Der Ausbau an der Steinstraße ist erst der Anfang. In Rekordzeit haben Handwerker gegenüber dem Seerhein-Center mit viel Geschick und massivem Kraneinsatz ein weiteres Stockwerk auf die Hauptfeuerwache gesetzt, die leichte Holzkonstruktion soll endlich die Raumnot auflösen. Innen sieht es noch sehr nach Baustelle aus, die Böden fehlen, künftige Büros und Ruheräume für die hauptamtlichen Feuerwehrleute muss man sich mit einiger Phantasie vorstellen.

Doch über den Winter soll hier alles fertig werden – dann kommt das alte erste Obergeschoss an die Reihe und zuletzt die Fahrzeughalle. 2020, hieß es neulich beim Richtfest, könnte das Vier-Millionen-Euro-Projekt im Stadtteil Petershausen abgeschlossen sein.

Es geht um Personal und Gebäude gleichermaßen

Was dann aber erst noch richtig losgeht, ist ein sehr viel größeres Investitionsprogramm für die Feuerwehr. Was im Moment unter dem Titel Feuerwehrbedarfsplanung kursiert, ist ein Paket mit Kosten in zweistelliger Millionenhöhe. Es geht um Personal, aber mindestens genauso geht es um Gebäude.

Oberbürgermeister Uli Burchardt wird beim Richtfest schon ziemlich konkret. Alle drei Teilort-Feuerwehren brauchen nach seiner Überzeugung in näherer Zukunft neue Gerätehäuser – in Dettingen, Litzelstetten und Dingelsdorf sei die Ausstattung nicht mehr zeitgemäß. Dabei sitzt der Stadt die Aufsichtsbehörde im Nacken. Kreis- und Bezirksbrandmeister hätten klargemacht, dass sie "eine schnelle Entwicklung in Konstanz erwarten", so Burchardt.

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Kreisbrandmeister Carsten Sorg ist ebenfalls zum Richtfest gekommen. Natürlich, sagt er, freut er sich für die Konstanzer Kameraden darüber, dass die Hauptwache größer und besser wird. Er bestätigt aber auch, dass die Hausaufgaben damit bei weitem nicht gemacht sind. Denn die Aufgaben der Feuerwehr nehmen immer weiter zu. 2017 verzeichnete sie in Konstanz bereits 1600 Einsätze, Tendenz stark steigend. Dass viele von den immer öfter verwendeten Brandmeldeanlagen stammen oder auf Rauchwarnmelder in privaten Wohnungen zurückzuführen sind, änderts nicht daran, dass die Arbeit zunimmt.

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Auch Bernd Roth, der Anfang 2017 das Kommando über die Konstanzer Feuerwehr mit ihren 270 Freiwilligen und 20 Hauptamtlichen übernommen hat, sagt kurz und knapp: "Es bleibt viel zu tun" – und bezieht es nicht nur auf die Großbaustelle Hauptwache in Petershausen, sondern auch auf die Feuerwehr im Ganzen. OB Burchardt macht sich unterdessen Gedanken, wie sie vergleichsweise finanzschwache Stadt Konstanz das alles stemmen soll.

Höhere Steuern oder neue Schulden: Die Stadt braucht für die Feuerwehr mehr Geld

Der Bedarf bei der Feuerwehr werde gewiss auch "Auswirkungen auf den Haushalt" haben sagt er. Die Botschaft ist klar: Entweder muss Konstanz für seine Aufgaben bei der Feuerwehr erstmals seit vielen Jahren neue Schulden machen – oder Steuern erhöhen. Die Ertüchtigung der Hauptwache konnte die Stadt sozusagen noch vom Girokonto bezahlen – beim nächsten Projekt, ob in Dettingen oder Litzelstetten, ob Neubau oder deutliche Personalaufstockung, wird das laut OB wohl kaum mehr möglich sein.