Die erste Entscheidung in der ersten Sitzung des Gemeinderats in diesem Jahr hat Konstanz einen unerwarteten Geldsegen beschert: Die Stadt nimmt die Begünstigung durch die Cerlowa-Stiftung von Carl O. Walser, mit Sitz in Liechtenstein, von einer Million Euro für wohltätige Zwecke an. Das hat der Gemeinderat am Donnerstagabend einstimmig beschlossen. Das Geld soll über die kommenden Jahre hinweg in Projekte für Inklusion fließen. "Inklusiv etwas zu machen, das bringt Konstanz weiter", sagte Behindertenbeauftragter Stephan Grumbt, der den Einsatz des jährlichen Anteils mit den entsprechenden Gremien abstimmen wird. "Es ist eine angenehme Bürde, die Sie mir da zutrauen. Ich bin zuversichtlich, das kriege ich hin, das kriegen wir hin."

Carl O. Walser hat im Jahr 1969 in Liechtenstein die Cerlowa-Stiftung gegründet. Damals bestimmte er, dass Konstanz und Bad Saulgau 40 Jahre nach seinem Ableben jeweils 50 Prozent des Vermögens erhalten. Der Stifter selbst ist in Bad Saulgau geboren und aufgewachsen. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges hat er sich bis zu seinem Tod 1974 in Konstanz niedergelassen. Die Stadtverwaltung bat vor der Einbringung in den Gemeinderat Jürgen Klöckler vom Stadtarchiv, mehr über die Vergangenheit des Stifters herauszufinden – auch um eine Verbindung zur nationalsozialistischen Partei auszuschließen. Der Stadtarchivar fand laut Beschlussvorlage heraus, dass Carl O. Walser kein Mitglied der NSDAP war, er habe sich weder vor noch nach 1933 politisch betätigt.

"Ich muss sagen, das ist eine absolut großzügige Zuwendung", erklärte Roger Tscheulin (CDU). Es gebe keinen Grund, so ein Geschenk nicht anzunehmen. Herbert Weber (SPD) sagte: "So ein Ereignis trifft uns ja nicht so oft." Er beantragte, die Verwendung ausschließlich für Inklusion zunächst auf drei Jahre zu beschränken und dann erneut im Gemeinderat abzustimmen. "Vielleicht haben wir in drei Jahren in einem ganz anderen Sektor Not. Wir sollten flexibel fleiben." OB Uli Burchardt und der Gemeinderat stimmten zu.