Gordon Hügel wollte seinen Augen nicht trauen: "Ein Oberbürgermeister auf dem Müllwagen?" Der Ur-Konstanzer, der beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge arbeitet, musste zweimal hinschauen. "Statt feiner Anzug schmutzige Arbeitskleidung? Der Müllwagen bog in die Sigismundstraße ein. Ich ließ ihn vorbei und schaue verwundert unserem Oberbürgermeister direkt ins Gesicht. Er erkannte Verwunderung und grinste", schildert Hügel seine Eindrücke gegenüber dem SÜDKURIER. Das war am Mittwochmorgen um kurz nach sieben Uhr.

Der Oberbürgermeister war erst gegen 11.30 Uhr zu erreichen. "Wir haben eben 5,1 Tonnen beim Wertstoffhof Dorfweiher abgeliefert", sagte er, noch ganz außer Atem. "Jetzt fahre ich erst einmal heim, ziehe mich um und gehe ins Rathaus."

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Bei Gelben Säcken kann man am wenigsten falsch machen

Seit 6.30 Uhr sei er als Müllmann unterwegs gewesen. Und warum das ganze? "Ich möchte gerne intensiver wissen, was meine Leute so leisten den ganzen Tag", erklärt er. "Die Idee, bei der Müllabfuhr mitzufahren, hatte ich vor vielen Monaten. Dann wurde mir empfohlen, bei der Sammlung der Gelben Säcke mitzuhelfen, da könne ich am wenigsten falsch machen", fügt er hinzu. Gesagt, getan. Am Mittwoch also half er mit und lernte vor allem eines: "Diese Menschen leisten großartige Arbeit. Ich hatte aber nicht gedacht, dass mich um die Uhrzeit jemand erkennen würde." Im Video ist Burchardt hinter dem rollenden Gitter zu sehen.

Video: Gordon Hügel

Wahlkampf, Propaganda oder Schmusekurs? Uli Burchardt unterrichtete die Presse über sein Ansinnen nicht. "Das wollte ich nicht", sagt er auf Anfrage. Rathauspressesprecher Walter Rügert wusste ebenfalls nichts, als der SÜDKURIER ihn um 8 Uhr um eine erste Stellungnahme bat. "Das muss ich selbst erst recherchieren." Gordon Hügel, weder verwandt noch verschwägert mit dem OB, sah ihn und erzählte: "Schön wenn das Oberhaupt der Stadt sich selbst um den Müll kümmert."