Überrascht waren sie alle. "Ich würde sagen, sie hat sich von einer 4 auf eine 2 verbessert", sagt Jule Bakkus auf die Frage, wie sie die Konstanzer Gastronomie-Szene bis April und seit Juli 2018 bewertet. Timo Spinde, Rebecca Reinkunz und Henri Hose nicken zustimmend.

Es muss doch noch mehr geben als das, was wir schon kennen

Die vier Studenten leben gemeinsam in einer WG und haben sich irgendwann gedacht: Die zwei oder drei Bars und Kneipen, deren Namen an der Universität und der Fachhoschule kursieren, können doch nicht alles sein in der Stadt.

"Die Destille kennt jeder, dann vielleicht noch den Klimperkasten und natürlich die Heimat", sagt Rebecca Reinkunz. Lokale, die auch in den 90er-Jahren bei Studenten bekannt waren. Kurz darauf war die Idee geboren: Warum erstellen wir keinen Kneipenführer?

14 Lokale machen mit, fünf Euro kostete das Gutscheinheft

Wenig später konnte zwei Monate lang jeder – ob alt oder jung, ob aus Konstanz oder als Tourist zu Besuch – in Lokalen der Stadt Stempel sammeln. Das zugehörige Heft kostete fünf Euro. Für jeden Stempel, 14 waren es an der Zahl, gab es einen Gutschein.

450 Hefte in sieben Wochen verkauft

Wer für drei Euro etwas verzehrte, bekam mal einen Cocktail gratis, mal einen Kaffee aufs Haus oder bezahlte nur die Hälfte fürs Essen. Rückblickend bezeichnen die vier befreundeten Studenten die Aktion als gelungen, 450 Stempelhefte haben sie von Anfang Mai bis Ende Juli verkauft.

"Viel Geld kam nicht zusammen, die WG-Kasse wurde etwas aufgebessert", sagt Timo Spinde. Aber darum sei es auch nicht in erster Linie gegangen, sondern um den Spaß. Und: "Wir kennen die Konstanzer Ausgeh-Szene jetzt viel besser, es gibt eben mehr als man denkt. Ihr Ruf ist schlechter als die Realität", sagt Henri Hose.

Zu teuer und überrant? Schon, aber...

"Klar sind manche Ecken total überrannt und es ist teils sehr teuer hier", gesteht er. Da sei der Anreiz – gerade unter Studenten – groß, "sich einfach mit einem Kasten Bier ans Ufer zu setzen". Doch wer Interesse zeige, der finde auch in Konstanz spannende Orte.

Touristen in der Studi-Kneipe? Warum nicht?

Ein Nebeneffekt der Aktion: Das Publikum der einzelnen Lokale konnte sich durchmischen. "Wenn wir durch die Kneipentour geschafft haben, dass nur einige Studenten dorthin gehen, wo sie sonst nicht aufgetaucht wären und dafür Touristen in typische Studi-Kneipen schauen, dann wäre das schon eine Genugtuung", meint Timo Spinde.

Zum Teil sei das gelungen, sagt Martin Restle von der Bierboutique in der Kreuzlinger Straße. Die Teilnahme an der Kneipentour bezeichnet er finanziell zwar als Nullsummenspiel. "Aber sie hatte definitiv einen Werbeeffekt." Bestes Zeugnis dafür: Die ersten Kunden, die sich in seinem Lokal einen Stempel abholten, seien zwei Rentner gewesen. "Die ältere Generation kam bisher sonst eher nicht zu uns", sagt Restle.

Die erste Abnehmerin: Eine 78-jährige Ur-Konstanzerin

Zu der zählt wohl auch die allererste Käuferin des Gutscheinhefts, an die sich Timo Spinde noch gut erinnert. Eine Ur-Konstanzerin, 78 Jahre alt, um 8 Uhr morgens sei sie durch das Uni-Foyer spaziert. "Ich habe ihr einfach von unserer Idee erzählt, sie fand es gleich toll und wollte uns unterstützen."

Ob sie alle 14 Stempel bis 1. Juli eingesammelt hat? Gar an einem Tag, wie es manche laut Facebook geschafft haben wollen? Wer weiß. Falls ja, dann könnte man sie mit einem Kneipentour-Shirt sehen, das gibt es als Bonus für jedes volle Heft.