Zwei Seen, zwei Welten: Die Partnerschule der Geschwister-Scholl-Schule liegt in einer armen bäuerlichen Gegend auf Ometepe, einer Insel im riesigen Nicaragua-See, 15 Mal größer als der Bodensee. Dass Kinder zur Schule gehen können, ist dort nicht selbstverständlich. Einmal mehr organisierte die Geschwister-Scholl-Schule eine Aktion, um ihre Partnerschule zu unterstützen: Die Singer-Songwriter Matteo Capreoli und Sarah Lesch verzichteten auf ihre Gagen und gaben ein Benefizkonzert im K 9. Mit Erfolg: Das Konzert war fast ausverkauft.

Songwriter-Musik gab es jedoch nicht nur von Sarah Lesch und Matteo Capreoli: Zur Einstimmung spielte der Musikneigungskurs der elften Klasse unter der Leitung von Musiklehrer Heiko Dierschke. In einer Unterrichtseinheit sind die Schüler selbst kreativ geworden und beeindruckten das Konstanzer Publikum nun mit ihren „handgemachten“ Liedern: Im Lied „Refugee“ erheben die Schülerinnen Anna-Lena Riehle und Elena Gehringer, unterstützt von Julia Gruhler und Tom Fischer an Klavier und Cajón, die Stimme für Flüchtlinge. In einem zweiten Stück geht es um Erwartungen, die die Gesellschaft an den Einzelnen stellt, um Freiheit und Unabhängigkeit. Hier berührten die starken Stimmen von Carina Gartner und Kira Scheffold sowie Daniel Beckmann am Klavier und Katharina Engel am Cajón. Danach machten die Schüler der Scholl-Schule die Bühne frei für die Songwriterin Sarah Lesch.

„Lasst eure Kinder mal was dazu sagen, hört ihnen richtig zu“, fordert die Tübinger Liedermacherin in ihrem Lied „Testament“. Damit hat sie vor einer Woche den Wiener Protestsongcontest gewonnen, wurde als „herausragende Poetin“ geehrt und spielte sich in die Herzen der Konstanzer. Der Song ist ihrem Sohn gewidmet und richtet sich gegen ein Schulsystem, das zu „eng gestrickt“ sei, so dass es kratzt und man „das Etikett herausschneiden“ will. Beim Konzert im K 9 trägt Sarah Lesch Songs und Gedichte im Wechsel vor. Leschs Texte fühlen sich an wie ein Bad im frühsommerlichen Bodensee, belebend und nachhaltig. Im Hinblick auf das Nicaragua-Projekt betont die Liedermacherin, dass unsere Probleme im Vergleich „Luxusprobleme“ seien.

Hier und dort – zwei Welten seien das, alle könnten etwas ändern, aber keiner ändere etwas, meint Moana Kamp, eine Schülerin der elften Klasse der Geschwister-Scholl-Schule. „Aber jetzt machen wir etwas“, fügt Mitschülerin Katharina Engel energisch hinzu, bevor der nächste Songwriter die Bühne betritt: Matteo Capreoli. „Zuhause ist kein Ort, sondern ein Gefühl“ ist das Thema seines Debütalbums. Dieses Gefühl von „Zuhause“ bringt er auch mit in das K 9: Ein Zuhause, in dem getanzt, gelacht und musiziert wird. „Wir sind Kinder des Lichts, wandern durch alles und nichts. Von Sorgen befreit, zu allem bereit, wenn die Sonne uns küsst“, singt der gebürtige Reutlinger mit den wilden schwarzen Locken. Zusammen mit Bassist Joscha Glass spielt er leichtfüßige, tanzbare, aber auch selbstironische und melancholische Songs, ein Mix aus vielem: Folk, Reggae, Soul, Singer Songwriter – Capreoli nennt sein Genre „Freak Folk Soul“.

Capreoli ist ein Reisender – auf den Straßen der Welt, in der Musik, zwischen unterschiedlichen Instrumenten. Auch das Konstanzer Publikum lässt sich begeistert mitnehmen auf eine musikalische Reise.

Das Benefizkonzert, eine von vielen Aktionen zum 40-jährigen Bestehen der Schule, organisierte Lehrer Manuel Vogel. Selbst Bandmusiker, kennt er Sarah Lesch und Mattheo Capreoli aus der Tübinger und Reutlinger Musikszene und lud sie zum Konzert ein. Sarah Lesch fand den Anlass sofort gut und wollte dabei sein. Für Kinder, die bei Schulpartnerschaften mitmachten, gebe es einen Zugang zu anderen Welten.

Offen ist in Konstanz auch die Haltung der Lehrer gegenüber dem Projekt. Monika Schmidt-Dittrich, Leiterin der Partnerschaft, erzählt von einer großen Unterstützung im Kollegium. Schon seit etwas mehr als zehn Jahren ziehen Lehrer und Schüler an einem Strang für die Partnerschule: Die Geschwister-Scholl-Schule unterstützt die mittelamerikanische Schule Instituto Jaime Marzá in Nicaragua durch Spenden aus regelmäßigen Aktivitäten, unter anderem dem Nicaragua-Lauf. Finanziert werden Schulmaterial und Stipendien. Die Hilfe kommt Familien zugute, die es sich nicht leisten können, eines oder mehrere Kinder in die Schule oder Universität zu schicken. Das Leben auf der kleinen Insel sei von unvorstellbarer Armut geprägt.