Konstanz Großes Pflegeheim verärgert Allmannsdorfer

Engagierte Bürger hatten sich etwas ganz anderes gewünscht. Der Konstanzer Gemeinderat hat dennoch den Weg frei gemacht für ein Pflegeheim mit 60 Betten im wohlsituierten Stadtteil. Aus guten Gründen, wie die meisten Politiker betonen.

Als Sven Martin nach vielstündiger Debatte den Ratsaal verließ, schwankte seine Stimmung wohl zwischen Wut und Verzweiflung. Auch Alexander Gebauer wirkte wenig froh, als er ging. Martin ist Vorsitzender der Bürgergemeinschaft Allmannsdorf-Staad (BAS), Gebauer sein langjähriger Vorgänger. Beide hatten sie sich jahrelang engagiert, um für ein großes Grundstück in der Jungerhalde eine gute Nutzung herauszubekommen. Sozialer Zweck, Anpassung an die örtlichen Strukturen, auf der Höhe der gesellschaftlichen Debatte, das waren die Vorgaben. Die BAS diskutierte, besichtigte, es gab Workshops und Studienfahrten, und immer stand die Frage im Raum, wie ein zeitgemäßes Angebot zur Seniorenpflege im gut bürgerlichen Stadtteil aussehen könnte.

Das alles, sagt Sven Martin beim Hinausgehen aus dem Ratsaal, war offenbar für die Katz. Zuvor hatte der Gemeinderat abgestimmt und den Weg für das frei gemacht, was die BAS für die Jungerhalde am wenigsten wollte: ein Pflegeheim mit bis zu 60 Betten in der Trägerschaft des Awo-Kreisverbands. Bauherrin soll die städtische Wobak sein, von Pflege-Wohngemeinschaften war eher am Rande die Rede.

Leicht gemacht haben sich die Stadträte die Entscheidung nicht, und es wurde deutlich, dass die BAS bis zuletzt alles versucht hatte, die Debatte in die gewünschte Richtung zu lenken. Doch am Ende überzeugten vor allem Ute Seifried, die Leiterin des Sozial- und Jugendamts, und Stadtrat Ewald Weisschedel (Freie Wähler). Arzt Weisschedel berichtete von alten Ehepaaren, die auseinandergerissen werden, weil ein Partner keinen Pflegeplatz in Konstanz bekommen habe. Seifried sprach von einem ganz erheblichen Bedarf an weiteren Pflegeplätzen in Konstanz – für Menschen im letzten Lebensabschnitt, die auch in einer Wohngemeinschaft nicht mehr versorgt werden könnten.

„Das eine tun und das andere nicht lassen“, sagte Sozialbürgermeister Andreas Osner über stationäre Pflegeplätze und dezentrale Wohngemeinschaften. Ein erhebliches Unbehagen war auch vielen Stadträten wie Peter Müller-Neff (FGL) oder Matthias Heider (CDU), jetzt die BAS vor den Kopf zu stoßen. Jürgen Ruff (SPD) dagegen mahnte: „Wir müssen schnell handeln.“ In den letztlich einstimmigen Beschluss nahm der Gemeinderat noch den Auftrag an die Stadtverwaltung mit auf, „die weitere Entwicklung des bürgerschaftlichen Engagements von der entsprechenden Stelle der Stadt Konstanz begleiten zu lassen“.


Die Vorgeschichte

Das Grundstück in der Jungerhalde hinter Schule und katholischer Kirche Allmannsdorf ist seit Jahren in der Diskussion. Einst wollte die Caritas an der Stelle ein Pflegeheim bauen, was auch schon für Debatten mit der Bürgervereinigung Allmannsdorf-Staad (BAS) gesorgt hatte. Der katholische Träger ließ das Projekt 2008 schließlich fallen und baute das ehemalige Jugendwohnheim Don Bosco zu einer Einrichtung für Demenzkranke um. (rau)

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