Ein Kneifen vor der rechtspopulistischen Partei AfD oder eine Entscheidung mit Rückgrat? Der SÜDKURIER hatte seine Leser aufgefordert, ihre Meinung zum Umgang mit den AfD-Kandidaten zu schreiben. Auch Hanna Binder hat geantwortet, langjährige SPD-Stadträtin und Ehefrau von Landesminister Peter Friedrich. Wir dokumentieren ihren Beitrag:

„Obwohl klar war, dass er dafür massiv angegriffen werden wird, ist Peter bei seiner Entscheidung geblieben. Er steht für allgemeinpolitische Podien, zu welchen die AfD als vermeintlich demokratische Mitbewerberin um den Einzug in den Landtag eingeladen wird, nicht zur Verfügung. Unter diesen Umständen an der Entscheidung festzuhalten, finde ich richtig (und) mutig.

Richtig ist sie, weil Peter klar und deutlich benennt, was die AfD ist: eine rechtsradikale Partei. Ihr dürfen keine Podien geboten werden, die sie dazu benutzen können, ihre Unwahrheiten und Halbwahrheiten zu verbreiten. Denn diese zu entlarven kann bei einer Podiumsdiskussion, auf der möglichst viele Kandidierende Position zu möglichst vielen Themen Stellung beziehen sollen, kein noch so guter Moderator erreichen. Denn eine auf diese Weise geplante Veranstaltung bietet unweigerlich zu wenig Raum dafür, den schwarz-weißen Bildern der AfD graue Schattierungen oder gar Farbe hinzuzufügen oder gar herauszuarbeiten, welche Teile der von der AfD verwendeten Redebausteine einen wahren Kern enthalten und welche nicht. Diese Diskussion hat auf einem allgemeinen Podium nicht genug Raum. Deshalb geht Peter der Auseinandersetzung nicht aus dem Weg, indem er an solchen Podien nicht teilnimmt. Führen wird er die Diskussion trotzdem. (…) Er bietet sie in jeder Form an: von Tür zu Tür bei Hausbesuchen, bei Veranstaltungen, bei der Beantwortung von Post und vieles mehr.

Mutig ist Peters Nein, weil er damit eine heftige Debatte ausgelöst hat, in der er auch ganz persönlich angegriffen und diffamiert wird. Die Intensität der Debatte wäre aber nie zustande gekommen, wenn es dieses Nein nicht gegeben hätte. Denn dann hätten mache Podien so stattgefunden und andere so. Für ihn persönlich wäre es der viel einfachere Weg gewesen, die Zusammenstellung der Podien allein den Veranstaltern zu überlassen und unkommentiert hinzugehen und das Beste daraus zu machen. (…) Und gleichzeitig zieht er den Zorn des Südkurier, der einzigen Tageszeitung in seinem Wahlkreis, auf sich. Ich frage mich, warum die Entscheidung von Peter, Podien mit AfD nicht zu besuchen, für den Südkurier so wichtig ist? Legt er selbst so großen Wert darauf, die AfD auf dem eigenen Podium zu begrüßen? Merkt er gar nicht, wie er die AfD normalisiert und als Vertreterin ‚besorgter Bürger' legitimiert?

Das ist falsch. Denn: ‚besorgte Bürger' sind für mich nicht die potentiellen Wähler der AfD, die ihre fremdenfeindlichen Anwandlungen mit dem Deckmäntelchen der ‚Besorgnis' tarnen. Wirklich besorgt sind nach meiner Meinung all diejenigen, die Angst haben um den Zusammenhalt unserer Gesellschaft, unserer Demokratie und unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung. Sie müssen wir vor der unnötigen Verbreitung von Hass und Missgunst beschützen. Dazu müssen wir uns ganz entschieden von der AfD abgrenzen.“