Mit Semesterstart beginnt für Tausende Studienanfänger in Konstanz ein neuer Lebensabschnitt und mit diesem ist meist auch ein Umzug in die Wahlheimat verbunden. Forstet sich so mancher Erstsemester der Universität Konstanz und der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG), dann jedoch stundenlang durch die Zeitungsanzeigen und Immobilienportale, wird der anfängliche Enthusiasmus gedämpft und man findet sich in einem Kampf um eine preiswerte Bleibe wieder.

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Letzte Chance: Stundenlanges Pendeln oder Couchsurfing?

Nicht selten wird der zunehmend verzweifelte Optimismus angesichts der riesigen Anzahl anderer Bewerber, unwürdigen Mietbedingungen oder der nächsten frustrierenden WG-Absage erstickt und das Couchsurfing bleibt neben mehrstündigem Pendeln – für Studierende aus dem Norden Deutschland oder gar aus dem Ausland eine Sache der Unmöglichkeit – die letzte Chance auf ein Dach über dem Kopf.

Diese Initiativen helfen für die ersten Wochen in Konstanz

Die Initiative „Haste mal‘n Sofa“ des Referats für Nachhaltigkeit, Gleichstellung und Soziales der Studierendenvertretung der Universität Konstanz möchte die mit nahendem Semesterstart immer drängendere Furcht vor einer zeitweisen Obdachlosigkeit der Erst- und Auslandssemester lindern und ihnen für die ersten ein- bis zwei Wochen zu einem kostenfreien Zimmer oder wenigstens einem Sofa verhelfen, bis sie eine feste Bleibe gefunden haben.

Schwarzes Brett an der Uni in Konstanz 2017.
Schwarzes Brett an der Uni in Konstanz 2017. | Bild: Oliver Hanser

„Es soll eine überbrückende Lösung sein und die soziale Komponente ist da gar nicht zu unterschätzen“, betont Organisator und Nanoscience-Student Samuel Monter. Denn so könne man über einen Mitbewohner direkt Anschluss finden und die Stadt und die Hochschule aus der Perspektive eines Gleichgesinnten kennenlernen – besser als bei einem Aufenthalt in einer Ferienwohnung oder einer Jugendherberge.

Bewerbung über die Homepage der Uni

Jeder suchende Studierende – ob Studienanfänger, -wechsler oder Auslandstudent – kann sich auf der Internetseite der Studierendenvertretung der Uni um ein Sofa bewerben, unter Angabe verschiedener Parameter wie Zeitraum, Raucher- oder Nichtraucherhaushalt, Vereinbarkeit von Haustieren sowie Geschlecht.

Die Studierendenvertretung teilt die Bewerber vorrangig nach Zeitraum zu. „Wir denken, dass die Leute erst einmal froh sind, dass sie was haben. Und falls es menschlich gar nicht passt, finden wir eine Lösung. Von unserer Seite wünschen wir uns aber, dass es erst einmal klappt“, so Monter.

„Helfe, weil ich das mit eigener Haut erlebt habe“

Knapp fünf Wochen vor Beginn der Lehrveranstaltungen an der Universität bieten bereits mehr als 20 Konstanzer auf fünf Bewerber einen Platz zum Übernachten an. Organisator und Nanoscience-Student Samuel Monter freut sich über diesen Zuspruch und die Hilfsbereitschaft: „Ich bin froh, dass ich jetzt schon einen guten Puffer an Hosts [Gastgebern] habe. Die Nachfrage ist auf jeden Fall da und bis zum Semesterbeginn werden noch einige Bewerber hinzukommen.“

Einer dieser Haste mal‘n Sofa-Gastgeber ist Jumis, der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchte, die missliche Lage der studentische Neuankömmlinge aber aus eigener Erfahrung gut nachvollziehen kann: „Ich hatte riesige Probleme, ein bezahlbares Zimmer zu finden“, schildert er. „Ich helfe, weil ich das sehr gut verstehe und mit eigener Haut erlebt habe.“

Studierendenwerk Seezeit bietet Nachrückverfahren an

Grund zur Hoffnung bietet auch das Nachrückverfahren des studentischen Wohnraumanbieters Seezeit, denn im Laufe des Oktobers haben bereits abgelehnte Bewerber noch einmal die Chance auf eines von 30 bis 50 neu zu vergebende Zimmer und Appartements des Studierendenwerks.

Bei der Vergabe entscheidet der Zufall – oder das Glück

„Die Zahl der tatsächlich interessierten Bewerber nimmt ab Ende August bis zum Semesterstart erfahrungsgemäß deutlich ab“, erklärt Corinna Voigt aus der Marketing- und Kommunikationsabteilung der Seezeit. Jedes Jahr ziehen knapp 4000 Studierende oder Studienanfänger in oder aus einem der insgesamt 2355 Bettplätze der 13 Konstanzer Wohnanlagen aus. Wie auch bei der Initiative Haste mal‘n Sofa werden diese frei werdenden Unterkünfte nach dem Zufallsprinzip vergeben. Des Weiteren unterstützt die Seezeit die Suche auf dem freien Immobilienmarkt mit einer Wohnraumbörse sowie mit der Aktion Wohnen für Hilfe.

Rettung aus der Schweiz? Die Jugendherberge Kreuzlingen

Auch unsere Schweizer Nachbarn wissen um die geballte Wohnungsnot zu Semesterstart und engagieren sich daher zunehmend für die studentischen Neuankömmlinge. So bietet die Jugendherberge Kreuzlingen Studierenden mit Jugendherbergsausweis (7 Euro pro Jahr bis zum 26. Lebensjahr) die vergünstigte Übernachtung mit Frühstück und Bettwäsche in einem Mehrbettzimmer an.

„Ab Oktober bis Ende November können wir genügend Kapazitäten anbieten. Es gibt aber auch in dieser Zeit ein paar Tage, an denen wir bereits ausgebucht sind“, erklärt die Betriebsassistentin der Jugendherberge Kreuzlingen, Nastasia Jurscha.

Das sind die wichtigsten Anlaufstellen

Suchen Sie eine Unterkunft oder können Sie einen vorübergehenden Platz zum Übernachten anbieten, können Sie sich mit dem Online-Formular unter www.uni.kn/asta/sofa beim Referat für Nachhaltigkeit, Gleichstellung und Soziales der Studierendenvertretung der Universität Konstanz melden.

Jugendherbergsmitglieder zahlen pro Übernachtung in einem Mehrbettzimmer der Jugendherberge Kreuzlingen inklusive Frühstück, Bettwäsche und Taxe 25.50 Schweizerfranken. Für Nicht-Mitglieder fallen zusätzlich 7 Schweizer Franken Tagesmitgliedschaft an.