Das ist der Klassiker: Morgens in Eile aus dem Haus, und dann bedrängt einen auf halben Weg zum Arbeitsplatz die Sorge, ob der Herd ausgeschaltet ist. Mit dem intelligenten Haus der Zukunft, im Englischen Smarthome genannt, passiert das nicht. Denn mit dem internetfähigen Handy (Smartphone) hat der Bewohner eine Art Fernsteuerung in der Hand, mit dem er von jedem Ort der Welt die Hausgeräte überprüfen und bedienen kann. Ein Blick aufs Smartphone und er weiß, wie es um den Herd steht, und kann ihn bei Bedarf mit einem Tastendruck ausschalten.

„Smarthome erleichtert das Leben“, sagt Peter Franz, Fachberater bei Ernst Straub, dem bundesweit ersten Fachgroßhandel für vernetzte Gebäude für Privatleute und Kleinbetriebe mit einer Zertifizierung durch den Verein SmartHome Initiative Deutschland. Jürgen Neuschwander, Informatikprofessor an der Konstanzer Hochschule für Wirtschaft, Technik und Gestaltung (HTWG), sieht ebenso viele Chancen für die intelligente Haustechnik, allerdings auch Risiken. So steige etwa die Abhängigkeit von Strom.

„Wir wollen die Leute begreifen lassen, was Smarthome ist“, sagt Alexander Schaper, Bundesgeschäftsführer des Vereins SmartHome Initiative Deutschland, über die Bemühungen, Orte zu schaffen, an denen ihnen die neue Technik präsentiert wird, so wie in der Ausstellung des Betriebs Ernst Straub im Industriegebiet. Dort demonstriert Peter Franz wie sich das Haus automatisieren lässt, beispielsweise mit Einstellungen, die beim Öffnen des Fensters, automatisch die Heizung auf Null fahren lassen. Die Heizungssteuerung und der Fenstergriff kommunizieren dann miteinander.

Im Haus der Zukunft schlägt der Rauchmelder nicht nur im Raum Alarm, sondern informiert den Bewohner auch per Handynachricht. „Jeder, der die App hat, sieht die Mitteilung.“ Das können die Hausbewohner sein, aber auch beispielsweise deren Kinder oder Nachbarn. Auch über ein offenes Fenster oder eine offen stehende Tür kann die App informieren. Beim intelligenten Türschloss wäre es beispielsweise der Tochter möglich, dem Notarzt den Zugang zur Wohnung ihres Vaters zu ermöglichen, auch wenn sie selbst gar nicht vor Ort ist.

Bis in zehn Jahren erwartet Franz, dass fast jede Immobilie zum Smarthome geworden ist. Er spricht von Datensicherheit im Banken-Standard. Auch Jürgen Neuschwander, Informatik-Professor an der HTWG, sieht die Technik im Aufwind: „Ich finde die Technologie des intelligenten Hauses sehr interessant und innovativ. Ich bin überzeugt, dieser Markt wird sich auch entsprechend entwickeln und zunehmen.“ Das intelligente Haus biete Bequemlichkeit: „Wenn das Smartphone schon von unterwegs der Heizung sagt, dass meine Wohlfühl-Temperatur in Wohn- und Arbeitszimmer jetzt eingestellt werden muss, wenn die Musikanlage bei Eintritt in die Wohnung meine Lieblingsmusik anspielt und sich die Küchenschränke in der Bedienhöhe der Größe des Kochenden anpassen können, dann ist das einfach angenehm.“

Allerdings sieht er auch Fallstricke. „Ohne Strom geht nichts mehr. Man sollte als Nutzer eines intelligenten Hauses hier einen Kompromiss zwischen Nutzen und Risiko finden. So habe ich bei mir zuhause im Wohnzimmer zwei Rollläden für den Zugang zur Terrasse. Der große ist elektronisch betrieben, der kleinere wird von Hand betrieben, so dass ich im Falle eines Stromausfalls immer noch die Terrasse betreten kann.“ Auch bei der Datensicherheit sieht er Gefahren: Die von Sensoren gesammelten Daten würden meist in einer Datenwolke gespeichert, damit biete sich ein Feld für die nichtautorisierte Verwertung. Technisch gelte es zu beachten, dass es unterschiedliche Systeme gibt, die sich mitunter nicht miteinander verknüpfen lassen. Und schließlich müsse man sich die neue Technik auch leisten können: Bei Ernst Straub liegen die Kosten für ein Starter-Set mit einer Zentrale, und ersten Steuerungsfunktionen, die sich beliebig erweitern lassen, bei rund 1000 Euro. „Man kann mit dem System wachsen, über viele Jahre hinweg, sagen die Experten dort. Der Informatiker Jürgen Neuschwander geht davon aus, dass sich trotz möglicher Risiken einige Technologien des intelligenten Hauses etablieren.


Das Zertifikat:

Der Verein SmartHome Initiative Deutschland bietet für Unternehmen Zertifizierungen zum Fachbetrieb für vernetzte Gebäude an. Es soll eine Art Siegel für die fundierte technische Kompetenz und kunden- sowie lösungsorientierte Beratung sein. Bewerber müssen die Kompetenzen nachweisen oder sich schulen lassen. Die SamrtHome Initiative will einen starken international wettbewerbsfähigen SmartHome-Markt fördern und das branchenübergreifende Denken fördern. (rin)