Fußball-Weltmeistertrainer Joachim Löw oder Handball-Weltmeisterkapitän Markus Baur – die Liste der Deutschen, die in der Schweiz aktiv waren, ist lang. Während die Ex-Profis dort oft ihre Laufbahn ausklingen lassen, profitieren andere davon, ihren Sport mit vergleichsweise geringem Aufwand auf hohem Niveau betreiben zu können.

Doch wie sieht es direkt an der Grenze aus? Drei Konstanzer erklären, warum sie aus den unterschiedlichsten Gründen in der Schweiz ihre sportliche Heimat gefunden haben.

David Fall, Fußball

David Fall
David Fall | Bild: privat

Der Fußballer David Fall ist in Konstanz aufgewachsen. Im Laufe seiner Profikarriere, die ihn bis in die 2. Bundesliga geführt hat, schnürte er für Traditionsvereine wie Waldhof Mannheim oder Preußen Münster die Kickschuhe.

Karriere in der Schweiz

In der Saison 2008/09 trug Fall das Trikot des FC Schaffhausen in der zweithöchsten Schweizer Liga. „Damals wollte ich einen Schritt raus aus dem Profigeschäft machen und mich wieder hier in der Region für mein Studium niederlassen“, erinnert er sich an die persönlichen Gründe für das kurze Intermezzo vor zehn Jahren.

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Nach zwei Saisons in der deutschen Regionalliga sollte der Weg des heute 40-Jährigen jedoch wieder ins Nachbarland führen. „Ich hatte Anfragen von höherklassigen deutschen Vereinen, das war aber vom Aufwand her nicht möglich“, sagt Fall, der seine Laufbahn stattdessen bei AS Calcio Kreuzlingen ausklingen ließ.

Anfangs trainierte der gebürtige Pariser nur mit, dann wurde er Spielertrainer, inzwischen ist David Fall Trainer des Clubs, dessen erste Mannschaft in der sechsthöchsten Liga der Schweiz spielt und auf einen eigenen Kunstrasen hofft. „Wir sind ein kleiner Verein. Aber man sieht, was möglich ist, wenn man Geduld und Leidenschaft hat“, sagt Fall.

Als der dreifache Vater zurück nach Süddeutschland kam, wollte er sich in seiner Heimat engagieren. „Konstanz hat so viel Potenzial mit seinem Umfeld und dem großen Knowhow der Uni. Die Stadt hat mehr Kunstrasenplätze als der ganze Thurgau“, erklärt er. Und doch sei es traurig, dass die Möglichkeiten nicht genutzt würden. „Es gibt viele gute Ansätze, schade dass so wenig dabei herauskommt“, so Fall.

Warum Schweiz?

Einigen Kickern fehle schlicht die sportliche Perspektive auf dieser Seite der Grenze. „Sie suchen eine Alternative, um möglichst ambitioniert spielen zu können“, sagt Fall, der auch beruflich in der Schweiz Fuß gefasst hat. Seit sechs Jahren arbeitet er als Technischer Leiter beim Thurgauer Verband und ist verantwortlich für die Nachwuchsförderung und das Ausbildungstraining in der Sportschule Bürglen. „Hier haben die Jugendspieler beste Möglichkeiten und Voraussetzungen. Wir arbeiten mit den Profis des FC St. Gallen zusammen. Das macht viel Spaß und ist für mich im Moment die optimale Kombination“, sagt Fall, der von Tuttlingen aus, wo er mit seiner Familie lebt, pendelt.

Alexander Mierzwa, Handball

Alexander Mierzwa
Alexander Mierzwa | Bild: Deuring Photography

Alexander Mierzwa kam Mitte der 90er-Jahre aus seiner Heimat Fredenbeck zur HSG Konstanz, von wo aus er seiner Profilaufbahn startete, die ihn zum TV Großwallstadt und zum VfL Gummersbach in die Bundesliga und zu einem Europapokalsieg führte. Höhepunkt in seiner Karriere waren 14 Länderspiele und die Teilnahme an der Europameisterschaft 2000 in Kroatien.

Karriere in der Schweiz

Als er 2005, mit 31 Jahren, sein Studium zum Diplom-Bauingenieur abgeschlossen hatte, entschied Mierzwa sich gegen ein weiteres Engagement in der deutschen Bundesliga – und wechselte zu Pfadi Winterthur in die Heimat seiner Frau Caroline, die selbst für die Schweiz Handball gespielt hatte.

„Der Übergang ins Berufsleben war in der Schweiz besser möglich“, sagt Alexander Mierzwa, „in Deutschland kannst du neben der Bundesliga nicht arbeiten.“ Sein Vertrag in Winterthur indessen war gekoppelt an einen Job. So wurde der Norddeutsche in seiner ersten Saison für Pfadi mit 249 Treffern Torschützenkönig und arbeitete parallel dazu 30 Prozent in dem Ingenieurbüro, in dem er heute Partner ist.

Warum Schweiz?

Auf der einen Seite sei der Stellenwert des Schweizer Handballs nicht mit dem in Deutschland vergleichbar. „Hier ist es Gang und Gäbe, dass man neben dem Handball arbeitet“, sagt Mierzwa. Und es könne durchaus sein, dass ein Team in der zweithöchsten Liga des Landes seine Heimspiele vor gerade einmal 100 Zuschauern austrägt. Der Aufwand, um auf hohem Niveau Sport zu betreiben, ist dagegen wesentlich geringer und die Reisen in fremde Hallen kürzer. „Je nachdem wie man drauf ist, ist man am Wochenende nach den Spielen schneller in der Disko oder früher im Bett“, sagt Mierzwa und lacht.

Bei seiner letzten Station als Aktiver führte der heute 44-Jährige den HSC Kreuzlingen als Spielertrainer in die zweithöchste Liga der Schweiz. Seit 2013 ist er Sportlicher Leiter beim HSC, dessen Trikot in der Vergangenheit etliche Konstanzer trugen.

Matthias Maier, Wasserball

Matthias Maier
Matthias Maier | Bild: privat

Seit 1998 spielt die Wasserballmannschaft des SK Sparta Konstanz mit einer Ausnahmegenehmigung in der Schweiz. "Wir waren lange Zeit eine Fahrstuhlmannschaft in der deutschen Bezirks-, Landes- und Verbandsliga“, erinnert sich Matthias Maier an die Zeit, als ein Umbruch im Team stattfand und viele Spieler ins Berufsleben eintraten. „Damals war das ganze Wochenende im Eimer für ein Spiel oder manchmal zwei“, sagt Maier, der als Schwimmer im Verein begann und nun seit mehr als 30 Jahren für die Spartaner im Wasserball aktiv ist.

Warum Schweiz?

In der Schweiz dagegen tragen die Mannschaften ihre Heimspiele während der Trainingszeiten unter der Woche aus. Durch den Wechsel ins Nachbarland konnte so der Weiterbestand des Konstanzer Teams gesichert werden. Mit dem zeitlichen Aufwand im deutschen Ligabetrieb hätten einige Spieler wohl ihre Laufbahn beendet. „Es ist schon angenehm, wenn man die Auswärtsspiele immer unter der Woche austrägt und die Wochenenden frei sind“, sagt Maier.

Nun kämpft das bunte Team mit Spielern zwischen Mitte 20 und 50 Jahren in der dritthöchsten Liga um Punkte. Mehr ist für einen deutschen Verein mit Gaststartrecht nicht möglich, und „das ist auch das Maximale, was wir leisten können“, sagt Matthias Maier. Die Konstanzer hatten Glück, dass im Zuge eines Umbruchs beim SC Kreuzlingen, der zur nationalen Spitze in der Schweiz gehört, drei frühere ungarische Juniorennationalspieler, die inzwischen bereits Mitte 40 sind, nach Konstanz wechselten.

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Überhaupt fühlen sich die Konstanzer wohl im Windschatten der Nachbarstadt. „Wasserball ist der höchste Ligasport in Kreuzlingen und der SC ist x-facher Schweizer Meister“, sagt Maier. „Zu den Heimspielen im Sommer am Hörnli kommen bis zu 2000 Zuschauer und es herrscht eine tolle Stimmung“, fährt der 45-Jährige fort.

Die Partien der Sparta-Wasserballer verfolgen indessen weit weniger Fans. Die Konstanzer wollen sich vielmehr auf den Nachwuchs konzentrieren. „Wenn das Schwaketenbad wieder offen ist, wollen wir eine Jugendmannschaft etablieren. Das ist unsere große Hoffnung", sagt Maier. Auch die Talente werden dann voraussichtlich in der Schweiz antreten.