Mehr als 1200 Bürger haben schon unterschrieben. Der Verein „83 -Konstanz integriert“ und das Café Mondial mobilisieren die Öffentlichkeit für den Nigerianer Ejike Harrison Chukwu. Sie plädieren dafür, dem 39-Jährigen eine Duldung auszustellen, damit er seinen Ausbildungsplatz in der Gastronomie antreten kann. Die Ermessensentscheidung liegt beim Regierungspräsidium Karlsruhe.

Harrison ist Konstanzer – und das seit fast neun Jahren

„Harrison ist Konstanzer„ ist die Petition überschrieben, die unter anderem auch die Linke Liste unterstützt, ebenso der Geschäftsführer des Runden Tischs zur Begleitung für Flüchtlinge, Hermann-Eugen Heckel. Viele Konstanzer kennen Ejike Harrison Chukwu, der sich seit fast drei Jahren ehrenamtlich im Café Mondial engagiert, und der seit fast neun Jahren in Konstanz lebt.

„Er ist das Herz des Cafés. Er gibt ihm durch seine Persönlichkeit ein Gesicht“, sagt Daniela Winkler vom Verein „83 – Konstanz integriert“ über Harrison. So nennen ihn die meisten, die ihn etwas näher kennen, und unter diesem Namen stellt er sich auch vor.

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„Langeweile macht meinen Kopf kaputt“

Er kümmere sich um alles, was anfalle, vom Möbelrücken übers Servieren, Putzen, Spielen mit den Kindern im Garten und dem Einlernen neuer Mitarbeiter, sagen Daniela Winkler und Lorenz Neuberger vom Café Mondial. Letzterer betont weiter: „Harrison ist sehr umsichtig. Er ist die gute Seele hier.“ Auf die Frage, warum er sich so fürs Café einbringe, sagt Ejike Harrison Chukwu: „Langweile macht meinen Kopf kaputt.“ Er sei lieber beschäftigt.

Als Asylbewerber dürfe Harrison nur unter bestimmten Bedingungen arbeiten, sagen die Unterstützer. Zeitweise habe das ein fehlender Pass verhindert. Viele Bemühungen, einen zu beschaffen, seien an der nigerianischen Botschaft gescheitert.

Eine Zusage für einen Ausbildungsplatz gibt es bereits

Inzwischen hat Harrison das Dokument und auch die Zusage, eine Ausbildung in der Gastronomie zu beginnen. Dies bestätigt Rechtsanwalt Rudy Haenel. Eine Duldung für diese Ausbildung wäre höchstwahrscheinlich die letzte Chance für Harrison, in Deutschland bleiben zu können. Denn sein Antrag auf Asyl wurde abgelehnt.

Über seine Flucht spricht der Betroffene selbst nicht. Seine Unterstützer fassen dessen Geschichte wie folgt zusammen: In Teilen Nigerias komme es neben ethnischen und regionalen Konflikten immer wieder zu Spannungen und gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen islamischen und christlichen Teilen der Bevölkerung.

Menschen aus Nigeria haben nur geringe Chancen auf Asyl

Chukwu, ein Angehöriger der christlichen Minderheit, habe erlebt, wie es zu Überfällen, Massenentführungen und Massakern kam, und sei Zeuge der Ermordung seines jüngeren Bruders sowie seines Arbeitgebers geworden.

Dass es solche Konflikte gibt, berichten auch Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International. Dennoch haben Nigerianer nur eine minimale Chance auf Asyl. Deutsche Behörden gehen oftmals davon aus, diese könnten auch innerhalb ihres Landes Schutz finden. Tatsächlich ist die Zahl der Binnenflüchtlinge in Nigeria hoch. Die Hilfsorganisation Amnesty International sprach für das Jahr 2017 von mehr als zwei Millionen Menschen.

Die Linke Liste Konstanz betrachtet es laut einer Mitteilung als beschämend, dass um eine Ausbildungsduldung gekämpft werden muss, um die Abschiebung in ein vom Bürgerkrieg gebeuteltes Land zu verhindern.

Petition würdigt Ejike Harrison Chukwus Integrationsbemühungen

Hermann-Eugen Heckel, Geschäftsführer des Runden Tischs zur Begleitung von Flüchtlingen, sagt, er werde sich in der Sache auch noch ans Land Baden-Württemberg wenden. Harrison sei jetzt in Sicherheit, und könne einen Beruf lernen, diese Chance sollte man ihm nicht verbauen. Grundsätzlich gebiete es die Menschlichkeit, bei Gefahr für Leib und Leben Schutz zu bieten.

Die Initiatoren der Unterstützer-Petition wollen Ejike Harrison Chukwu den Rücken stärken. Sie hoffen auf eine Duldung für die Ausbildung in einer Branche, in der Nachwuchskräfte fehlen. Chukwu bringe gute Sprachkenntnisse mit. Die Grundlagenkurse habe er ebenso erfolgreich absolviert wie den Integrationskurs. Er sei dabei, weiter an seinem Deutsch zu feilen.

Lorenz Neuberger vom Café Mondial würde es für absurd halten, wenn all die Integrationsleistungen von Harrison unberücksichtigt blieben, und dieser zur Rückkehr gezwungen würde. „Es geht jetzt darum, den Aufenthalt zu verfestigen.“

Mit seinen Erfahrungen aus dem Café Mondial, seiner umgänglichen Art und den schon erworbenen Sprachkenntnissen habe Ejike Harrison Chukwu beste Voraussetzungen, seinen Ausbildungsplatz gut auszufüllen.

Unterstützer können die Petition zugunsten einer Duldung von Ejike Harrison Chukwu unterzeichnen unter: www.openpetition.de/petition/online/harrisonistkonstanzer-ausbildungsduldung-fuer-harrison

Nachtrag: Das zuständige Regierungspräsidium nimmt Stellung

Das Regierungspräsidium in Karlsruhe hat nun den Eingang des Antrags bestätigt. Dieser könne jedoch noch nicht bearbeitet werden, da wesentliche Unterlagen fehlten, erklärt die Sprecherin der Behörde, Irene Feilhauer. 

So liege zwar eine Bestätigung des Arbeitgebers vor, den Mann ab August ausbilden zu wollen, nicht aber die notwendige Kopie des Ausbildungsvertrags und die Registrierung der Ausbildung bei der Kammer. Auch seinen Pass habe Ejike Harrison Chukwu noch nicht vorgelegt.

Der Nachweis der Identität sei eine der Voraussetzungen für eine Duldung zu Zwecken der Ausbildung. Nach Angaben der Unterstützer soll Chukwu über einen gültigen Pass verfügen. 

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