Zusatzzeichen 1020-30 der Straßenverkehrsordnung alias „Anlieger frei“ hat es zwischen Ebert- und Zähringerplatz zu berüchtigter Berühmtheit gebracht.

Der Hinweis „Anlieger frei“ bedeutet, dass Autofahrer oder Nutzer anderer motorisierter Fahrzeuge nur mit einem triftigen Grund durchfahren dürfen – der Kreis der Auserwählten ist jedoch größer als man denkt.
Der Hinweis „Anlieger frei“ bedeutet, dass Autofahrer oder Nutzer anderer motorisierter Fahrzeuge nur mit einem triftigen Grund durchfahren dürfen – der Kreis der Auserwählten ist jedoch größer als man denkt. | Bild: Oliver Hanser

Denn das Schild für das eingeschränkte Durchfahrverbot habe oft nicht den gewünschten Effekt: Autofahrer aus der Fahrradstraße fernzuhalten, sofern sie kein triftiges Anliegen haben.

Offener Brief an OB Burchardt erhält viel Unterstützung

Das jedenfalls schreiben einige Eltern in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Uli Burchardt. Ihre Forderung: „Sperren Sie die Fahrradstraße zwischen Ebert- und Zähringerplatz für den motorisierten Durchgangsverkehr, damit sie zu einem sicheren, schnellen und abgasfreien Verkehrsweg für Radfahrer wird.“

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Unterstützung ist den vier Initiatorinnen Claudia Diehl, Kirsten Mahlke, Gabriele Schaub und Maike Sippel scheinbar sicher: Mehr als 180 Personen haben den Brief unterzeichnet. Einerseits loben sie die Bemühungen der Stadt um mehr Sicherheit auf der Radstraße – darunter besagte Anlieger-frei-Kennzeichnung oder die Sperrung der Einfahrt aus der Allmannsdorfer Straße kommend.

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Gleichzeitig heißt es im Brief: Diese Ideen brachten bislang nicht den gewünschten Zweck. Tatsächlich habe sich die Lage seit Beginn der Bauarbeiten am Sternenplatz Anfang Juli verschärft, seien die „Verkehrsgegebenheiten auf diesem Streckenabschnitt (…) geradezu chaotisch“.

Gibt es an der Fahrradstraße viele Unfälle zwischen Rad- und Autofahrern?

„Fünf bis acht Mal“ hätten Bürger sich wegen der Radstraße seither an die Polizei Konstanz gewandt, teilt ihr Sprecher Oliver Weißflog auf Anfrage des SÜDKURIER mit. Es habe sich um „Situationsberichte oder Unmutsbekundungen“ gehandelt, zu einer Anzeige sei es nicht gekommen. Die Bürger seien auf die verstärkten Kontrollmaßnahmen durch die Polizei verwiesen worden, so Weißflog.

Die Straße sorgt bei Nutzern – gleich welches Fahrzeug sie nutzen – für Ärger und Unsicherheit.
Die Straße sorgt bei Nutzern – gleich welches Fahrzeug sie nutzen – für Ärger und Unsicherheit. | Bild: Stefan Roth

Er berichtet von drei Unfällen unter gleichzeitiger Beteiligung von Radfahrern und dem motorisierten Verkehr seit Beginn der Umleitung wegen der Sternenplatz-Baustelle Anfang Juli. Zwei Personen seien leicht verletzt worden.

Wird die Radstraße durch die Umleitung wegen des Sternenplatzes stärker befahren?

Die Stadtverwaltung geht davon aus: Seither sind auf der Petershauser- und Jahnstraße mehr Radfahrer unterwegs. Grundlage der Annahme sind die Werte der Zählstation an der Fahrradbrücke, wie Pressesprecher Walter Rügert auf Anfrage mitteilt. Dort seien an Spitzentagen statt 15.000 Radlern 20.000 unterwegs. Weil rund drei Viertel davon auch die Fahrradstraße nutzten, rechnet die Stadt dort mit einem Mittelwert von täglich 10.000 Radfahrern. Bei Stichproben vor einem Jahr lag die Zahl zwischen 6800 und 9700.

 

Fahrräder und Autos befahren zusammen die Fahrradstraße in der Petershausener Straße in Konstanz. Bild: Oliver Hanser
Fahrräder und Autos befahren zusammen die Fahrradstraße in der Petershausener Straße in Konstanz. | Bild: Oliver Hanser

Wie viele Autos sind dort unterwegs?

Und damit höher als die für den motorisierten Verkehr. Sie bewegte sich laut Walter Rügert zwischen 3900 und 6300. Vergleichswerte seit Bestehen der Sternenplatz-Baustelle liegen nicht vor, da die Stadt seither keine Zählungen in der Fahrradstraße durchführte. Das zuständige Amt für Stadtplanung und Umwelt (ASU) müsse sich deshalb auf eine „subjektive Einschätzung“ verlassen, teilt Walter Rügert mit.

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Diese lautet optimistischer als die Absender des offenen Briefs: „Nach unseren Beobachtungen hat insbesondere die Sperrung des Geradeaus-Fahrstreifens am Zähringerplatz von der Allmannsdorfer Straße kommend spürbaren Effekt und reduziert den Kfz-Verkehr zumindest in einer Fahrtrichtung.“

Ein Blick aus der Luft: Gut erkennbar sind die blau markierten Flächen, die auf die Fahrradstraße in Petershausen hinweisen.
Ein Blick aus der Luft: Gut erkennbar sind die blau markierten Flächen, die auf die Fahrradstraße in Petershausen hinweisen. | Bild: Lukas Ondreka

Wie geht es in den kommenden Wochen und Monaten dort weiter?

Die Stadt will in den kommenden Wochen nachbessern: von einer Plakatkampagne zur Rücksichtnahme über eine Sperrung der Durchfahrt vom Zähringerplatz Richtung Bahnübergang für Autos bis zur baulichen Trennung der beiden Fahrstreifen. Weil Autos dadurch weniger überholten, verspricht sich das ASU ein steigendes Sicherheitsgefühl der Radfahrer.

Offen ist, wie es nach Ende der Baustelle am Sternenplatz an der Fahrradstraße weitergeht. Bislang gilt der Beschluss des Gemeinderats und der lautet: keine Sperrung. Aber: Die Stadtverwaltung erarbeitet derzeit laut Sprecher Walter Rügert Maßnahmen, „um den Durchgangsverkehr mit Kfz künftig in beiden Fahrtrichtungen zu unterbinden“.