Sie sind seit gestern mit ihrem ersten Roman auf Tour. Zehn Termine nur, unter anderem in Berlin, München und Köln. Wie kommt es, dass auch Konstanz als einzige kleinere Stadt dabei ist?

Ich habe eine sehr gute Booking-Agentur, die sich reingehängt hat, gute Städte und Locations für die Lesungen zu finden. Darunter war eben auch Konstanz, was ich toll fand. Ich war noch nie dort und wollte sehr gerne mal an den Bodensee.

Der Roman, aus dem Sie dann hier lesen, spielt in einer Kleinstadt. Sie selbst sind in „einem Dorf hinter einer Kleinstadt hinter Siegen“ aufgewachsen. Was ist das Schöne an der Provinz?

Sicherlich die Ruhe. Man entschleunigt automatisch, hat viel Platz und viel Raum, sich zu entfalten.

Und das Schlechte?

Die teilweise engstirnigen Menschen, die es einem nicht leicht machen, sich wohlzufühlen. Es wird viel übereinander geredet. Man fühlt sich permanent beobachtet. Und natürlich sind auch die Möglichkeiten für junge Menschen begrenzt. Kulturell gesehen ist alles ganz schnell abgefrühstückt, wenn man in einem Dorf hinter einer Kleinstadt hinter Siegen wohnt. Das war für mich auch ein Grund, wehzugehen.

Die Figuren in dem Roman kämpfen mit Alltagsproblemen, am Ende geht es aber auch um ein gesamtgesellschaftliches Problem: Darum, wessen Stimme eine Rolle spielt. Fühlen Sie sich, gerade jetzt mit wachsender Bekanntheit, gehört?

Aktuell ja, weil es gerade viel Rummel um mich gibt. Da denke ich schon: Okay, krass. Aber es gibt immer noch Luft nach oben, vor allem, was die Zielgruppe betrifft. Die Lesungen, Portraits oder Rezensionen werden von Frauen besucht, gemacht, geschrieben. Was ich gut finde, aber auch nachdenklich macht. Es fehlt mir, dass Männer mein Buch lesen oder öffentlich besprechen. Ich dachte, dass wir da schon weiter wären: Dass man das Buch einer Frau nicht als Literatur für Frauen abtut. Sondern dass darin Themen behandelt werden, die uns alle betreffen – wie die Angst vor dem Tod.

Haben Sie sich deshalb entschieden, kein Sachbuch über Feminismus zu schreiben wie es gerade viele tun?

Ja, auf jeden Fall. Ich habe viel von Margarete Stokowski und ihren Büchern gelernt. Da steht alles drin, was man zur aktuellen Debatte wissen muss und ich bezweifle, dass ich etwas Kluges hätte hinzufügen können. Es sei denn, ich hätte mich acht Jahre in irgendeiner Bibliothek verschanzt. Ich hätte auch nichts Halbgares machen oder auf einen Zug aufspringen wollen. Ich wollte etwas machen, das wirklich neu ist in irgendeiner Form.

Welche Schublade sagt Ihnen noch am meisten zu: Feministin, Autorin, Fernsehmoderatorin, Gag-Schreiberin für Jan Böhmermann, Comedian?

Alles dreht sich bei mir um das Schreiben, insofern fasst Autorin es am besten zusammen. Fünf Tage die Woche schreibe ich beruflich für das Neo Magazin Royale, am Wochenende und im Urlaub bin ich nebenberuflich Romanautorin.

Auf Twitter und bei der Arbeit schreiben Sie kurze Texte. Wie war es, ein Buch über hunderte Seiten zu schreiben?

Sehr herausfordernd. Bei der Arbeit sind wir ein Team, fünf Autorinnen und Autoren arbeiten immer mindestens zu zweit an den Einspielertexten. Bei dem Buch saß ich plötzlich alleine vor meinem Laptop. Ich hatte noch nie etwas geschrieben, das länger als acht Seiten war, musste gegen Schreibblockaden und die Stimme in meinen Kopf kämpfen, die sagte: Das schaffst du niemals. Vielleicht hätte ich früher abgeben können, wäre dann aber nicht zufrieden gewesen. Also verlängerte ich den Abgabe-Termin. Nach zwei Jahren war ich dann aber so weit.

Es gab bereits viele positive Reaktionen und Rezensionen zu dem Roman. Sie sind aber im Internet auch immer wieder Anfeindungen ausgesetzt. Wie gehen Sie damit um?

Ich bin natürlich nicht dankbar für solche Kommentare und an schlechten Tagen nimmt mich das auch mal mit. Aber unterm Strich macht mir das nichts mehr aus. Wenn man als Frau nicht normschön ist und in der Öffentlichkeit auftritt, reicht das offensichtlich schon als Provokation für Hater und Trolle. Hasskommentare teile ich dann auch mal. Um den Leuten zu zeigen, womit Frauen im Netz konfrontiert sind, die sich in die Öffentlichkeit stellen. Die Anfeindungen sind auch ein Grund, warum das manche Frauen eben nicht tun.

Ein Satz von Ihnen, der intensiv diskutiert wurde, war dieser: „Männer arbeiten öfter in Chefpositionen, weil sie besser mit dem harten Arbeitsklima umgehen können, das wir ohne sie gar nicht hätten.“ Wie kommen wir aus diesem Kreislauf raus?

Indem wir Frauen auf Chef-Positionen setzen. Es existieren noch immer die alten Macht-Strukturen, die nicht wirklich aufgebrochen werden. Trotz Frauen-Quote ist es lachhaft, wie viele Frauen in den Vorständen sitzen. Solange Peter und Matthias und Stefan auf dem Chefsessel sitzen und sich gegenseitig die Jobs zuschustern, wird sich daran auch nichts ändern.

In Konstanz haben wir eine Frau an der Spitze der Uni, der Philharmonie und des Theaters. Ist das ein Anfang?

Auf jeden Fall! Vielleicht muss ich nach Konstanz ziehen.

Ihr Buch heißt: „Das Leben ist eins der Härtesten“. Wie lautet Ihr Lebensmotto?

Wahrscheinlich genauso. Es ist ein Satz, den meine Oma früher oft zu mir gesagt hat, wenn wieder irgendwas Unvorhergesehenes passiert ist. Das Leben ist oft ziemlich scheiße. Zu manchen Leuten mehr als zu anderen. Aber trotzdem hat es noch so eine kleine Komik, um es mit einem Augenzwinkern zu nehmen. Ich glaube, das fasst mein Leben auch ganz gut zusammen.