Alle zwei Jahre stand der 54-jährige ehemalige Techniker vor dem selben Problem. Die Augen waren wegen einer Diabetes schon wieder so schlecht geworden, dass er dringend eine neue Brille benötigte. Kosten: etwa 350 Euro. Für den Mann, der nach langer Berufstätigkeit arbeitslos geworden war, und Arbeitslosengeld II bezog, eine dramatisch hohe Ausgabe. Er musste sich das Geld beim Jobcenter leihen und sich die Raten-Zahlung vom Mund absparen. Kaum war die eine Brille abbezahlt, drohten schon wieder die Kosten für die neue. Der frühere Techniker gehört zu den 48 Personen, denen der Ortsverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO) dieses Jahr durch einen Zuschuss geholfen hat, sich eine neue Sehhilfe zu kaufen. Die AWO stellt sein Schicksal als ein Beispiel für die Menschen vor, die diese Unterstützung dringend benötigen.

Ärmere Menschen haben zunehmend Schwierigkeiten, wenn eine Sehhilfe ersetzt werden muss. Die Kosten für Gläser zum Ausgleich starker Sehbehinderungen können mit mehreren hundert Euro zu Buche schlagen – für Menschen mit kleinen Renten, Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe eine finanzielle Belastung, die vielfach überfordert. Die gesetzliche Krankenkasse trägt die Kosten nicht mehr und private Zusatzversicherungen für die neue Brille können sich nicht alle leisten. Der Ortsverein der AWO in Konstanz hat dies erkannt und die Brillenhilfe eingerichtet. Allein im laufenden Jahr haben 48 Personen einen Zuschuss von bis zu 80 Prozent der Kosten für die neue Brille bekommen, sagt Vorsitzender Jens Bodamer. Der Topf mit rund 4300 Euro sei schon ausgeschöpft. Die Brillenhilfe finanziert sich aus Bürgerspenden und Spenden, die die Ehrenamtlichen in der Sütterlinschreibstube für ihre Übersetzungsdienste bekommen.

Bodamer bedauert sehr, dass die gesetzlichen Krankenkassen für Sehhilfen nicht mehr aufkommen: "Es wäre Aufgabe der Gesellschaft, dass einer Zeitung lesen und teilhaben kann." Er verweist auf das Recht auf Teilhabe. Von den Sehbehinderten, die sich an die AWO wegen der Brillenhilfe wandten, seien viele in großer Sorge gewesen, keinen Zuschuss zu bekommen. Dabei wählten sie vielfach die günstigsten Varianten für ihre Sehhilfe. "Wir hatten auch schon Zuschüsse von 17 Euro." Die Erleichterung, auch über manchmal nur kleine Unterstützungen, sei groß. Es sei zu spüren, wie knapp bei den Betroffenen die Gelder sind. Einen Zuschuss bekommen Inhaber des Konstanzer Sozialpasses, der Kundenkarte der Konstanzer Tafel, Bezieher von ALG II, Grundsicherung, Sozialhilfe, Asyl-Leistungen, von Wohngeld oder des Kinderzuschlags.


So spenden Sie

Der SÜDKURIER stellt im Advent Konstanzer Organisationen vor, die für ihr mildtätiges Wirken für Menschen in Konstanz, Allensbach und Reichenau Gelder benötigen. Wer die Brillenhilfe der Arbeiterwohlfahrt in Konstanz unterstützen will, kann spenden:

AWO Brillenhilfe

IBAN: DE51 6905 0001 0000 0288 94

Stichwort: Südkurier