Konstanz Großes Kino: Regisseur plant Film über die letzten Monate des Konstanzer Scala

Was passiert, wenn ein Kino stirbt? Mit dieser Frage will sich der Regisseur Douglas Wolfsperger auseinandersetzen – am Beispiel des Konstanzer Scala, das für ihn selbst ein Stück Heimat ist. Nun sucht er Protagonisten und Unterstützer für eine Dokumentation.

Das letzte Jahr einer langen Geschichte: Das will der aus Konstanz stammende Filmemacher Douglas Wolfsperger erzählen und das Ende des Scala-Kinos an der Marktstätte mit einer Dokumentation begleiten. Im Gespräch mit dem SÜDKURIER sagte er, der Konstanzer Vorgang stehe stellvertretend für Entwicklungen, die man überall beobachten könne – die Verdrängung von Kultur durch Kommerz, die Konzentration der Kinobranche auf sterile Multiplex-Theater, den Verlust von Heimat. Und deshalb, ist Wolfsperger überzeugt, „wird das eben kein Film nur über Konstanz, sondern eine Geschichte, die für etwas viel Größeres steht und die ich deshalb auch so erzähle, dass sie überall verstanden wird.“

Die Zeit für das Projekt ist knapp – Wolfsperger muss mehrere hunderttausend Euro Budget organisieren, Kameraleute engagieren und Drehtage terminieren. Vor allem aber braucht er Protagonisten für den Film: Menschen, die mit dem Scala viel verbindet und die diese Geschichte erzählen, ihr Wissen teilen und damit ein Stück Kinokultur für die Nachwelt zumindest in ihren Berichten erhalten wollen.

Douglas Wolfsperger, dem vor 30 Jahren der schräge Film „Lebe kreuz und sterbe quer“ mit vielen Konstanzer Laiendarstellern den Start ins Filmgeschäft ermöglicht hatte, ist sich sicher, auch jetzt wieder genügend Menschen zu finden, die mitmachen wollen. Das Thema Film über Filme ist ihm dabei nicht fremd – vielfach preisgekrönt ist Wolfspergers Dokumentarstück über das kleine Wiener Programmkino Bellaria. Der gleichnamige Film aus dem Jahr 2010 zeichnet die Besonderheit dieses Ortes nach, indem er Stammgäste und Personal zu Wort kommen lässt. So etwas schwebt Wolfsperger zum Scala vor, ergänzt um die wirtschaftliche und politische Diskussion. Oberbürgermeister, Hausbesitzer, Betreiber, sie alle sollen in dem Film vorkommen.

Dass ihn selbst die Schließung des Scala schmerzt, daraus macht Wolfsperger keinen Hehl. „Es gibt zig andere Städte, in denen das gleiche traurige Schauspiel abläuft“, weiß er aus vielen Gesprächen mit Kinoleuten – aber er sagt auch, dass die Idee des Programmkinos mit einem anspruchsvollen und zugleich kommerziell erfolgreichen Angebot lange nicht tot ist. Für das Scala und seinen Film darüber hat er die Hoffnung auf ein Happy End noch nicht aufgegeben: „Egal, ob ein Film über das Ende oder über eine Rettung mit Neuanfang wird: Der Stoff ist gut und wird, wenn der richtig erzählt ist, weit über Konstanz hinaus beachtet werden.“

 

Treffen und Film

Konstanzer, die an Wolfspergers Scala-Dokumentation mitwirken oder das Projekt in einer anderen Form unterstützen wollen, können am Montag, 18. Januar, um 18 Uhr direkt ins Scala kommen. Um 20 Uhr steht dann sein Kinofilm „Bellaria – so lange wir leben“ auf dem Programm (gegen Eintritt). Danach findet dazu ein Filmgespräch statt. Bereits am Samstag, 9. Januar, lädt das Theater Kinofreunde ein, über die Perspektiven für ein Programmkino in der Stadtmitte zu diskutieren. Start ist um 18.30 Uhr im Foyer. (rau)

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