Grippe oder grippaler Infekt?

Diese Krankheit ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Die echte Grippe ist nicht mit einem grippalen Infekt zu verwechseln. Die Influenza, so der Fachbegriff, kann nahezu unbemerkt verlaufen, bei etwa 20 Prozent der Infizierten kommt es aber zu schweren Verläufen mit sehr hohem Fieber. In der vergangenen Woche hat das Robert-Koch-Institut, eine zentrale Einrichtung des Bundes zur Krankheitsüberwachung und -prävention, einen nochmaligen Anstieg der Grippefälle verzeichnet. Mehr als 100 Personen sind bereits während der aktuell grassierenden Grippewelle verstorben, zumeist über 60 Jahre alt. Der Tote am Konstanzer Klinikum sei allerdings jünger gewesen, sagt der stellvertretende Ärztliche Direktor Thomas Kiefer. Das erste Grippeopfer seit längerer Zeit, fügt er hinzu. Eines von vier im Landkreis, sagt der leitende Medizinaldirektor des Gesundheitsamts beim Landratsamt Konstanz, Helmut Eckert. Die zwei weiteren Grippepatienten am Konstanzer Klinikum müssten noch beatmet werden, erklärt Thomas Kiefer. 

Grippewelle noch nicht vorüber

Die Grippewelle sei nach wie vor in vollem Lauf. "Die Grippesaison ist noch nicht gebrochen, sie dauert in diesem Jahr länger als in den Vorjahren", erklärt Eckert. Aktuell sind im gesamten Landkreis 29 Fälle von Influenza registriert, 193 sind es seit Jahresbeginn. "Das sind jedoch nur die Erregernachweise nach einer Lobaranalyse", erklärt Helmut Eckert die auf den ersten Blick recht kleine Zahl. "Die Dunkelziffer ist garantiert höher." Nicht jeder Patient mit typischen Symptomen geht zum Arzt und nicht jeder Arzt macht den Test mit dem Schleimhautabstrich. "Klinische Diagnosen werden dem Gesundheitsamt nicht gemeldet", erzählt Helmut Eckert. Die für eine Grippe typischen Beschwerden beginnen plötzlich, zumeist mit Fieber, trockenem Reizhusten, Muskel- und/oder Kopfschmerzen. Weitere Symptome können allgemeine Schwäche, Schweißausbrüche, aber auch Übelkeit/Erbrechen und Durchfall sein. Die Krankheitsdauer liegt in der Regel bei fünf bis sieben Tagen. Wenn ein Arzt diese Symptome erkennt und eine Influenza ohne Laborbefund diagnostiziert, wird der jeweilige Fall nicht ans Amt und auch nicht ans Robert-Koch-Institut weiter gegeben. 

Dunkelziffer deutlich höher

Beim Gesundheitsamt sind vier Todesfälle registriert. Eckert: "Auch hier könnte die Dunkelziffer höher sein, da wir ja nur Todesfälle untersuchen, die als Folge einer gemeldeten Influenza eingetroffen sind." Sprich: Wenn ein an Grippe erkrankter Patient an dieser nicht offiziell bestätigten Erkrankung stirbt, fällt er nicht unter diese Statistik. Eckert empfiehlt den Menschen noch eine Grippeimpfung, sofern noch nicht erfolgt. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) schützt der aktuelle Dreifachimpfstoff nicht gegen alle Virusvarianten, die derzeit zirkulieren. Die Forscher empfehlen den Vierfachimpfstoff. Bereits im November hatte die am RKI angesiedelte Ständige Impfkommission beschlossen, eine saisonale Grippeschutzimpfung mit einem Impfstoff gegen vier Virustypen zu empfehlen. Dieser Impfstoff biete in Saisons, in denen Viren der nicht in Dreifachimpfstoffen enthaltenen B-Viruslinie zirkulieren, einen besseren Schutz. Allerdings haben viele Krankenkassen die Kosten für die Vierfachimpfung nicht übernommen, was erheblich günstiger gewesen wäre als die nun massiv auflaufenden Behandlungs- und Therapiekosten.

 

Gefährdete Personen

Im Landkreis Konstanz haben in den vergangenen Wochen die Grippefälle deutlich zugenommen. Dies entspricht dem landesweiten Trend. Seit Jahresbeginn wurden dem Amt für Gesundheit und Versorgung 193 Fälle gemeldet. Den besten Schutz vor Ansteckung bietet nach wie vor eine Grippeschutzimpfung. Zu den Personen, denen die Ständige Impfkommission dringlich eine Impfung empfiehlt, gehören: ältere Menschen, Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung durch ein Grundleiden wie chronische Krankheiten der Atmungsorgane, chronische Herz- oder Kreislauferkrankungen, Leber- oder Nierenkrankheiten, Diabetes oder andere Stoffwechselkrankheiten, chronische neurologische Krankheiten wie Multiple Sklerose.