Auch wenn die Zahl der Virus- und Grippeinfektionen inzwischen nach offiziellen Angaben wieder rückläufig ist, bleibt die Lage in Konstanzer Kinderbetreeungseinrichtungen angespannt. In der Gustav-Schwab-Kita hat sich jüngst eine relativ ungewöhnliche Situation ergeben, wie der SÜDKURIER von Eltern erfahren hat: An einem Tag haben sich zwölf Kinder mit einem grippalen Infekt angesteckt. Die Folge: auch eine Erzieherin wurde krank.

Dies ist im Moment kein Einzelfall. "Wir haben hartnäckige Krankheitsfälle, und es betrifft alle Kindertagesstätten", sagt Bettina Mohr von der Stadt Konstanz auf Anfrage des SÜDKURIER.

Die Verwaltung arbeitet mit großzügigerem Personalschlüssel

Mit diesem Phänomen haben die Kinderbetreuungseinrichtungen immer wieder zu kämpfen. Dabei gelinge es, den derzeitigen Engpass gerade noch aufzufangen, sagt Bettina Mohr, Abteilungsleiterin der Tagesbetreuung für Kinder bei der Stadtverwaltung.

Die Stadt habe für die eigenen Kinderbetreuungseinrichtungen einen Personalschlüssel gewählt, der deutlich über dem gesetzlich geforderten Personalschlüssel liege. Das ermögliche den einzelnen Einrichtungen eine qualitativ hochwertige Betreuung der Kinder, so Mohr – und zur Erkältungs- und Grippezeit könne man den Betrieb trotz des Personal-Engpasses aufrecht erhalten.

Verkürzte Öffnungszeiten sind die Ausnahme

Zwei Mal habe dieses Jahr bisher eine Einrichtung ihre Öffnungszeiten verkürzen müssen, dies betraf eine städtische und eine kirchliche Einrichtung. Ansonsten aber habe man den Betrieb überall stets aufrechterhalten können.

Einen kleinen Personalüberschuss gebe es auch wegen der geplanten Eröffnung der Kindertagesstätte Rebberg. "Das Personal für die Kita Rebberg haben wir bereits eingestellt", erläutert Mohr, "und diese Kräfte können nun in den Kitas, in denen es an Arbeitskräften fehlt, aushelfen." Zudem gebe es zwei Springer, die ebenfalls dort aushelfen, wo sie am meisten gebraucht werden.

"Aber wir haben auch schon Stammpersonal in eine andere Betreuungseinrichtung verschoben, wenn es darum ging, den Betrieb in einer anderen Kita aufrechtzuerhalten", räumt Bettina Mohr ein. "Ob man zu diesem Mittel greift, muss man natürlich abwägen".

In Konstanz sind nur neun von 50 Kitas sind in städtischer Trägerschaft

Die Stadtverwaltung allein kann das Problem des krankheitsbedingten Personalengpasses aber ohnehin nicht lösen. Lediglich neun Betreuungseinrichtungen sind in städtischer, die übrigen in kirchlicher oder freier Trägerschaft, die meisten werden von der katholischen Kirche betrieben.

Bei der Verrechnungsstelle für Katholische Kirchengemeinden gab es am Montag allerdings keine Auskunft zu diesem Thema.

Welche Kinder sollten besser zu Hause bleiben?

Ein Problem sieht Bettina Mohr darin, dass Eltern, die zur Arbeit müssten, ihre Kinder mit einem fiebersenkenden Mittel versorgten und zur Kita brächten. Die Kinder seien weiterhin ansteckend und meist nur wenige Stunden lang fit. Danach suchten sie gern die Nähe zu ihren Erzieherinnen – die Gefahr, dass dieses sich ansteckten, sei dann groß.

"Unser Wunsch wäre, dass diese Kinder zu Hause bleiben", wendet sich Mohr an die Eltern. Letztlich sei dies im Sinne der kranken Kinder, der Erzieherinnen und der (noch) gesunden Kinder.

Wie lange können Eltern zur Betreuung kranker Kinder überhaupt frei nehmen?

Das kann tatsächlich für Eltern, die etwa keine Großeltern vor Ort oder ein Au-pair im Haushalt haben, eine Herausforderung sein. Gesetzlich Versicherte haben pro Kind und Elternteil einen Anspruch auf zehn Arbeitstage im Jahr, um sich zur Betreuung eines kranken Kindes frei zu nehmen. Sprich: Eine Familie mit zwei Kindern und zwei Eltern kann 40 Krankheitstage in Anspruch nehmen. Dafür braucht es aber ab dem ersten Tag ein entsprechendes Attest vom Arzt. Bei mehr als zwei Kindern ist die Zahl der Tage allerdings auf 25 gedeckelt. Alleinerziehende erhalten jeweils die doppelte Zahl an Tagen.

Privat Versichterte haben diesen Anspruch nicht, können aber dafür eine Zusatzversicherung abschließen. Und für Selbstständige kann die Betreuung kranker Kinder oft bereits ab dem ersten Tag Einkommenseinbußen bedeuten, weil Aufträge nicht angenommen oder abgearbeitet werden können.