohnungen

Ela Wojkowska geht der Sache mit ihrem Ex-Mann Hartmut Schuchna, der sich um die Abrechnungen kümmert, nach. Die Wohnung in der Jakob-Burckhardt-Straße gehört der Bietigheimer Wohnbau, einer Wohnbaugesellschaft. Allerdings besitzt die Bietigheimer Wohnbau nur noch 18 von einst 62 Wohnungen in der Anlage – die übrigen wurden an Privatpersonen verkauft. Inzwischen ist die Anlage also im Besitz einer Eigentümergemeinschaft – die Pflege liegt aber nach wie vor in den Händen einer Hausverwaltung mit Sitz in Friedrichshafen.

Warum sind die Hausmeisterkosten plötzlich so hoch?

Es gibt noch andere Rätsel. Für die Jahre 2017/18 werden für die Wohnanlage 49.000 Euro an Hausmeisterkosten abgerechnet, inklusive Reinigungskosten, die lediglich 9000 Euro betragen. 2015 jedoch betrugen die Hausmeisterkosten noch 9000 Euro, erläutert Hartmut Schuchna, 2016 seien es dann schon 21.000 Euro gewesen.

Für 2500 Euro wird Streusalz beschafft – obwohl es eigentlich verboten ist

Was tut der Hausmeisterservice, der so viel Geld kostet und welche Anschaffungen stecken dahinter? Genau das möchte Ela Wojkowska gern wissen. Im Jahr 2018 hat die Verwaltung für 2500 Euro Streusalz beschafft, das geht aus den Abrechnungen hervor. „Für 2500 Euro müsste man laut Marktpreisen etwa acht Tonnen Streusalz bekommen“, rechnet Hartmut Schuchna vor, „in Konstanz ist die Nutzung von Streusalz aber eigentlich verboten. Wozu dann eine so große Menge an Streusalz?“ Immerhin konnte er jetzt ergründen, wo ein Teil des Streusalzes gelagert wird: Es gibt einen Lagerraum in der Jakob-Burckhardt-Straße 10, dort lagerten 1,5 Tonnen Salz.

Die Treppen sind steil in der Wohnanlage, daher brauche es größere Mengen an Streusalz im Winter.
Die Treppen sind steil in der Wohnanlage, daher brauche es größere Mengen an Streusalz im Winter. | Bild: Wagner, Claudia

Wofür braucht man so viel Rindenmulch?

Ähnlich verhält es sich mit der Anschaffung von Rindenmulch, mit dem eine Gartenanlage gepflegt wurde. Die Kosten betragen 3070 Euro bei einer Menge von 768 Sack. Ela Wojkowska bezweifelt, dass die gesamte Menge in der Anlage verteilt wurde. Auch hier: Wozu so viel Rindenmulch?

Mieterbund ist skeptisch gegenüber der Wohnbaugesellschaft

Winfried Kropp, Pressesprecher des Mieterbunds, kennt das Problem. Die Bietigheimer Wohnbau sei als Akteur bekannt. „Die Gesellschaft hat größere Wohnungsbestände aufgekauft und verfolgt das Ziel, sie zu modernisieren und zu privatisieren“, sagt Kropp. Mieter der Bietigheimer Wohnbau müssten also fürchten, nach einer Sanierung die Kündigung zu erhalten. Ein häufiges Modell sei, dass die neuen Besitzer der Wohnungen Eigenbedarf anmeldeten.

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Hohe Betriebskosten sind ein häufiges Modell der verdeckten Mieterhöhung

Hohe Rechnungen bei den Betriebskosten – auch das kennt der Mieterbund gut. „Es ist der häufigste Grund, warum sich Mieter an uns wenden“, sagt Kropp. Früher gehörte die Wohnanlage in der Jakob-Burckhardt-Straße der Landesbank Baden-Württemberg, damals habe ein fest angestellter Hausmeister die Arbeiten übernommen. „Die Hausmeister wurden abgeschafft, die Verträge mit Konstanzer Handwerkern gekündigt“, sagt Kropp. Der Hausmeisterdienst wurde nach außen vergeben – dadurch werde er aber nicht günstiger.

Warum der Hausmeisterservice teurer wird

Die Bietigheimer Wohnbau sieht die Kosten als gerechtfertigt an. Benjamin Walter, Betriebsleiter Mieterverwaltung bei der Bietigheimer Wohnbau, bestätigt, dass der Hausmeister der Wohnanlage vor 2015 fest angestellt war. „Die Eigentümergemeinschaft hat die Beauftragung eines Hausmeisterservices beschlossen. Das könnte ein Grund für die Kostensteigerung sein.“ Möglicherweise seien auch andere Tätigkeiten im Angebotspaket des Hausmeisterdiensts enthalten als dies zuvor der Fall war.

Streusalz braucht es wegen der Hanglage

Für die Anschaffung des Streusalzes wiederum gebe es gute Gründe, so Walter. Die öffentlichen Wege um die Wohnanlage herum seien breit, zudem handele es sich um eine Hanglage, die einen größeren Bedarf an Streumaterial begründe. Es sei richtig, dass die Stadt Konstanz das Streuen mit Salz grundsätzlich verbiete – in steilen Lagen und bei Eisregen sei es aber erlaubt. Dies begründe den erhöhten Bedarf an Streusalz.

Rindenmulch erleichtert die Gartenpflege – sagt die Wohnbaugesellschaft

Ähnlich klingen die Argumente für den Kauf von Rindenmulch. Die Wohnanlage habe große Gartenanlagen. „Die Streuung von Rindenmulch trägt dazu bei, größeren Pflegeaufwand zu vermeiden“, erläutert Walter. Allerdings räumt Walter auch ein, dass die Wohnanlage nicht repräsentativ sei. „Hier sind viele Dinge im Hausmeistervertrag enthalten, die üblicherweise nicht zum Leistungsumfang gehören.“

Zur Pflege der Gartenanlage wird auch Rindenmulch verwendet. Aber braucht man es in großen Mengen?
Zur Pflege der Gartenanlage wird auch Rindenmulch verwendet. Aber braucht man es in großen Mengen? | Bild: Wagner, Claudia

Wozu der Mieterbund rät

Was können Mieter tun, um sich gegen überzogene Kosten zu wehren? Der Mieterbund rät, sich an ihn zu wenden. Grundsätzlich habe jeder Mieter das Recht zur Einsichtnahme in die Belege. Ganz einfach sei es allerdings nicht, zu entscheiden, was rechtmäßig sei und was nicht. „Es kommt beispielsweise vor, dass Kosten doppelt abgerechnet werden, zum Beispiel zum einen für den Hausmeisterservice, zum anderen für einen Gärtner.“ Wenn Kosten stark angestiegen seien, könne es auch sein, dass der Haumeisterservice nicht wirtschaftlich arbeite, so Kropp.

Die Tätigkeit des Hausmeisterdienstes sollte man überprüfen

Der Mieter habe auch ein Recht, Tätigkeitsnachweise des Hausmeisterdienstes einzufordern, sagt Kropp. Benjamin Walter bestätigt: Mieter könnten die Tätigkeitsnachweise bei der Verwaltung in Friedrichshafen einsehen, wenn sie es zuvor anmeldeten. Der Mieterbund überprüft, ob die Aussage des Hausmeisterservices plausibel ist. Im Zweifelsfall allerdings eine knifflige Sache. Die Einzelposten seien in ihrem Streitwert sehr gering, erläutert Kropp. Ob sich der Gerichtsweg wirklich lohne, müsse man im Einzelfall entscheiden.