Erstmals legen sie nun zusammen ein Programm auf, welches so umfangreich ist, dass es vielen Teilnehmern geht wie Angelika Rebholz. Die Konstanzerin bedauert, dass schon am Anfang der Tour klar ist, dass sie nur einen Bruchteil der Angebote wird wahrnehmen können.

Hunderte machen sich auf den Weg, um etwas zu erfahren über die gemeinsame Grenz-, Kirchen-, Patrizier- und Industriegeschichte der beiden Städte. Viele kommen zur offiziellen Eröffnung an der Kunstgrenze, die Bernd Konrad am Sopransaxophon musikalisch gestaltet.

Wenn Vertrautes endet und Neues beginnt

Der Konstanzer Bürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn sagt, die Zeit, in der zwischen den Städten Zäune mit Stacheldraht standen, sei nur eine Episode gewesen in einer langen, verbindenden Geschichte. Die Kreuzlinger Vize-Stadtpräsidentin Dorena Raggenbass fordert dazu auf, die Zwischenräume zu entdecken, die entstehen, wenn Vertrautes endet und Neues beginnt.

Konstanz und Kreuzlingen gestalten gemeinsam den Denkmaltag. Das überregionale Motto "Entdecken, was uns verbindet" ist wie gemacht für die beiden Grenzstädte mit langer gemeinsamer Geschichte. Dorena Raggenbass (links), die Vizestadtpräsidentin von Kreuzlingen, eröffnet den Tag zusammen mit dem Konstanzer Bürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn an der Kunstgrenze.
Konstanz und Kreuzlingen gestalten gemeinsam den Denkmaltag. Das überregionale Motto "Entdecken, was uns verbindet" ist wie gemacht für die beiden Grenzstädte mit langer gemeinsamer Geschichte. Dorena Raggenbass (links), die Vizestadtpräsidentin von Kreuzlingen, eröffnet den Tag zusammen mit dem Konstanzer Bürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn an der Kunstgrenze. | Bild: Rindt Claudia

Für die Besucherin Angelika Rebholz liegt das Neue tatsächlich hinter der Grenze. Die regelmäßige Teilnehmerin bei Denkmaltagen sagt, sie kenne kaum eine Sehenswürdigkeit von Kreuzlingen. Auch Anneliese Fearns aus Konstanz ist vor allem auf die Kreuzlinger Denkmäler gespannt. Sie will wie viele andere den ganzen Tag von Station zu Station unterwegs sein. „Die haben das großartig gemacht“, sagt sie zum Programm.

Zu den kulturellen Keimzellen der Region gehört der frühere Bischofssitz in Konstanz. Bischöfe gründeten unter anderem 983 das Benediktinerkloster in Petershausen und 1125 das Augustiner-Chorherrenstift in Kreuzlingen, um die sich die Städte weiter entwickelten.

Stuckdecken geben Historikern Rätsel auf

Die in Petershausen erhaltenen Gebäude des früheren Klosters stammen großteils aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Heute sind dort das Archäologische Landesmuseum und das Stadtarchiv untergebracht. Nur in der Prälatur, also den früheren Räumen des Abts, heute Teil der Musikschule, ist noch ein Stück vom mittelalterlichen Kreuzgang zu sehen, wie der städtische Denkmalschützer Frank Mienhardt bei einer Führung darlegt. Das typische Netzgewölbe ist vermutlich nach einem Brand von 1159 entstanden.

Auch die Klostergeschichte verbindet die Städte Konstanz und Kreuzlingen. Der städtische Denkmalschützer Frank Mienhardt (Mitte) zeigt die alte Holzdecke aus der Renaissance im früheren Abtsitz, welcher heute zur Konstanzer Musikschule gehört.
Auch die Klostergeschichte verbindet die Städte Konstanz und Kreuzlingen. Der städtische Denkmalschützer Frank Mienhardt (Mitte) zeigt die alte Holzdecke aus der Renaissance im früheren Abtsitz, welcher heute zur Konstanzer Musikschule gehört. | Bild: Rindt Claudia

Im Abt-Sitz mischen sich einige Baustile, etwa die bemalte Holzdecke aus der Renaissance oder der Festsaal, der für Historiker noch einige Geheimnisse birgt. Denn die Bilder der Stuckdecke enthalten Rätsel. Die Darstellungen sind noch nicht näher erforscht. Der Kunsthistoriker Bernd Konrad aus Radolfzell erkennt Motive zum Abendmahl. Doch die Zusammenhänge und Details sind noch nicht erforscht.

Im Hintergrund eines der Bilder ist etwa ein Baugerüst zu sehen, von dem ein Arbeiter stürzt. Bei Büsten, die um die Bildszenen an der Decke gesetzt wurden, ist unklar, ob es sich um reinen Schmuck handelt, oder ob die Abbildungen eine Bedeutung haben.

Konstanz zerstörte zwei Mal das Kreuzlinger Kloster

An seiner ursprünglichen Stelle an der Hauptstraße wurde das Kloster in Kreuzlingen zwei Mal zerstört – und zwar von der Stadt Konstanz. Das Kloster war in den Interessenskonflikt zwischen der aufstrebenden Stadt und des Bischofs geraten, legt Historiker Uwe Moor bei einer Führung dar. Einen Neubau direkt vor den Toren der Stadt ließen die Stadtherren von Konstanz nicht zu.

Das Kloster sollte mindestens einen Kanonenschuss weit entfernt sein, ganz in der Nähe vom Sitz des früheren Siechenhauses von Kreuzlingen. 1650 wurde der Grundstein fürs neue Kloster und die barocke Kirche St. Ulrich gelegt. Zum großen Teil wurden die Gebäude 1963 bei einem Großbrand zerstört und wieder aufgebaut.

Das frühere Chorherrenstift der Augustiner in Kreuzlingen geht auf eine Gründung des Konstanzer Bischofs zurück. Im Neubau von 1650 hat heute die pädagogische Maturitätsschule ihren Sitz. Der Historiker Uwe Moor (Mitte) gestaltet die Führung.
Das frühere Chorherrenstift der Augustiner in Kreuzlingen geht auf eine Gründung des Konstanzer Bischofs zurück. Im Neubau von 1650 hat heute die pädagogische Maturitätsschule ihren Sitz. Der Historiker Uwe Moor (Mitte) gestaltet die Führung. | Bild: Rindt Claudia

Heute hat die pädagogische Maturitätsschule mit den 550 Schülern in den Gemäuern sowie Zusatzbauten ihren Sitz. Im Rektorzimmer steht ein riesiger, historischer Holzsekretär, der bei der Auflösung des Klosters 1848 erst verschwunden war und dann wieder auftauchte. Die Hintergründe seien nicht so ganz klar, hieß es bei der Führung. Der mit Intarsien reich verzierte Sek retär hat ein Geheimfach und Bretter mit Plänen für Spiele wie Mühle, Schach und Backgammon.

Die großen und kleinen Grenzgeschichten bringt der Historiker Arnulf Moser bei einer Radtour nahe. Er sagt vor Besuchern des Denkmaltags, bis heute gebe es für den Obersee keinen Grenzvertrag und somit breiten Raum für Interpretationen.

Grenzgeschichten mit dem Historiker Arnulf Moser (Mitte).
Grenzgeschichten mit dem Historiker Arnulf Moser (Mitte). | Bild: Rindt Claudia

Während die Deutschen von einem Kondominium ausgehen, also dass die hoheitlichen Aufgaben von den Anrainern gemeinsam wahrgenommen werden, gehen die Schweizer von einer Realteilung aus, also einer durch die Seemitte verlaufenden Grenze. Unter Blaulicht-Organisationen zu Wasser funktioniere die Zusammenarbeit aber trotz der unterschiedlichen Auffassungen.