Konstanz Geplantem Konstanzer Wassertaxi droht Gegenwind

Dem geplanten Konstanzer Wassertaxi droht bei Nacht- und Winterfahrten Gegenwind: Bei einem Themenabend der FGL regen sich Bedenken von Vogelschützern. Jetzt sind Biologen gefragt.

Der Schiffsanleger am Bodenseeforum steht – doch ob er Tag und Nacht für den Wasserverkehr zwischen Veranstaltungshaus und Altstadt genutzt werden kann, steht offenbar in Frage. Bei einer Debatte der Freien Grünen Liste (FGL) und des Grünen Kreisverbands zum Thema Verkehr in Konstanz sagte die FGL-Stadträtin Gisela Kusche, es gebe mit Blick auf einen regelmäßigen Betrieb auch während der Nachtstunden Bedenken von Seiten des Naturschutzes. Michael Dienst, Biologe der Arbeitsgruppe Bodenseeufer, bestätigte auf Nachfragen, er habe in seinem Gutachten zum umweltverträglichen Standort des Stegs eine Untersuchung der Auswirkungen des zusätzlichen Schiffsverkehrs auf die Vogelwelt angeregt. Seines Wissens sei ein Ornithologe nun damit beauftragt.

Problematisch können aus Sicht des Biologen Dienst, der spezialisiert ist auf den Arten- und Naturschutz, vor allem Fahrten eines Wasserbusses während der Nachtstunden und während der Wintermonate im Vogelschutzgebiet Konstanzer Trichter sein. Ein Schiff, das den Konstanzer Hafen zum Ziel hat, muss hier durch. Der Trichter ist nicht nur Winterquartier für die einheimischen Wasservögel, sondern auch für Zugvögel aus Nord- und Osteuropa. Manche wie Schellenten oder Zwergtaucher gingen auch nachts auf Tauchjagd. Unter den Schiffslinien im Konstanzer Trichter hat bislang nur der Katamaran an Freitagen und Samstagen einen regelmäßigen Nachtbetrieb. Eine Alternative für ein künftiges Wassertaxi oder einen Wasserbus wäre das Anfahren nur des Stegs am Pulverturm ohne Schwenk in den Trichter, sagt Dienst. Es ist allerdings fraglich, ob so die Wasserverbindung noch attraktiv wäre.

Während Karin Göttlich vom FGL-Vorstand in der Verkehrsdebatte einen Wasserbus vom Industriegebiet bis in die Stadt als naheliegendes Angebot einer Stadt am Wasser begrüßte, sahen andere den Wasserbus skeptischer. Der Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel, der als Gastredner an den Debattentisch der FGL gekommen war, plädierte dafür, erst einmal die Defizite im Verkehrsangebot zu analysieren und dann nach dem Verkehrsmittel zu suchen, mit dem sich diese beheben lassen. Egal welches dann gewählt werde, es müsse angebunden sein ans bestehende Netz des öffentlichen Nahverkehrs, ansonsten sei es nicht attraktiv. Leicht verständliche Fahrpläne und bequeme Umsteigemöglichkeiten überzeugten mehr noch als der Preis bei der Frage, ob einer lieber den öffentlichen Nahverkehr nutze als das Auto.

Gastel beklagt, die Bundespolitik habe im Schwerpunkt den Ausbau der Straßen gefördert. Unter anderem sei es auf Festlegungen im Bund zurückzuführen, dass 3700 Kilometer Schiene aus dem Fernverkehrsnetz genommen und so viele Städte vom überregionalen, schnellen Bahnverkehr abgehängt wurden. Während Straßen weitgehend mautfrei zur Verfügung gestellt werden, koste die Nutzung jeden Meters Schiene. Inzwischen seien Gütertransporte auf der Schiene um 30 Prozent teurer als auf der Straße. Es sei kein Wunder, dass der Lastwagenverkehr ständig wachse. Immerhin aber sollten nun die seit 20 Jahren nicht mehr erhöhten Fördermittel für Investitionen in die Schienen-Infrastruktur deutlich aufgestockt werden.

Eine junge Frau berichtete am Debattentisch der Grünen von ständigen Ärgernissen auf der Strecke Konstanz – Ulm. Die Züge seien fast immer zu kurz und überfüllt und zu allem Überfluss falle ständig die Toilette aus. Und ein Gast wollte wissen: "Wie teuer müssten wir das Parken in der Altstadt machen, damit die Schweizer am Samstag nicht mehr in Massen kommen?"

Die Verkehrswege

Nach der Bundesstatistik setzt sich das Verkehrswegenetz in Deutschland wie folgt zusammen:

  • Kreisstraßen : 91 700 Kilometer
  • Landstraßen: 86 600 Kilometer
  • Bundesstraßen: 39 700 Kilometer
  • Schienennetz: 37 700 Kilometer
  • Autobahnen: 12 800 Kilometer
  • Wasserstraßen: 7700 Kilometer

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