Seinen Hund fehlerfrei durch, über und zwischen einem guten Dutzend Hindernissen zu führen – dies scheint nur auf den ersten Blick leicht zu sein. Eine Zehntelsekunde Unaufmerksamkeit des Hundeführers und schon ist das Team aus Tier und Mensch disqualifiziert. Beim zweiten Agility-Turnier des Schäferhunde-Vereins Konstanz beim Umspannwerk in Wollmatingen gibt es Wertungsklassen, in denen mehr Teilnehmer ausscheiden als am Ende das Ziel erreichen. Hürden und Schlauchtunnels sind die Standardhindernisse, die für verschiedene Wertungsprüfungen aufgebaut werden. Wand, Reifen, Wippe oder Steg verschärfen bei Bedarf die Bedingungen. Rund zweihundert Teams sind an den Start gegangen, einige Hundeführer sogar mit mehreren Hunden.

Der zehnjährige Felix Jäger vom Verein Agility-Dogs Ortenau ist der jüngste Teilnehmer in Konstanz. "Dieses Turnier ist mein erstes. Seit einem Jahr übe ich. Dazu gekommen bin ich über meine Mutter", erzählte er. Gelaufen sei es nicht so gut. Bei allen vier Läufen wurde er disqualifiziert. Trotzdem ist Trainerin Sandra Grimmer zufrieden mit seiner Leistung: "Es gibt kaum jemand, der es beim ersten Turnier reißt. Er hat es super gemacht", lobt sie.
 

Florian Jäger war mit zehn Jahren der jüngste Teilnehmer. Mit Mischlingshündin Shanna bestritt er vier Wertungsläufe.
Florian Jäger war mit zehn Jahren der jüngste Teilnehmer. Mit Mischlingshündin Shanna bestritt er vier Wertungsläufe.

Christiane Glogau vom Agility-Club in Freiburg ist mit 75 Jahren der Gegenpol zu Turnier-Anfänger Felix Schäfer: Die älteste Teilnehmerin. Sie startet mit ihrem spanischen Hütehund Iki in der höchsten Klasse. Sie besuche an die 25 Turniere pro Jahr, sagt sie. "Es sind nicht mehr so viele wie früher, 1993 bin ich mit meinem zweiten Hund eingestiegen", erinnert sie sich. Iki ist bereits ihr vierter Hund bei einem Turnier. Sie sei auch als Übungsleiterin tätig. "Ich besuche Seminare, damit man nicht im eigenen Saft schmort, denn der Sport hat sich in den vergangenen Jahren stark entwickelt", berichtet sie. "Leider oft nicht zum Guten, oft ist der Hund nur ein Sportgerät", sagt Glogau bedauernd.

Diskussion über erhöhte Steuer

Ulrike Hailer ist Mitglied im Konstanzer Schäferhunde-Verein von 1912 und nimmt mit ihrer Dobermannhündin ebenfalls an Turnieren teil. "Ursprünglich war das als Beschäftigung für den Hund gedacht, aber dann hat mich die Leidenschaft gepackt", erzählt sie. Nach Konstanz kämen auch Teilnehmer aus der Schweiz und aus Österreich. "Viele nutzen dies als verlängertes Wochenende oder sogar für einen Wochenurlaub", berichtet sie über die Vorteile der Bodenseeregion. "Agility ist für mich und den Hund sowohl Bewegungstherapie als auch Gedächtnis- und Koordinationstraining", erläutert Ulrike Hailer.

Ehemann Klaus ist ein sogenannter TJ. "Das ist die Abkürzung für Turnier-Joe", sagte er lachend über seine Rolle als Helfer und die lautmalerische Ähnlichkeit zum DJ. Er sei unter anderem als Parkplatzwärter und Umbauhelfer tätig. "Wenn jemand Sorgen hat mit der Stromversorgung, versuche ich das zu klären. Ich bin auch in der Vorbereitung dabei", ergänzt er. "Und ich tröste meine Frau, wenn mal etwas nicht geklappt hat", sagt er.
 

Die 75-jährige Christiane Glogau war die älteste Teilnehmerin. Der spanische Hütehund Iki ist ihr vierter Hund bei einem Turnier.
Die 75-jährige Christiane Glogau war die älteste Teilnehmerin. Der spanische Hütehund Iki ist ihr vierter Hund bei einem Turnier.

Karl-Heinz Preuss war im Jahr 2010 Deutscher Agility-Meister. Seit rund zweieinhalb Jahren sei er Trainer der Konstanzer. "Die haben riesige Fortschritte gemacht", lobt er. Die tolle Umgebung sei ideal zum Laufen mit den Hunden. "Die positive Entwicklung und die Erfolge ziehen andere Leute an. Der Verein engagiert sich für junge Menschen und junge Hunde", berichtet er außerdem. "Tipptopp, einwandfrei, wie wir es uns vorgestellt haben", fasst der Vereinsvorsitzende Patrick Bühler die zwei Turniertage zusammen. Voraussichtlich werde es kommendes Jahr wieder ein Turnier geben.

Die deutlich erhöhte Steuer für sogenannte Kampfhunde sei im Verein wohl diskutiert worden, betreffe dort aber laut Patrick Bühler niemanden. "Dieses Problem über den Preis zu regeln halte ich für schlecht, das ist der falsche Weg", sagte Bühler mit Nachdruck. Der Wesenstest für Hunde sei derzeit nicht ausreichend. Um zu verhindern, dass sich die falschen Leute solche Tiere zulegen, sollten die Besitzer seiner Meinung nach entsprechende Eignungstests machen müssen. Bühler erinnert sich an ein Ehepaar, das einen sogenannten Kampfhund aus dem Tierheim holte. "Das war das liebste Tier, das ich je gesehen habe."

Agility im Hundesport

  • Melanie Cleff ist Vereinsmitglied und Turnierteilnehmerin. "Agility bedeutet so viel wie Beweglichkeit und Geschicklichkeit", erläuterte sie. "Ein Hund muss mindestens 18 Monate alt sein und eine Begleithundeprüfung abgelegt haben. Das heißt, er muss die wichtigsten Kommandos wie Sitz, Platz, Fuß kennen und befolgen", beschrieb sie die Anforderungen.
  • Manche Hindernisse wie die Wand oder die Wippe verfügen über Kontaktzonen, die farblich hervorgehoben sind. "Die muss ein Hund mit mindestens zwei Pfoten berühren. Dies soll verhindern, dass er einfach abspringt. Zur Führung ist die Körpersprache sehr wichtig. Der Hund achtet auf Stellung der Füße und des Oberkörpers sowie auf Handzeichen", erklärte sie. Gerufene Kommandos können beliebig sein, dabei sei es egal ob der Slalom als Slalom oder als Zickzack bezeichnet werde. 
  • Trainiert werde zweimal pro Woche. Der Verein biete auch Neulingen Einstiegsmöglichkeiten an. Informationen im Internet: sv-og-konstanz-stadt.de (nea)